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Weltmeister! Severin Freund ist der Star der nordischen Ski-WM in Falun © Getty Images

München - Skisprung-Legende Jens Weißflog spricht im SPORT1-Interview über die starke WM von Severin Freund, Carina Vogt als Typ und Deutschlands Chancen bei der Tournee.

Noch hat Jens Weißflog Severin Freund zwei große Titel voraus.

Der heute 50-Jährige hat neben WM- und Olympiagold auch die Vierschanzentournee und den Gesamtweltcup gewonnen.

Aber spätestens mit seinen Erfolgen bei der nordischen Ski-WM ist Severin Freund ebenfalls in die Eliteklasse der deutschen Skispringer aufgestiegen.

Bei SPORT1 spricht Altmeister Weißflog über Freunds Perspektive, die Leistung des deutschen Teams und die Zukunft der Frauen im Skispringen.

SPORT1: Herr Weißflog, worin sehen Sie das Erfolgsgeheimnis von Severin Freund?

Weißflog: Im Sport gibt es heutzutage relativ wenige Geheimnisse. Vieles hat einfach mit kontinuierlicher Arbeit zu tun. Wenn man den Weg seit 2011 verfolgt, ist das stetig nach oben gegangen. Das heißt dann noch nicht folgerichtig, dass man so überlegen bei einer Weltmeisterschaft gewinnt. Trotzdem ist eine gewisse Entwicklung dahinter, auch in dem Hinblick, dass er nervlich stabiler geworden ist. Er kann mit so einer Wettkampfsituation vielleicht besser umgehen als noch vor ein, zwei Jahren.

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Jens Weißflog bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer. © Getty Images

SPORT1: Wie kam der riesige Vorsprung zu Stande? Lag das nur an Freunds Stärken oder hat die Konkurrenz geschwächelt?

Weißflog: Geschwächelt würde ich nicht sagen. An so einem Tag muss alles zusammen passen. Da haben sicherlich die Sprünge und die äußeren Bedingungen mitgespielt, dass dieser Vorsprung zu Stande kam. Trotzdem muss man auch sagen, dass Severin Freund über die letzten Wettkämpfe der Stabilste in der Weltspitze war. Er war einfach überlegen.

SPORT1: Wie würden Sie insgesamt die Leistungen der deutschen Skispringer bei der WM beurteilen?

Weißflog: Severin Freund überstrahlt sicherlich alles. Und natürlich auch das Mixed-Team mit Carina Vogt. Aber ich glaube auch dahinter sind die Ergebnisse und Entwicklungen als positiv zu betrachten. Einen Markus Eisenbichler hat man zum Beispiel vor einem Jahr noch nicht gekannt. Optimierungsbedarf gibt es sicherlich bei einem Richard Freitag, der mit einer guten Tagesform auf alle Fälle auch weiter vorn reinspringen kann. Trotzdem ist es neben Severin Freund auch insgesamt ein gutes Mannschaftsergebnis.

SPORT1: Was sagen Sie zum WM-Gold von Carina Vogt und könnte das Auswirkungen für den Stellenwert des Frauen-Skispringens haben?

Weißflog: Ich glaube, das hängt nicht von den Sportlern selbst ab. Es ist, glaube ich, ein nicht erklärbares Phänomen, warum eine Sportart plötzlich gehypt wird und warum nicht. Aus meiner Sicht wurden die Hausaufgaben von den Verbänden und den Sportlern gemacht. Es liegt eher an denen, die darüber reden und schreiben, ob das einen neuen Stellenwert bekommt oder ob sie in Carina Vogt oder in Severin Freund einen Typ entdecken oder nicht.

Ski Jumping: Women's HS100 - FIS Nordic World Ski Championships
WM- und Olympiasiegerin: Carina Vogt freut sich über eine weitere Goldmedaille. © Getty Images

SPORT1: Sehen Sie in Severin Freund den kommenden Gesamtweltcup-Sieger und Gewinner der Vierschanzentournee?

Weißflog: Ob er Gesamtweltcup-Sieger wird, wird der Verlauf der restlichen Saison zeigen. Da sehe ich ihn durchaus dazu in der Lage. Die Tournee ist immer etwas Besonderes. Aber ich hoffe, dass er das Trauma – wenn man überhaupt von Trauma sprechen kann – der medaillenlosen Großereignisse überwunden hat.

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