vergrößernverkleinern
Die Sturzopfer Simon Ammann (l.) und Severin Freund stehen beim Dreikönigsspringen vor einer Mutprobe
Die Sturzopfer Simon Ammann (l.) und Severin Freund stehen beim Dreikönigsspringen vor einer Mutprobe © Getty Images / DPA Picture-Alliances

Bischofshofen - Simon Ammann kehrt ein Jahr nach seinem Horror-Sturz bei der Vierschanzentournee nach Bischofshofen zurück. Die Sturzgefahr ist beim finalen Springen allgegenwärtig.

Die Szene ist den Skisprung-Fans noch allgegenwärtig.

Simon Ammann liegt bäuchlings im Schnee, regungslos, er blutet.

Der Horror-Sturz des Schweizers überschattete im Vorjahr das Abschlussspringen der Vierschanzentournee in Bischofshofen. Er zeigte einmal mehr, wie gefährlich Skispringen sein kann. 

Nun steht wieder das Springen in Bischofshofen vor der Tür (Mi. 17 Uhr im LIVETICKER), und wieder ist die Gefahr allgegenwärtig.

Denn in Innsbruck kam der deutsche Hoffnungsträger Severin Freund im Probedurchgang zu Fall. Nach einem weiten Satz auf 129 Meter verlor er das Gleichgewicht, konnte sich aber im Gegensatz zu Ammann noch zur Seite werfen und so eine ernsthafte Verletzung verhindern.

"Dafür, wie der Sturz ausgesehen hat, geht es mir noch wahnsinnig gut. Morgen werde ich den einen oder anderen blauen Fleck haben, aber das hätte noch viel blöder ausgehen können", sagte Freund hinterher.

Schuster platzt der Kragen

Eigentlich müsste der Niederbayer noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um in Bischofshofen noch ein letztes Mal den Gesamtführenden Peter Prevc aus Slowenien zu attackieren. Doch am Ruhetag musste er erst einmal seine Wunden pflegen.

Auch deshalb platzte Bundestrainer Werner Schuster nach dem Springen in Innsbruck der Kragen.

Offen machte er den Veranstalter für Freunds Sturz mitverantwortlich: "Ich habe die Präparierung als nicht ausreichend für einen Weltcup empfunden. Das muss man auch mal sagen dürfen, weil das in dieser Saison nicht zum ersten Mal vorkommt", kritisierte er.

Fairall noch immer gelähmt

Auch in Bischofshofen machte die Schneeauflage den Springern im Vorjahr zu schaffen. Es hatte ebenfalls frisch geschneit, zudem ist Naturschnee von seiner Beschaffenheit her anders als Kunstschnee.

Simon Ammann zog sich 2015 beim Springen in Bischofshofen eine schwere Gehirnerschütterung zu
Simon Ammann zog sich 2015 beim Springen in Bischofshofen eine schwere Gehirnerschütterung zu © Getty Images

So stürzte schon einen Tag vor Ammann in der Qualifikation der Amerikaner Nick Fairall übel. Er ist noch heute an beiden Beinen gelähmt.

Ammann erlitt eine schwere Gehirnerschütterung, lange Zeit, war unklar, ob er je wieder von einer Schanze springen würde. Erst vier Monate nach dem Sturz erklärte der vierfache Olympiasieger, "noch immer vom Skisprung-Fieber gepackt" zu sein. Er setzte seine Karriere fort.

Landung nun mit rechts

Das mögliche Aufkommen von Angst bei der Rückkehr auf die Schanze bekämpfte er aktiv. Er schaute sich Aufnahmen des Sturzes an, analysierte ihn. Und er entschied seine Technik bei der Landung umzustellen.

Statt zuvor den linken Fuß setzt der Schweizer nun bei der Telemark-Landung den rechten Fuß zuerst in den Schnee.

"Ich habe meinem linken Fuß nicht mehr vertraut", erklärt er die Änderung.

Genauer gesagt war der rechte Fuß auch schon immer der Stärkere, doch als 17-Jähriger verletzte sich Ammann beim Inlineskaten und musste notgedrungen zunächst einmal mit dem linken Fuß landen. Das behielt er 17 Jahre lang bei.

Thoma ist skeptisch

Doch die Umstellung macht Ammann zu schaffen. Über Jahre lang eingeübte Automatismen von heute auf morgen zu ändern ist fast so, als würde man eine Sportart komplett neu erlernen.

"Das ist koordinativ im Stresszustand bei über 100 km/h sehr schwer", bestätigte Skisprung-Legende Dieter Thoma im SPORT1-Interview: "Ich habe das aufgrund meiner acht Knie-Operationen auch versucht und hatte nur mäßigen Erfolg. Es wird für ihn ganz schwierig, um Siege mitzuspringen, falls ihm die Umstellung nicht gelingen sollte. Das musste ich leider auch am eigenen Leib erfahren und empfinde da mit ihm."

Einen richtigen Telemark setzte Ammann nur selten bei dieser Tournee. Wie groß seine Unsicherheit noch ist, wenn es Richtung Landung geht, zeigte sich in der Qualifikation von Innsbruck.

Bei guten Bedingungen traf das Sprungwunder den Absprung perfekt und segelte Richtung 130-Meter-Marke. Doch dann wurde ihm mulmig zumute. Er breitete die Arme aus, um die Luftfahrt zu bremsen. Mit beiden Beinen nebeneinander landete er dann bei 127 Metern.

Ein Gefühl der Sicherheit sieht anders aus. Die Angst springt weiter mit - auch in Bischofshofen.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel