vergrößernverkleinern
Noriaki Kasai will sich auch noch mit 50 Jahren die Schanzen dieser Welt hinunterstürzen
Noriaki Kasai will sich auch noch mit 50 Jahren die Schanzen dieser Welt hinunterstürzen © Getty Images

München - Vor seiner 27. Tournee hat Noriaki Kasai noch zwei Träume. Bei SPORT1 kündigt er noch eine lange Karriere an - und sogar die Gegner schwärmen vom Phänomen "Nori".

Seit 29 Jahren (!) segelt Noriaki Kasai im Weltcup von den Skisprung-Schanzen der Welt. Zwei große Träume aber konnte er sich noch nicht erfüllen.

Da wäre zum einen der Olympiasieg: 1994 in Lillehammer holte er mit der japanischen Mannschaft Silber, 2014 in Sotschi reichte es mit der Mannschaft zu Bronze, auf der Großschanze im Einzel auch "nur" zu Silber.

Zum anderen würde Noriaki Kasai gerne einmal die Vierschanzentournee gewinnen. Auch das hätte er zwei Mal fast geschafft, 1993 (hinter Andreas Goldberger) und 1999 (hinter Janne Ahonen) landete er jeweils auf Platz zwei.

27. Vierschanzentournee für Kasai

Am Freitag startet "Nori" in Oberstdorf in seine 27. Tournee (alle Springen im LIVETICKER). Und auch mit sage und schreibe 45 Jahren will der älteste Springer im Weltcup-Zirkus vor allem eines: erfolgreich sein.

"Natürlich hoffe ich, dass ich auf das Podest springen kann", erklärt Kasai bei SPORT1: "Die Vierschanzentournee ist für mich immer noch etwas ganz Besonderes - und daher hoffe ich, dass ich meine beste Leistung bringen kann."

Aber was ist seine beste Leistung gegen die deutlich jüngere Konkurrenz noch wert? Als beste Platzierung steht für Kasai in dieser Saison bislang ein zehnter Platz in Titisee-Neustadt zu Buche. Zuletzt in Engelberg verpasste er zwei Mal das Finale der besten 30.

Thoma: "Nori ist etwas Besonderes"

Der Begeisterung für den Skisprung-Oldie tut all das keinen Abbruch. Selbst gestandene Männer um die 60 harren stundenlang an den Schanzen aus, um ein Foto oder ein Autogramm zu ergattern. Das Phänomen Kasai fasziniert eben Jung und Alt.

"Nori ist wirklich etwas ganz Besonderes. Irgendwie hat er es geschafft, den Alterungsprozess zu stoppen", meint der einstige Tourneesieger Dieter Thoma bei SPORT1: "Das begeistert natürlich das Publikum, weil man sieht, was Sportler auch mit 45 Jahren imstande sind zu leisten."

Und auch die Konkurrenz gerät beim Namen Kasai regelrecht ins Schwärmen.

Kasai für Tande "mein Held"

"Er ist auch mit 45 noch wirklich ein frecher Hund", sagt Simon Ammann, immerhin auch schon 36 Jahre alt, im Gespräch mit SPORT1 lachend: "Es ist einfach schön, dass es ihn gibt."

Der Gesamtweltcup-Dritte Daniel Andre Tande, mit 23 Jahren rund halb so alt wie Kasai und erst sechs Jahre nach dessen Weltcup-Debüt geboren, geht sogar noch weiter.

"Noriaki Kasai ist mein Held. Ich versuche einfach nur, von ihm zu lernen", sagt der Norweger bei SPORT1.

Wie Kasai mit 45 immer noch auf Weltcup-Niveau springen kann, dafür hat auch Tande keine Erklärung.

Tande: "Keine Ahnung, wie er das macht"

"Ich habe keine Ahnung, wie er das macht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in dem Alter nicht mehr auf diesem Niveau springen werde - wahrscheinlich werde ich überhaupt nicht mehr springen können", prophezeit Tande lachend.

Selbst auf sein Geheimnis angesprochen, reagiert Kasai wie man ihn kennt: zurückhaltend und bescheiden.

"Ich mache eigentlich auch nichts Besonderes, was Training oder Ernährung angeht", beteuert er: "Ich denke, es ist mir einfach in die Wiege gelegt worden."

Hannawald lobt japanische Ruhe

Immerhin sein einstiger Konkurrent und heutiger Eurosport-Experte Sven Hannawald meint zumindest einen Teil des Erfolgsrezepts entschlüsselt zu haben: die japanische Ruhe.

"Dem sieht man ja nie Stress an. Er lässt sich nicht beirren und dreht auch nicht durch, wenn es mal nicht so funktioniert", erklärt Hannawald bei SPORT1: "Das ist bewundernswert und ich freue ich mich über jeden weiten Sprung und noch mehr über jede Podestplatzierung von ihm."

Der letzte deutsche Tourneesieger ist allerdings skeptisch, ob es für Kasai in den nächsten Tagen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck oder Bischofshofen nach ganz vorne reicht.

Spezielle Vorbereitung auf Olympia?

"In Sachen Fliegen ist er noch der Alte, aber der Absprung und die Abfahrtshocke funktionieren bei ihm im Moment nicht", analysiert Hannawald: "Da sitzt er viel zu hoch und hat somit keine Beschleunigung im Absprung."

Abschreiben will er seinen einstigen Rivalen aber noch lange nicht - schließlich habe der auch im vergangenen Jahr in der zweiten Saisonhälfte noch einmal zugelegt.

"Ich lasse mich gerne überraschen, ob es in der zweiten Saisonhälfte wieder besser wird. Es kommen im Saisonverlauf noch größere Schanzen, da kann er sein Fliegen wieder ausleben", meint Hannawald und mutmaßt: "Vielleicht bereitet er sich ja auch speziell auf Olympia vor - man kann nie wissen."

Kasai will springen, "bis ich 50 bin"

Im Februar in Pyeongchang geht es schließlich wieder um Kasais zweiten großen Traum - auch wenn es nicht seine letzte Olympia-Teilnahme sein soll.

Auf die Frage, wie lange er noch springen möchte, sagt Kasai bei SPORT1 ganz bestimmt: "Bis ich 50 bin."

Seinen Traum von Olympia-Gold könnte er sich also auch noch 2022 in Peking erfüllen.

Und das mit der Tournee kann bei einer der nächsten fünf Ausgaben ja auch noch klappen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel