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Peter Prevc und Severin Freund
Peter Prevc (r.) hat in der Gesamtwertung 8,6 Punkte Vorsprung auf Severin Freund © Getty Images

Garmisch-Patenkirchen - Peter Prevc dreht in Garmisch-Partenkirchen den Spieß um und geht mit einem leichtem Polster ins dritte Springen nach Innsbruck. Severin Freund ist aber weiter optimisch.

Die Stimmung beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen lief eher schleppend an. Trotz des K.o.-Modus und der 25 Duelle Mann gegen Mann.

Letztlich warteten die Fans nur auf den großen Showdown am Ende des Ersten Durchgangs: Freund vs. Prevc.

Dieser Zweikampf hatte es dann aber in sich: Erst war Freund an der Reihe, der mit 133,5 Metern die bislang größte Weite des Tages vorlegte. Sein slowenischer Rivale musste kontern, um in der Gesamtwertung nicht weiter zurückzufallen - und landete exakt auf der grünen Laserlinie, die Freunds Weite im Schnee anzeigte.

Die 25.000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion tobten, mit hauchdünnen 1,4 Punkten lag Prevc im Zwischenklassement vor dem Deutschen.

Mehr Spannung geht nicht.

Prevc findet es lustig

Prevc fand es "fast schon lustig", das Duell auf Augenhöhe. Der Kampf gegen den Lokalmatador und dessen lautstarke Fans gab ihm eine Extra-Motivation, wie er hinterher erzählte.

Der Krimi neigte sich im Zweiten Durchgang dem Höhepunkt zu, Freund und Prevc saßen oben im Anlaufturm nebeneinander, würdigten sich aber keines Blickes. Der Slowene wirkte gar zwischenzeitlich so, als würde er ganz cool noch ein kleines Nickerchen halten.

Auf der Schanze war der Slowene dann hellwach und entschied das Duell mit einem Sprung auf 136 Meter klar für sich. Freund war schon bei 132,5 Metern gelandet und hatte obendrein die Landung leicht verwackelt.

Sein Vorsprung in der Gesamtwertung wandelte sich so in 8,6 Punkte Rückstand.

Freund gibt nicht auf

Geschlagen aber gibt sich Freund im Kampf um den Tourneesieg vor den Springen in Innsbruck und Bischofshofen noch lange nicht: "Fertig geschrieben ist noch nichts, ich bin weiter optimistisch für die nächsten beiden Springen."

Nicht nur Freund, auch die Skisprung-Fans hoffen, dass die Geschichte dieser Tournee noch nicht zu Ende erzählt ist.

In den vergangenen Jahren gab es meist einen Überflieger, der nach starken Auftritten auf den deutschen Schanzen auf Wolke sieben Richtung Innsbruck und Bischofshofen schwebte.

Einen wirklichen Zweikampf bis zum Schluss gab es zuletzt 2005/06, als es Jakub Janda und Janne Ahonen auf die Spitze trieben und sich am Ende punktgleich den Sieg teilten.

Drama at it's best, und nun mit einem Deutschen in der Hauptrolle.

Prevc in besserer Form

Der Vorteil liegt allerdings jetzt bei Prevc, Freund gestand dessen bessere sportliche Form hinterher ein: "Der Peter ist schon einen Schritt weiter, er hat weniger Differenzen in seinen Sprüngen drin."

Bundestrainer Werner Schuster sah es ähnlich: "Eigentlich müsste Prevc mehr als acht Punkte Vorsprung haben."

Bei einem genauen Blick auf die bisherigen Sprünge bei der Tournee bestätigen sich die Aussagen Freunds und Schuster. Im Zweiten Durchgang von Oberstdorf, als Freund vor Prevc landete, hatte der Deutsche ebenso bessere Windverhältnisse als der Slowene wie beim ersten Sprung in Garmisch-Partenkirchen.

Freund "neutral-freudig"

Doch genau diese Fakten machen Schuster und Freund auch weiterhin Hoffnung, dass das Duell doch zugunsten des Deutschen entschieden werden könnte.

Denn die Form allein ist nicht alles im Skispringen, Glück oder Pech bei den Windverhältnissen und starke oder schwache Nerven könnten die Tournee als X-Faktor letztlich auch entscheiden.

Deshalb macht es sich Freund nun in der Verfolgerrolle bequem: "Ich gehe neutral-freudig nach Innsbruck. Man versucht aus beiden Positionen heraus, immer aggressiv bleiben zu wollen und anzugreifen."

Schwierige Schanze in Innsbruck

Beim Drama in vier Akten steht nun das Springen auf der wohl schwierigsten aller vier Schanzen auf dem Programm (So., 14 Uhr im Liveticker). Die relativ kleine Anlage in Innsbruck mit dem Sprung Richtung Gegenhang ist für Fliegertypen wie Prevc und Freund nicht optimal.

Prevc gibt zu, dass er nicht die besten Erinnerungen an den Wettbewerb in Tirol hat. "Im letzten Jahr hatte ich dort zu kämpfen, ich hatte Probleme mit der Schanze", erinnert er sich. Doch auch Freund gelang am Bergisel nie ein besseres Ergebnis als ein vierter Platz.

Der Showdown geht also spannend weiter, nun also auch noch mit einem Handicap für beide Rivalen. Ein Traum für alle Skisprung-Fans.

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