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UFC 200 - Weigh-in
Brock Lesnar gewann fünf seiner acht Kämpfe in der UFC © Getty Images

München - Der Doping-Skandal um WWE- und UFC-Star Brock Lesnar könnte seine beiden Karrieren ruinieren. Vor allem WWE steckt in der Zwickmühle. SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen.

Brock Lesnar ist ein Superstar des Kampfes - des echten und des Showkampfes.

Er war der zugkräftigste Mixed-Martial-Arts-Fighter der UFC, er ist das zweitgrößte Zugpferd von WWE. Beide Promotions verdienten zig Millionen Dollar an ihm - er strich in beiden Promotions mehrere Millionen Dollar ein.

Nun droht ein Doping-Skandal beide Karrieren des 120-Kilo-Manns zu ruinieren. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Fall Lesnar.

Was genau ist passiert?

Vor seinem Gastspiel bei der Mixed-Martial-Arts-Liga UFC ist Lesnar am 28. Juni positiv auf eine ungenannte Doping-Substanz getestet worden.

Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hat ein Verfahren eingeleitet. Bestätigt sich der Verdacht, muss Lesnar eine Millionenstrafe der für die UFC-Show zuständigen Athletikkommission befürchten, dazu eine zweijährige Sperre. Weitere UFC-Gastspiele, die Lesnar nach seinem Sieg über Mark Hunt bei UFC 200 zu planen schien, wären so lange nicht möglich. Lesnar ist gerade 39 Jahre alt geworden, das Thema MMA wäre wohl durch.

Welche Konsequenzen zieht WWE?

Einerseits ist WWE eine Showkampf-Promotion und nicht der USADA unterworfen, müsste also prinzipiell keine Konsequenzen ziehen.

Aufgrund vergangener Skandale und öffentlichem Druck hat WWE sich allerdings selbst ein Anti-Doping-Regime verordnet. Fraglich ist, ob und wie es auf Lesnar angewandt wird.

WWE hat in einem ersten Statement gegenüber Fox Sports nur knapp mitgeteilt: "Brock Lesnar ist seit WrestleMania nicht für WWE angetreten und wird vor dem 21. August nicht zurückkehren." Das deutet darauf hin, dass sich das Unternehmen schlicht nicht zuständig für Lesnars dazwischen liegendes Vergehen sehen will.

Andererseits: WWE hat auch schon Wrestler bestraft, die auf anderem Wege als durch ihre Tests des Dopings überführt wurden - durch journalistische Recherche oder Tests bei Ausflügen in andere Sportarten.

Lesnar würde als Ersttäter in dem Fall für 30 Tage suspendiert werden - wobei WWE frei wählen kann ab welchem Zeitpunkt. Der Zusatz-Clou: Lesnar ist nur Teilzeitkraft bei WWE und legt ohnehin regelmäßig mehrmonatige Pausen ein.

Warum wurde Lesnar vorher nicht ertappt?

Lesnar kam durch alle Checks bei WWE, auch durch eine Reihe von Tests der USADA, wie die Organisation bestätigte. Insgesamt wurde Lesnar vor UFC 200 achtmal getestet.

Ein Indiz dafür, dass Lesnar doch sauber ist und die positive Probe ein Fehler? Grundsätzlich möglich, aber die Doping-Geschichte ist voller überführter Sünder, die teils hunderte Tests bestanden haben - weil sie Doping verschleiern konnten oder Substanzen nahmen, die noch nicht nachweisbar waren.

Die USADA testet genau darum mehr als einmal: Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Betrüger ins Netz gehen.

Kann eine andere Instanz Lesnar das Wrestling verbieten?

In einigen US-Bundesstaaten ist auch WWE Athletikkommissionen unterworfen, die den Showkampf nach sportlichen Kriterien regulieren - unter anderem in New York, dem Schauplatz von Lesnars nächstem großen WWE-Kampf beim SummerSlam im August gegen Randy Orton.

Zur Frage, ob die Kommission so weit gehen kann, Lesnar wegen einer Doping-Sperre das Wrestling im Staat zu verbieten, kursieren in den US-Medien unterschiedliche Interpretationen. Tendenz: eher nein.

Hat die Affäre also keine Auswirkungen für WWE?

Rein formal betrachtet, ist das tatsächlich möglich. Faktisch aber ist der Doping-Fall ein Desaster für WWE.

Die Promotion hat Lesnar das UFC-Gastspiel erlaubt, um ihn bei Laune zu halten und im besten Fall einen Image-Gewinn mitzunehmen - nun sieht alles nach einem Image-Debakel aus. Und das weniger als einen Monat nachdem ihr kommender Star Roman Reigns wegen eines Verstoßes gegen die hauseigenen Doping-Regeln suspendiert wurde.

Wird Lesnar von USADA bestraft, steht WWE vor der Wahl zwischen zwei Übeln: Entweder sie lässt einen überführten und für den Wettkampfsport gesperrten Doper weiter antreten, mit entsprechenden Konsequenzen in der öffentlichen Wahrnehmung ihres Produkts. Oder sie trennt sich, um dem PR-Schaden zu entgehen, von einer ihrer größten Gelddruckmaschinen.

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