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Samoa Joe (l.) und AJ Styles waren einst die Stars bei TNA, heute sind beide bei WWE
Samoa Joe (l.) und AJ Styles waren einst die Stars bei TNA, heute sind beide bei WWE © Imago

München - Abgewanderte Stars und Fans, eine heftige Finanzkrise: Der WWE-Konkurrenzliga TNA Wrestling droht das Aus, eine große Fehlkalkulation rächt sich.

Die Fans von Borussia Dortmund können sich noch eine Weile darauf vorbereiten auf den Moment, wenn Mats Hummels das erste Mal mit dem FC Bayern um den Titel kämpft.

Für Wrestling-Fans steht schon am Sonntag eine Art Hummels-Moment an - wenn AJ Styles gegen Roman Reigns bei der Großveranstaltung Payback erstmals um den World Title der WWE kämpft.

Styles, so viel muss man dazu wissen, war viele Jahre lang das Aushängeschild der Konkurrenzpromotion TNA Wrestling, den meisten Fans galt er als Herz und Seele der zweitgrößten US-Showkampfliga.

Seit diesem Jahr ist er bei WWE - wie so viele seiner ehemaligen Weggefährten. Der mittlerweile zurückgetretene Sting, die Dudley Boyz (ehemals Team 3D), Samoa Joe, Austin Aries, Bobby Roode, seit Donnerstag auch Eric Young: Sie alle sind zum Marktführer gewechselt. Es ist ein schmerzhaftes Ausbluten.

Stars und Zuschauer brechen weg

Es ist nicht so, dass TNA je ein Konkurrent auf Augenhöhe war: Was Zuschauer- und Umsatzzahlen anging, war WWE immer weit voraus.

Aber die vom ehemaligen WWE-Star Jeff Jarrett gegründete Promotion war eine veritable Alternative für Fans und Wrestler, die bei WWE keine Heimat (mehr) fanden. Sie hatte eigene Ideen wie die X-Division mit ihren spektakulären Flugshows, sie hatte eigene Stars, sie hatte eine treue Fangemeinde.

Einen Großteil davon hat TNA verloren: Zu ihren besten Zeiten sahen sich 1,5 Millionen US-Zuschauer pro Woche die TNA-TV-Show Impact an, zuletzt - nach mehreren Senderwechseln - waren es um die 300.000.

Ein Investor als Rettung?

Was lief schief? Fehlentscheidungen werden der Liga viele vorgeworfen, als entscheidender Wendepunkt aber gilt das Jahr 2010, als TNA eine Menge Geld in die Verpflichtung früherer WWE-Stars steckte: Hulk Hogan, Jeff Hardy, Rob Van Dam, Ric Flair - bis auf Hardy alle schon wieder weg.

Das Investment zahlte sich nicht wie erhofft aus, TNA arbeite seit damals nicht mehr profitabel, berichtet das Fachportal Wrestling Observer.

Zuletzt gab es Meldungen, dass TNA faktisch pleite sei und auf einen Investor angewiesen sei, um ihr endgültiges Aus abzuwenden. Dem Observer zufolge handelt es sich um eine Marketingfirma namens Aroluxe, in die das frühere Wrestler-Zwillingspaar Ron und Don Harris involviert ist. Ein tragfähiger Partner? Ungewiss.

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AJ Styles nach Vertragszoff vergrätzt

Aufgrund der sich verdüsternden Perspektiven zogen in den vergangenen Jahren immer mehr Stars die Konsequenzen und gingen – geblieben sind nicht mehr viele: Das letzte große Titelmatch im März bestritten Champion Drew Galloway und Tyrus, bei WWE als Drew McIntyre und Brodus Clay nie mehr als respektable Nebendarsteller.

Styles ging schon 2013. Ende 2015 zeigte er sich offen für eine Rückkehr, die Verhandlungen aber scheiterten krachend, TNA warf Styles Vertragsbruch vor, nachdem er stattdessen bei WWE anheuerte.

Der Vorwurf - der nach übereinstimmenden Berichten so nicht stimmt - kostete TNA weiteren Kredit. "Sie haben einen tollen Job gemacht, sich selbst wie Mist aussehen zu lassen", antwortete Styles: "Ich schäme mich nicht dafür, was ich in der anderen Liga getan habe. Aber ich bin enttäuscht."

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