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VIERSCHANZENTOURNEE 99/00
Reinhard Heß war von 1993 bis 2003 Bundestrainer der deutschen Skisprungnationalmannschaft © Getty Images

Reinhard Heß' Tod am Heiligabend 2007 überschattet damals die bevorstehende Vierschanzen-Tournee. Wolfgang Kleine erinnert an dieses traurige Ereignis vor acht Jahren.

Im Autoradio hörte ich auf der A9 nur 30 Kilometer nördlich von München auf der Fahrt ins Rheinland Musik. An dem Nachmittag des 24. Dezember 2007 freute ich mich nach dem Redaktionsdienst schon auf die Überraschungen am Heiligabend, da begannen die Nachrichten. Die erste Meldung: "Reinhard Heß, der ehemalige Trainer der erfolgreichen deutschen Skispringer, ist tot. Er starb im Krankenhaus in Bad Berka an einer unheilbaren Krankheit."

Ich fuhr langsamer, war sehr betroffen. Ich sah Reinhard Heß, den Mann mit der Mütze vor dem geistigen Auge. Kurz danach schaute ich, wo ich den nächsten Autobahnrastplatz fand und hielt. Auf dem Handy telefonierte ich mit der Redaktion: "Es ist gerade gemeldet worden, dass Reinhard Heß gestorben ist. Wisst Ihr das schon? Hat das die Agentur gemeldet?" Die Antwort: "Bisher noch nicht. Aber wir kümmern uns jetzt drum."

Das Weiterfahren war nicht so einfach. Immer wieder sah ich die Bilder des lachenden, aber auch auf dem Trainerturm kritisch blickenden Reinhard Heß. Auch, wie der Gold-Schmied 2002 seine Mütze zog und sich vor Sven Hannawald verneigte, der bei der Vierschanzen-Tournee in Bischofshofen gerade zuvor ebenfalls sein viertes Springen gewonnen hatte. Bis heute hat das kein Athlet mehr erreicht.

Keiner erfolgreicher als Heß

Apropos Vierschanzen-Tournee: Niemals waren die deutschen Springer dort erfolgreicher als unter der Regie von Heß. Sein späterer Nachfolger Werner Schuster, der heutige Bundestrainer, hat auch schon viel mit den DSV-Adlern erreicht, aber bei der Tournee, die wie keine andere Winter-Sportveranstaltung im öffentlichen Blickpunkt steht, erlebte Schuster immer wieder Enttäuschungen.

Das soll bei der diesjährigen, am 29. Dezember in Oberstdorf beginnenden Tournee, endlich anders werden. Vorflieger Severin Freund, sorgte bisher bei den Weltcup-Springen für die großen Erfolge. Auf den Weltcup-Gesamtsieger setzt Schuster seine Hoffnungen, die in den vergangenen Jahren aber auch von Freund nicht erfüllt wurden.

1000 Trauergäste gaben letztes Geleit

Zurück in die Vergangenheit. Reinhard Heß, der fast zwei Jahre lang unter seiner tückischen Krankheit gelitten hatte, wurde in Suhl unter der Anteilnahme von rund 1000 Trauergästen beigesetzt. Unter ihnen waren die erfolgreichen Springer-Helden Hannawald, Ex-Weltmeister Martin Schmitt und  Olympiasieger Jens Weißflog.

Der Spiegel veröffentlichte damals Worte, die Reinhard Heß noch Ende November Freunden anvertraut hatte: "Ich bin dankbar, dass mir der Herrgott noch eine schöne Zeit geschenkt hat. Ich konnte viel mit meiner Frau Regina unternehmen, hatte mein zweites Enkelkind im Arm. Da habe ich manchmal fast vergessen, dass ich unheilbar krank bin. Jetzt muss ich dem Sensenmann in die Augenschauen."

Reinhard Heß verlor am 24. Dezember 2007 im Alter von 62 Jahren seinen schweren Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsen-Krebs.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979und die Begleitung der Tour de France 1996, 1997 sowie 1998 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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