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Severin Freund beim Skispringen in Bischofshofen
Severin Freund wartet noch auf seine erste Einzelmedaille bei einer WM © Getty Images

Falun - Severin Freund ist bei der nordischen Ski-WM einer der Topfavoriten auf der Normalschanze. Bei SPORT1 spricht er über seine Ziele, Marotten und Gewichtsprobleme.

Aus Falun berichtet Lars Becker

14 Weltcupsiege, ein Titel bei der Skiflug-Weltmeisterschaft 2014. Aber noch keine Einzelmedaille bei einer nordischen Ski-WM.

Das will, das muss, Severin Freund in Falun als einer der Favoriten nun ändern. Die erste Gelegenheit hat er auf kleinen Schanze am Samstag (ab 16.30 Uhr im LIVETICKER).

Im SPORT1-Interview spricht der Team-Olympiasieger von Sotschi über seinen Goldhunger, die 100-Gramm-Affäre und seine Glücksbringer (SERVICE: Der Zeitplan der Nordischen Ski-WM).

SPORT1: Herr Freund, wie ist Ihnen nach dem Weltcup-Triumph von Vikersund auf der Flugschanze die Umstellung auf die Normalschanze in Falun gelungen?

Severin Freund: Mit 20 Stundenkilometern weniger Anfahrtgeschwindigkeit ist das natürlich ein komplett anderes Gefühl. Aber ich denke, dass mir die Umstellung vom Skifliegen geglückt ist. Wenn es losgeht, werde ich bereit sein.

SPORT1: Wie haben Sie denn die Tage seit ihrem 14. Weltcup-Sieg im Einzel verbracht?

Freund: Wir sind noch einmal nach Hause geflogen, und das war auch gut so. Das Skifliegen zehrt schon extrem. Wenn du 245 Meter springst, bist du einfach auf einem anderen Adrenalin-Level. Ich war einen halben Tag platt, dann bin ich essen gegangen und habe privat etwas gemacht. Das war schon sehr wertvoll. In so einem stressigen Winter hat jede Nacht daheim ihren Wert. Und ich habe natürlich versucht, die positiven Emotionen von Vikersund mit nach Falun zu nehmen.

SPORT1: Was hat diese WM für Sie persönlich für eine Bedeutung?

Freund: Eine WM ist etwas ganz Besonderes, speziell in einer nordischen Sportart. Das hat ein ganz besonderes Flair. Bei der WM in Oslo habe ich mir auch Wettbewerbe in der Kombination und im Langlauf angeschaut. Das war genial. Man ist ja sonst nur mit den Springern unterwegs und so eine WM bietet auch abseits des Sports Erlebnisse, die man sein ganzes Leben nicht vergisst.

SPORT1: Speziell, wenn man mit vielen Medaillen nach Hause kommt. Sie gelten ja als einer der größten deutschen Goldfavoriten bei den vier Flieger-Entscheidungen…

Freund: Dafür muss aber wirklich alles zusammenpassen. Speziell in den beiden Teamentscheidungen - mit den Jungs und im Mixed-Team mit den Mädels - haben wir gute Chancen. Wir sind von der Breite des Teams gut aufgestellt und haben ja diesen Winter auch schon zweimal gewonnen. Was die Einzelentscheidungen betrifft, bin ich ja auf der Großschanze bei meinem Sieg im letzten Jahr ganz gut zurechtgekommen. Damals war ich direkt nach Olympiagold aber auch in einem echten Flow.

Severin Freund feiert mit der Kristallkugel als bester Skispringer der Saison
Freund gewann in diesem Winter bereits fünf Weltcup-Springen. Hier jubelt er in Willingen © Getty Images

SPORT1: Wenn Ihnen jetzt jemand zwei WM-Medaillen anbieten würde – würden Sie diesen Deal unterschreiben?

Freund: Mit zwei Medaillen wäre ich auf jeden Fall zufrieden. Speziell, wenn eine Einzelmedaille dabei wäre, das wäre schon ein schönes Ding. Eine Einzelmedaille bei einer nordischen WM habe ich ja noch nicht. Aber es wird extrem eng, es gibt ganz viele Topleute wie Prevc, Kraft oder Stoch, die auf höchstem Niveau springen. Da kann niemand von Vornherein sagen, dass er ein Anrecht auf die Einzelmedaille hat.

SPORT1: Wäre für Sie eine Medaille bei einer Nordischen WM mehr wert als ihr letztjähriger Weltmeistertitel im Skifliegen?

Freund: Die Nordische WM ist natürlich vom ganzen Umfeld schöner. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass eine Medaille bei der einen oder anderen WM mehr wert ist. Die Goldmedaille von der Skiflug-WM wird immer etwas Besonderes bleiben. Schließlich habe ich da meinen ersten Einzeltitel geholt. Der hoffentlich nicht der letzte sein wird.

SPORT1: Die Vierschanzentournee hatten Sie als erstes Ziel ausgegeben. Lag es am Erfolgsdruck vor heimischem Publikum, dass es da nicht so gut funktioniert hat?

Freund: Meine Form war einfach nicht so perfekt, wie sie hätte sein müssen. Vielleicht habe ich auch an manchen Stellen zu viel nachgedacht. Aber die WM – das habe ich schon vor Saisonbeginn gesagt – ist für mich sowieso der Höhepunkt Nummer eins in diesem Winter. Dort ist der Druck mindestens genauso groß.

SPORT1: Was erwarten Sie denn für eine Stimmung in Schweden?

Freund: Schweden ist ja nicht das wahnsinnige Skisprung-Land, das steht ja eher der Langlauf im Mittelpunkt. Ich hoffe aber trotzdem, dass sie die Leute mobilisiert bekommen.

SPORT1: Haben Sie eigentlich Marotten oder Glücksbringer?

Freund:  Ich ziehe meinen linken Sprungschuh immer zuerst an, dann mache ich in den rechten Schuh einen Keil rein. Solche Abläufe bringen Sicherheit rein, aber es darf auch nicht ausarten. Glücksbringer habe ich ein paar dabei, von der Freundin, von der Schwester. Mitfliegen dürfen sie natürlich nicht, aber sie sind in der Sprungtasche dabei. Und ich hoffe, dass sie mir bei der WM Glück bringen.

SPORT1: Stellen Sie sich nach ihrer Disqualifikation beim Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt, als sie einen zu langen Ski im Verhältnis zu Ihrem Körpergewicht gesprungen sind, bei der WM noch einmal extra auf die Waage?

Freund: Das war schade, aber die Entscheidung war ganz klar, weil ich 100 Gramm zu leicht war. Dafür gibt es die Regeln. Und ich habe die Sache abgehakt und meine Lehren daraus gezogen. Wir haben unsere Waage nochmal eichen lassen. Da war tatsächlich ein kleiner Fehler drin. Und dann plane ich einfach ein bisschen mehr Toleranz ein. Ich esse einen Apfel oder trinke mehr. Dann wird das bei der WM schon passen.

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