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Bray Wyatt geht als WWE World Champion zu WrestleMania 33
Bray Wyatt geht als WWE World Champion zu WrestleMania 33 © WWE 2017 All Rights Reserved

München - Der Exorzist, Stephen King, Robert de Niro: Zahlreiche düstere Vorbilder standen für die WWE-Figur Bray Wyatt Pate. Nun erlebt sie ihre späte Krönung.

In dem Moment, in dem der kommende Champion zu Hochform auflief, sangen die WWE-Fans: ein Kirchenlied.

"He's got the whole world - in his hands", stimmte das Publikum in Phoenix an, als Bray Wyatt bei der Großveranstaltung Elimination Chamber in die Offensive ging.

Ein spiritueller Vers für den Wrestling-Star, der am Ende der Show seinen ersten großen Einzeltitel gewann: Ganz offensichtlich ist der Mann, der nun als World Champion zu WrestleMania 33 reist, kein ganz gewöhnlicher Typ.

Wyatts Titelgewinn und sein kommendes Match gegen Randy Orton bei der größten Wrestling-Show der Welt ist die späte Krönung für einen der kreativsten Charaktere der Showkampf-Geschichte.

Robert de Niro stand Pate

Vor fünf Jahren hat Windham Rotunda, wie der 29-Jährige in Wahrheit heißt, sein Alter Ego erschaffen. Der Sohn des früheren WWF Tag Team Champions Mike Rotunda (Irwin R. Schyster) trat bis dahin als Husky Harris auf, war ein Talent, aber dem Durchbruch fern.

"Sie haben mir gesagt: Ändere was oder du wirst nicht gebraucht", berichtete Wyatt später. Er hatte zu seinem Glück eine Idee, was er ändern konnte: Er kreierte Bray Wyatt, den rätselhaften, von unheimlichen Kräften besessenen Kultführer aus den sumpfigen Südstaaten.

Zu Grunde lag dieser Idee ein ähnlich angelegter Charakter aus den Neunzigern: Waylon Mercy, der wiederum inspiriert war von Robert de Niros Rolle als Max Cady im Film "Kap der Angst".

Dan Spivey, der Darsteller Mercys, war seinerzeit im WWE-Trainingszentrum zu Gast und gab Tipps, als weitere Inspirationsquellen nannte der junge Familienvater den realen Serienmörder Charles Manson und den Metal-Musiker und Regisseur Rob Zombie.

Von Exorzist bis True Detective

Im Lauf der Zeit reicherte Wyatt seinen Ansatz mit zahllosen weiteren Anspielungen aus der Welt des Düsteren an: Er vermischte religiöse Mythologie mit den Ideen legendärer Gothic-Literaten wie H.P. Lovecraft und Ambrose Bierce - und auch viel modernem Horror.

Den Spitznamen "Eater of Worlds" etwa übernahm Wyatt aus Stephen Kings "Es", den furchteinflößenden Spinnengang in seinen Matches aus "Der Exorzist".

Seine Spezialaktion "Sister Abigail" erinnert an "Mother Abigail" aus Kings "The Stand", aber auch an einen Charakter aus dem 2009 gedrehten Schocker "Orphan - das Waisenkind". Wyatt zitierte in seinen Promo-Ansprachen auch schon den Film "Sieben" und die Serie "True Detective".

Das Vorsingen des zu Beginn erwähnten Kirchenlieds hat ebenfalls eine andere unheimliche Figur vorgemacht: Steve Buscemi als Mädchenmörder Garland Greene in "Con Air".

Später Lohn für Bray Wyatt

Wyatt ist ein Horror-Mashup, aber kein billiger Abklatsch, er hat seine individuelle Mischung gefunden. "Ich bin das Kreativste, was es in diesem Jahrhundert zu sehen gab in diesem Geschäft", twitterte Wyatt im vergangenen Sommer - nicht unbescheiden, aber auch nicht fern der Wahrheit.

Der Titelgewinn ist später Lohn für den Erfolg des Wyatt-Charakters, der den Höhepunkt seiner Popularität aber eigentlich im Jahr 2014 hatte - und seitdem durch viele Niederlagen in größeren Matches an Fahrt verloren hat.

Faszinierend bleiben Wyatts Auftritte dennoch: Bei seinem Einzug und seinen Siegesfeiern dunkelt WWE die Halle ab und die Fans machen sie mit ihren Handys zu einem Lichtermeer. Sie werden zu "Fireflies", zu Glühwürmchen, die den Kultführer aus dem Sumpf symbolisch umschwirren.

Der düstere Bray Wyatt legte sich bei WWE SmackDown Live mit Randy Orton an
Bray Wyatt und seine "Fireflies" © WWE 2016 All Rights Reserved

Bray Wyatt hat die WWE-Welt in solchen Momenten wirklich in der Hand.

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