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Severin Freund (l.) belegte in der Gesamtwertung der Tournee Rang zwei hinter Peter Prevc (r.)
Severin Freund (l.) belegte in der Gesamtwertung der Tournee Rang zwei hinter Peter Prevc (r.) © Getty Images

Bischofshofen - Platz zwei bei der Vierschanzentournee soll für Severin Freund erst der Anfang sein. Bundestrainer Werner Schuster weiß, was Freund für den Tourneesieg noch fehlt.

Severin Freund hat alles gegeben, doch zum ganz großen Traum, dem Sieg bei der Vierschanzentournee hat es nicht gereicht.

"Man muss sportlich sagen, dass da in Peter Prevc einer deutlich besser war", gratulierte Freund nach dem letzten Springen in Bischofshofen dem Gewinner aus Slowenien.

Verglichen mit den vergangenen Jahren war der zweite Platz des Niederbayern zwar ein großer Erfolg für den Deutschen Skiverband. Immerhin war es die erste deutsche Podestplatzierung in der Gesamtwertung seit acht Jahren.

"Wir sind sehr stolz auf diesen zweiten Platz", sagte Bundestrainer Werner Schuster deshalb.

Doch die Sehnsucht der deutschen Fans nach einem deutschen Triumph bei der Tournee ist weiterhin groß. 14 Jahre müssen die Skisprung-Anhänger schon darauf warten, und nun werden es 15 werden.

Bester Sprung erst am Schluss

Freund jedoch stellt klar, dass er sich auf Dauer mit Platz zwei nicht zufrieden geben wird. "Es hat noch nicht für ganz vorne gereicht, deswegen gibt es auch noch Aufgaben für die Zukunft", blickte er nach vorn.

Was in Zukunft besser laufen muss, dafür lieferte Schuster bereits einen Ansatz. "Prevc war am Anfang der Tournee zu weit weg, da waren es fünf bis acht Meter. Am Schluss haben wir den Rückstand auf zwei Meter verkürzt und Severin konnte ihn unter Druck setzen."

Seinen besten Tourneesprung machte Freund laut Schuster ganz am Schluss, als er in Bischofshofen bärenstarke 141 Meter in den Schnee setzte.

Doch um die Tournee zu gewinnen, muss man eben von Anfang an die Topform haben. Und dann ist es auch egal, wie der Gegner heißt.

Selbstgemachtes Dauerproblem

Das falsche Timing der Form ist schon seit Jahren ein deutsches Problem.

Das hat auch damit zu tun, dass der DSV die Bedeutung der Vierschanzentournee bewusst herunterspielte. Es sei nur eines von vielen Events während des Winters, hieß es da meist.

Die Springer sollten nicht noch zusätzlich unter Druck gesetzt werden, die Erwartungen der Öffentlichkeit, die die früheren Glanzzeiten herbeisehnte, waren eh schon groß genug.

Doch im Nachhinein entpuppte sich das als Fehler, die deutschen Athleten gingen selten optimal vorbereitet in die Tournee.

Nützliche Simulation

Diesmal war das ganz anders. Schon im Sommer simulierte das DSV-Team die komplette Vierschanzentournee nach.

Freund und Co. waren sich bewusst, was auf sie zukommen würde. Für die schnelle Umstellung auf ein immer wieder neues Schanzenprofil waren sie bereit.

"Wir haben Vieles richtig gemacht", sagte Schuster deshalb auch zurecht.

Wind hilft mit

Freunds Formkurve hatte zum Auftakt den Tournee dennoch noch nicht ihren Höhepunkt erreicht.

Als der 27-Jährige beim ersten Sprung in Oberstdorf viel zu spät dran war, dachte Schuster schon: "Um Himmels Willen, nicht schon wieder!"

Mit dem ersten Durchgang in Oberstdorf war Severin Freund nicht ganz zufrieden
Mit dem ersten Durchgang in Oberstdorf war Severin Freund nicht ganz zufrieden © Getty Images

Zum Glück schenkte der Wind Freund eine zweite Chance, die er zu nutzen wusste. Mit deutlich besseren Bedingungen als Prevc sprang er noch von Rang fünf zum Sieg. Der Auftakt war gelungen, die Euphorie bei den deutschen Fans war da. "Dadurch wird es extrem viel leichter", erklärte Freund.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird er sein Augenmerk im kommenden Winter noch mehr darauf setzen, schon in Oberstdorf bei hundert Prozent zu sein.

Wenn er sagt, er werde "aus der Tournee eine Menge mitnehmen", ist das die wichtigste Lektion des Weltmeisters.

Team noch mit Luft nach oben

Bundestrainer Schuster musste vor allem lernen, dass er momentan nur einen Springer in der absoluten Weltspitze hat. "Norwegen und Slowenien sind uns voraus, auch mit Hinblick auf die Skiflug-WM", sagte der Coach zur deutschen Teamstärke.

Auch wenn es Richard Freitag und Andreas Wank als Neunter und Zehnter in die Top 10 der Gesamtwertung schafften, muss man feststellen, dass Freitag und auch der hochtalentierte Andreas Wellinger ihr Potential nicht voll ausschöpften.

Das starke Ergebnis von Innsbruck mit vier Athleten unter den besten Zehn machten die deutschen Springer in Bischofshofen ein wenig zunichte. "Das hat uns negativ überrascht", gab Schuster zu.

Für die Riege hinter Freund gilt also erst recht: Es gibt noch Aufgaben für die Zukunft.

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