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Die Karriere von WWE-Star Daniel Bryan ist von einer Gehirnerschütterung bedroht
Die Karriere von WWE-Star Daniel Bryan ist von einer Gehirnerschütterung bedroht © Getty Images

München - Die Folgen einer Gehirnerschütterung bedrohen die WWE-Karriere von Daniel Bryan. Das Thema ist vieldiskutiert - und hat eine tragische Vorgeschichte.

Daniel Bryan hat ein Interview in Singapur gegeben, solche Interviews gibt der Wrestling-Star gerade häufiger, mangels anderer Aufgaben.

Seit acht Monaten stand der dreimalige WWE Champion nicht mehr im Ring, beschäftigt sich stattdessen vor allem mit Promo-Terminen in fernen Ländern. Die Umstände der langen Abwesenheit aus dem Showkampf-Programm: zunehmend rätselhaft.

Sein Verletzungsfall hat hinter den Kulissen einen Streit der Ärzte und bei Fans diverse Verschwörungstheorien ausgelöst.

Und wohin das alles führen könnte, hat der 34-Jährige nun noch einmal deutlich gemacht. "Ich denke, es könnte das Ende meiner WWE-Karriere sein", sagte er der New Times.

Seit acht Monaten außer Gefecht

Im vergangenen April ging die Geschichte los: Bryan wurde aus medizinischen Gründen aus den WWE-Shows abgezogen.

Im Mai verkündete Bryan selbst, dass er für unbestimmte Zeit außer Gefecht wäre. Er sprach von einer Kernspintomographie, weder er noch die WWE machten jedoch öffentlich, welches Problem diese Untersuchung offenbart hatte.

Erst im Juli erklärte Bryan: Es geht um die Folgen einer im April erlittenen Gehirnerschütterung, offensichtlich schwerwiegende.

Eine ernste Sache - bei der die WWE in besonderem Maße sensibilisiert ist.

Ein Thema mit tragischer Vorgeschichte

Vor 12 Jahren musste Jungstar Christopher Nowinski mit 24 seine WWE-Karriere beenden. Er litt am Post Concussion Syndrome - bleibenden Folgen einer Kopfverletzung. Aus dem Harvard-Absolventen Nowinski ist seitdem ein profilierter Experte für das Thema geworden.

Einst Wrestler, nun gefragter Experte für Kopfverletzungen: Christopher Nowinski
Einst Wrestler, nun gefragter Experte für Kopfverletzungen: Christopher Nowinski © Getty Images

Mit seinem Buch "Head Games: Football's Concussion Crisis" und als Mitgründer der Concussion Legacy Foundation hat er in hohem Maße dazu beigetragen, dass dem Football und anderen Sportarten die unterschätzten Gefahren der Schädeltraumata bewusst wurden.

Auch die WWE erinnerte er wiederholt an ihre Verantwortung: Im Fall des WWE-Stars Chris Benoit, der 2007 seine Ehefrau, sein Kind und sich selbst tötete, regte er eine posthume Gehirnuntersuchung an. Die Experten fanden im Kopf des zum Todeszeitpunkt 40-Jährigen Symptome, die mit denen eines 85 Jahre alten Alzheimer-Patienten vergleichbar waren.

Die WWE begann ein halbes Jahr später, ihre Athleten zu Gehirnerschütterungs-Tests zu verpflichten, im selben Jahr wie die NFL und MLB.

Die Ärzte sind uneins

"Bei dieser Gehirnerschütterungssache ist man gerade sehr hyper-sensibel", hat Bryan schon vor zwei Monaten festgehalten. Der Edeltechniker, dessen Stil und Werdegang Benoits sehr ähnlich ist, hat eine größere Verletzungsvorgeschichte und auch schon diverse Gehirnerschütterungen erlitten.

WWE-Star Chris Benoit tötete 2007 seine Frau, seine Kinder und sich selbst
WWE-Star Chris Benoit tötete 2007 seine Frau, seine Kinder und sich selbst © Imago

WWE-Arzt Joseph Maroon, auf dem Kopfverletzungsgebiet sehr anerkannt, hat Bryan daher bis heute keine Freigabe für den Ring erteilt. Ein anderer Neuro-Mediziner, der für das NFL-Team Arizona Cardinals arbeitet und in diesem Jahr auch zuständig für den Super Bowl war, hat Bryan dagegen grünes Licht gegeben.

"Mein Gehirn ist gesünder als das der meisten in meinem Alter, die nie eine Gehirnerschütterung hatten", so stellt Bryan es dar.

Er hofft darauf, dass eine dritte Ärztemeinung die WWE überzeugt. Andere Quellen berichten, dass alles daran hänge, ob WWE-Doktor Maroon seine Haltung überdenke.

Verschwörungstheorien bei den Fans

Diverse Fans deuten die ganze Angelegenheit anders: Bryan werde von der WWE bewusst vom Ring ferngehalten.

Seine Popularität beim harten und lauten Kern der Fanbasis störe beim Versuch, Roman Reigns als Aushängeschild der Liga groß herauszubringen - der umstritten ist genau bei denen, die Bryan am meisten verehren.

An dem Grundgedanken könnte sogar etwas dran sein. Höchst zweifelhaft dennoch, dass die unter zahlreichen Verletzungen und sinkenden Einschaltquoten leidende Liga einen populären Star aus dem Ring fernhält, wenn es dafür nicht bessere Gründe gibt.

Bryan will nicht loslassen

Bryan jedenfalls ist entschlossen, sich das Wrestling nicht nehmen zu lassen: "Ich denke nicht, dass es Ende meiner Karriere sein wird", sagt er.

Die Unterscheidung zwischen "Karriere" und "WWE-Karriere" ist an dieser Stelle nicht zufällig: Sollte die WWE Bryan nicht wieder antreten lassen, wird er auf kleinerer Bühne wieder in den Ring steigen, das hat er bereits vor einiger Zeit angekündigt.

"Ich könnte mir eine andere Leidenschaft suchen", hält er nun fest: "Aber das wäre einfach nur traurig, denn das, was ich mache ist meine Leidenschaft, seit ich fünf bin."

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