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FIS Nordic World Cup - Four Hills Tournament
In der Tournee-Gesamtwertung spielt der Weltcup-Führende Domen Prevc keine Rolle mehr © Getty Images

Domen Prevc wird seiner Favoritenrolle bei der Tournee nicht gerecht. Auf die Rückschläge in Oberstdorf und Garmisch reagiert der Weltcup-Führende aber unbeeindruckt.

Der Überflieger ist nach den ersten beiden Springen der Vierschanzentournee auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Womit der Riesenrummel um den slowenischen Teenager Domen Prevc nach der Hälfte der Eventserie auf ein erträgliches Maß zusammengestampft ist. Prevc selbst? Gibt sich nach den mehr oder weniger misslungenen Auftritten von Oberstdorf und Garmisch so gelassen wie nach der Siegesserie der ersten Saisonphase.

"Es ist doch nichts Besonderes passiert. Vielleicht mache ich im Moment kleine Fehler, vielleicht fehlt ein wenig das Gefühl", sagte Prevc: "Ich muss den Kopf oben halten und einfach weitermachen." Auf ein Neues also in Innsbruck, wo am Donnerstag (14 Uhr im LIVETICKER) das dritte Tourneespringen ausgetragen wird.

"Domenator" oder Flattervogel?

Völlig offen, welche Version des Youngsters der Bergisel dann erlebt: Den "Domenator", der immer noch den Gesamtweltcup anführt - oder doch den Flattervogel des Tournee-Auftakts?

In Oberstdorf hatte sich Prevc mit Platz 26 und zwei verkorksten Flügen bereits aus dem Kreis der Anwärter auf den Gesamtsieg geschossen, mit Platz fünf in Garmisch dann immerhin seine Klasse angedeutet.

Knapp 60 Punkte beträgt sein Rückstand zur Halbzeit auf Tournee-Spitzenreiter Kamil Stoch aus Polen, in jedem der letzten vier Wettkampfsprünge müsste Prevc neun Meter gutmachen. Vieles ist bei Domen denkbar - das allerdings nicht.

Schuster: "Das ist nur menschlich"

"Domen hat es nicht durchgekriegt, das lag ein bisschen in der Luft", sagt der deutsche Bundestrainer Werner Schuster: "Er ist nach wie vor ein herausragender Skispringer, seine Saison nimmt ihm keiner weg. Das ist nur menschlich."

Menschlich ist auch, dass Prevc seine Rolle sucht. Was auf der Vierschanzentournee, der größten Bühne, die das Skispringen zu bieten hat, nicht ganz einfach für einen Teenager ist. Mitunter durchquert Prevc das Rampenlicht noch tapsig wie ein junger Bär.

In Garmisch beispielsweise leistete sich der Novize einen Rückfall ins Bengelige, als er leichtfertig Qualifikationssieg und -prämie wegwarf. Einen grandiosen Flug beendete er lustlos, kachelte die Landung in den Hang anstatt sauber und problemlos den Telemark zu setzen.

Tragische Vorbilder

"Was interessieren mich die 2000 Euro für den ersten Platz, wenn ich in der Luft bin? Eine Qualifikation ist für mich Training, nicht mehr", verkündete der blassgesichtige Bub hernach und wirkte dabei wie ein bockiger Teenie, dem die Eltern kurzfristig Internetverbot erteilt hatten.

So richtig schlau wird noch niemand aus Prevc - und vielleicht muss man das aus einem 17-Jährigen gar nicht werden. Schließlich hat den besten 17-Jährigen von einst, einem Primoz Peterka, einem Toni Nieminen, auch einem Gregor Schlierenzauer, der frühe Ruhm teils mächtig geschadet. Unbedarft waren sie in Prevcs Alter eigentlich nie - später teilweise gar kreuzunglücklich.

In Garmisch war Domen übrigens bester der drei Prevc-Brüder, in Oberstdorf war es Cene, der mittlere. Keinmal lag Peter, der älteste, vorne. Der ist immerhin Tournee-Titelverteidiger.

"Irgendwie scheint es in dieser Familie nicht einfach zu sein", sagt Werner Schuster.

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