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Fünf Monate hat Tim Wiese Zeit, bis es erstmals in den Ring gehen soll © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

München - Fünf Monate Vorbereitungszeit für das große Debüt – und dann immer noch viel Arbeit: Fragen und Antworten zum WWE-Deal von Tim Wiese.

Tim Wiese steigt als Wrestler in den Ring: Der Ex-Keeper lässt sich bei WWE zum Showkämpfer ausbilden und soll noch in diesem Jahr in Deutschland im Ring stehen.

Wie kam es dazu, welche Art von Match ist zu erwarten und wird es das Sprungbrett für eine große zweite Karriere sein?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Hammermeldung.

Warum zog sich der Deal so lange?

Im Herbst 2014 der erste Show-Auftritt in Frankfurt, im Jahr darauf ein Probetraining, dann lange nichts: Viele hielten das Thema Tim Wiese und World Wrestling Entertainment deshalb schon für abgehakt - zumal WWE-Star Kevin Owens bei SPORT1 auch noch verriet, dass Wieses Tryout im Leistungszentrum in Orlando nicht gut gelaufen sein soll.

Die Showkampf-Liga hat nun trotzdem verkündet, dass der Ex-Nationalkeeper in ihrem Leistungszentrum in Orlando das Training aufnimmt und möglicherweise noch in diesem Jahr sein Ring-Debüt feiern soll. Sie hält Wieses Anlaufprobleme also offensichtlich für lösbar.

Was dem Deal lange Zeit im Weg stand: das Geld. Wiese ist Millionen-Gehälter gewohnt - seinen lukrativen Hoffenheim-Vertrag ließ er auslaufen, bei WWE verdienen Anfänger für gewöhnlich eher im niedrigen sechsstelligen Dollar-Bereich. Auch hier wurde offensichtlich ein Kompromiss gefunden.

Wie könnte Wieses erstes Match aussehen?

Im November ist WWE auf Deutschland- und Österreich-Tour in Frankfurt (2.11.), München (3.11.), Oberhausen (8.11.), Berlin (9.11.) und Wien (10.11.) - Wieses Ring-Debüt soll dann über die Bühne gehen.

Fünf Monate Vorbereitungszeit hat der nun 120 Kilo schwere Wiese also, wenig für einen Ringneuling. Er dürfte folglich ein Tag Team Match bestreiten, in dem die erfahreneren Partner und Gegner die Hauptarbeit machen, während Wiese ein paar Kabinettstückchen vorführt.

Ungewöhnlich: WWE stellt Wieses Debüt unter Vorbehalt. Nach Angaben von WWE-Vizechef Triple H wird er nur in den Ring steigen, "wenn in Florida alles gut verläuft". Im schlechtesten Fall kann das Experiment auch immer noch komplett scheitern.

Und wann tritt Wiese bei den großen Shows in den USA an?

Glückt das Debüt im November, dürfte die Deutschland-Tour ein Coup werden, danach kommt aber immer noch viel Arbeit auf Wiese zu.

Mehr Training im Performance Center in Florida, erste Fights in der Nachwuchsliga NXT, dann erst die richtig großen Kämpfe bei den TV-Shows RAW und SmackDown sowie Großveranstaltungen wie WrestleMania: Bis Wieses Karriere ganz groß in Schwung kommt, kann es je nach Veranlagung noch ein oder mehrere Jahre dauern.

Wie stehen Wieses Chancen auf den Durchbruch?

Der Ex-Torhüter hat zweifellos die athletischen Voraussetzungen und das Aussehen eines Wrestling-Stars - was schon einmal zwei wichtige Punkte sind. Letztlich hängt es davon ab, ob er seine Talente für das sehr spezielle Kampfshow-Geschäft nutzen kann und wie er beim amerikanischen Publikum ankommt. Anders als in Deutschland genießt Wiese in den USA schließlich keinen Promi-Bonus und fängt bei Null an.

Vorbild kann der frühere englische Fußballer Stuart Tomlinson (Kampfname: Hugo Knox) sein, der ebenfalls den Karrieresprung vom Torwart zum Wrestler wagte: Er heuerte Ende 2013 bei WWE an, debütierte knapp ein Jahr darauf bei NXT - hat den Sprung in den Hauptkader aber auch noch nicht geschafft.

Tomlinson betont: Wrestling sei viel härter als Fußball, wo man "eine Stunde trainiere und nach Hause gehe". Beim Kämpfen sei der Aufwand mit Kraft-, Ausdauertraining und den zahlreichen Promo-Terminen ungleich höher.

Ist Wiese der erste deutsche WWE-Wrestler?

Nein. In den neunziger Jahren hatte der deutsche Bodybuilder Achim Albrecht als "Brakus" eine kurze und erfolglose Karriere in der damaligen WWF. Erfolgreicher war damals der deutlich begabtere Alex Wright in der Konkurrenzliga WCW, heute führt er eine Wrestling-Schule in der Nähe von Erlangen.

Aktuell tritt außerdem der aus Dresden stammende Axel Tischer als Alexander Wolfe in der WWE-Nachwuchsliga NXT an und hofft auf den Sprung in den Hauptkader.

Der Gedanke, den weit erfahreneren Showkämpfer mit Neuling Wiese zusammenzubringen - womöglich als deutsches Tag Team - liegt nahe.

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