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Schanze am Kulm-Skispringen
Die umgebaute Schanze am Kulm soll für neue Weltrekorde sorgen © twitter

München - Die Veranstalter des Skifliegens am neuen Kulm werben mit einem möglichen Weltrekord - wenige Tage nach Ammanns schwerem Sturz.

Kaum eine andere Sportart produziert so atemberaubende Bilder wie das Skispringen.

Wenn die Sportler bei ihren Flügen von hinten fotografiert oder gefilmt werden, dann wirkt es, als ob sie nicht über die Zuschauer, sondern sogar über Häuser, ja ganze Ortschaften hinweg segeln. Allen physikalischen Gesetzen zum Trotz.

Für ein paar Sekunden erfüllt sich für diese kleinen, schmächtigen Menschen der Traum vom Fliegen.

Doch irgendwann werden sie dann doch wieder vom Hang angezogen, zur Landung gezwungen.

Aus Traum wird Alptraum

Und vom einen auf den anderen Augenblick kann aus dem Traum ein Alptraum werden.

Die erschreckenden Bilder der bei der Landung gestürzten Simon Ammann und Nicholas Fairall aus Bischofshofen sind noch frisch, da sollen die Kollegen bereits für das nächste Spektakel sorgen.

Und was für eins. Die ohnehin schon furchteinflößende Schanze am Kulm im österreichischen Bad Mitterndorf wurde für das Skifliegen am kommenden Wochenende (Sa., ab 14.15 Uhr im LIVE-TICKER) umgebaut und ist nun die größte Schanze der Welt.

"250 Meter sind möglich"

Veranstalter Hubert Neuper wirbt schon euphorisch mit neuen Dimensionen und möglichen Weiten, die kaum noch vorstellbar sind.

"250 Meter sind möglich. Zum einen lockt der Weltrekord, zum anderen ist der Wettbewerb erst dann attraktiv, wenn möglichst viele Athleten an die Hillsize heranfliegen", sagte Neuper.

Mit der Hillsize wird die Größe einer Skisprungschanze angegeben. Am umgebauten Kulm beträgt sie 225 Meter. Der Weltrekord liegt bei 246,5 Metern - aufgestellt vom Norweger Johan Remen Evensen im Februar 2011 in Vikersund.

Jetzt also wollen die Österreicher diese imageträchtige Marke in ihr Land holen. Der ausgebaute Kulm bietet ihnen die ideale Möglichkeit dazu.

Irrwitzige Weitenjagd

Dass diese irrwitzige Weitenjagd selbstverständlich auch mit einem großen Risiko verbunden ist, hat ihnen noch vor einem Jahr ein kapitaler Sturz eines eigenen Landsmanns vor Augen geführt ? am Kulm.

Thomas Morgenstern krachte mit voller Wucht auf den Abhang, überschlug sich und zog sich eine Schädelverletzung sowie eine Lungenquetschung zu. "Ich bin extrem dankbar, dass ich noch am Leben bin", sagte er nach seinem Sturz.

"Morgensterns Horror-Sturz ist ja bekannt. Deshalb ist er zurückgetreten", erinnerte Bundestrainer Werner Schuster am Rande der Vierschanzentournee.

Sturmböen werden erwartet

Das Risiko ist auch an diesem Wochenende immer präsent. Zumal die Wettervorhersage alles andere als einfache Bedingungen verspricht. Ein hohes Niederschlagsrisiko und Sturmböen erwarten die Springer in den nächsten Tagen.

Die österreichischen Adler stört das kaum. Vollgepumpt mit Selbstvertrauen nach der für sie so erfolgreich verlaufenen Vierschanzentournee freuen sie schon auf das nächste rot-weiß-rote Festival.

"Das wird sicher ein Megaspektakel. Wir haben gesagt, wie geil, nach der Tournee kommt ja noch der Kulm mit vielleicht noch mehr Zuschauern", blickt Tournee-Triumphator Stefan Kraft begeistert auf das kommende Wochenende.

"Dann sollte dir kein Fehler passieren"

Schuster dagegen sieht auch die Gefahr: "Da ist immer ein wenig Respekt dabei vor dieser Schanze. Wenn dir am Tisch 5 m/s Gegenwind entgegenblasen, dann sollte dir kein Fehler passieren. Da muss auch materialtechnisch alles passen. Da darf wirklich nichts passieren."

Auch vor diesem Hintergrund will man sich lieber nicht vorstellen, wie der Sturz des Schweizer Olympiasiegers Ammann vor ein paar Tagen ausgegangen wäre, wenn er auf dem Monster-Bakken am Kulm passiert wäre.

Verzweifelt versuchte er, den Sprung noch zu stehen. Daran hinderte ihn aber offensichtlich seine Bindung. Er selbst hat maßgeblich daran mitgewirkt, dass das Band zwischen Ferse und Ski immer kürzer wurde.

Band drastisch gekürzt

"Die Bindungen sind vor allem für die Flugphase und nicht für die Landung gemacht", sagte Deutschlands Skisprung-Idol Jens Weißflog im "Focus": "Zu meiner Zeit war das Band zwischen Ski und Ferse bis zu 15 Zentimeter lang. Dadurch konnte man bei der Landung die Ferse weiter heben. Man war dadurch etwas stabiler."

Heute lägen manchmal nur zwei Zentimeter zwischen Ferse und Ski, so Weißflog: "Das hat den Vorteil, dass man die Skier in der Luft besser unter Kontrolle halten kann. Wenn aber bei der Landung ein kleines Detail schiefgeht, kann es einen schweren Sturz geben."

Dem Schweizer Nationalhelden Ammann ist so ein schwerer Sturz passiert. Während seine Kollegen nun die nächsten Weitenrekorde anpeilen, liegt er mit einer schweren Gehirnerschütterung in einem österreichischen Krankenhaus.

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