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Richard Freitag gelang in Innsbruck der erste Tagessieg eines Deutschen bei der Vierschanzentournee seit 1993
Richard Freitag gelang in Innsbruck der erste Tagessieg eines Deutschen bei der Vierschanzentournee seit 1993 © getty

Falun - Richard Freitag schwankt zwischen den Extremen. Bei der WM schlägt das Pendel nach oben aus - auch im ersten Wettkampf? Sonst droht ihm ein Schicksal wie in Sotschi.

Richard Freitag ist süchtig nach Geschwindigkeit. Im Sommer düst der Sachse mit seiner Yamaha über den Asphalt, im Winter stürzt er sich von den Schanzen dieser Welt.

Es passt also, dass die Saison des 23-Jährigen zuletzt einer wahren Achterbahnfahrt glich. Mal ganz oben, mal ganz unten - Skispringer Freitag hat in kürzester Zeit alles erlebt.

"Für mich ging es auf und ab. Aber jetzt kann ich mich wirklich auf die Weltmeisterschaft freuen. Es ist alles offen, es ist alles drin", sagt Freitag vor der ersten WM-Entscheidung am Samstag (16. 30 im LIVETICKER).

In Titesee raus nach einem Sprung

"Alles", das kann bei Richard Freitag im besten Fall sogar eine Medaille bedeuten - im schlechtesten aber auch das Aus nach Durchgang eins.

Am Ende ist Freitag nämlich vor allem eines: eine Wundertüte. Bei der Vierschanzentournee war er es, nicht etwa Severin Freund, der in Innsbruck für den umjubelten ersten deutschen Tagessieg seit zwölf Jahren sorgte.

Einen Monat später verpasste er in Titisee-Neustadt den zweiten Durchgang. Auf und ab: So ergeht es Freitag schon seit Jahren. Im ersten WM-Training am Donnerstag gewann er mal eben den zweiten Durchgang.

Und plötzlich wieder ganz oben

Die Kunst ist es, den sensiblen Flieger aus seinen Tiefs zu holen. Werner Schuster ist das zuletzt immer wieder gelungen.

Vor dem Innsbruck-Triumph steckte Freitag schon einmal in einem Loch, der Bundestrainer verordnete seinem Schützling eine Pause. "Es war notwendig, dass er neu durchstartet. Wir haben alles auf eine Karte gesetzt", sagt Schuster im Rückblick.

Mit Erfolg: Bei seinem Comeback in Engelberg flog Freitag zum Sieg.

Die Absprungkraft ist sein Trumpf

Und nun bei der WM? "Auf der kleinen Schanze traue ich ihm durchaus etwas zu. Mit seiner Absprungkraft ist er in der Lage, eine sehr gute WM zu bestreiten", sagt Schuster.

Er weiß aber auch: "Nach der Tournee hat Richie irgendwie schleichend den Faden verloren. Am Anfang hat er noch gute Trainingsleistungen geboten, auch gute Teamleistungen, aber dann hat es nicht mehr funktioniert."

Welches ist also der wahre Richard Freitag? Die erste Antwort gibt es am Samstag. "Die Chance, dass er schnell wieder nach vorne kommt, ist gegeben", sagt Schuster.

Reifer ja, konstanter nein

Wenn nicht, droht dem DSV-Adler ein ähnliches Schicksal wie vor einem Jahr bei Olympia. In Sotschi waren Freitags Leistungen von Tag zu Tag schwächer geworden, am Ende verlor er seinen Platz im Team.

Beim sensationellen Gold-Triumph seiner Kollegen war er nur Zuschauer - und fiel danach in ein Loch.

"Das sind eben die anderen Seiten des Sports. Aber auch die gehören dazu. Man wächst dadurch", sagt er heute.

Reifer geworden ist Richard Freitag in der Tat, konstanter nicht. Aber wer weiß: Vielleicht erwischt der Sachse ja in Falun die "Wohlfühl-Wolke", die er so dringend braucht.

"Ich werde dort austrainiert und mit Freude drauflos springen", sagt er: "Auf die zwei Wochen im schönen Schweden freue ich mich richtig."

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