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Stars von NJPW: Kazuchika Okada, Kenny Omega und Marty Scurll (v.l.)
Stars von NJPW: Kazuchika Okada, Kenny Omega und Marty Scurll (v.l.) © instagram.com/njpw1972/

München - Die japanische Wrestling-Liga NJPW verzückt die Fans mit dem vielleicht besten Showkampf aller Zeiten - und will nun mit einer USA-Expansion WWE ärgern.

Ihr erstes Duell wurde als größtes Wrestling-Match aller Zeiten gefeiert. Ihr zweites nun als noch größeres.

Das kanadische Showkampf-Phänomen Kenny Omega und sein japanischer Rivale Kazuchika Okada haben am vergangenen Wochenende einmal mehr für Begeisterungsstürme in der globalen Fan-Community gesorgt - und nun einen weiteren außergewöhnlichen Ritterschlag dafür erhalten.

Das 60-Minuten-Duell bei der Liga New Japan Pro Wrestling bekam von Kritiker-Papst Dave Meltzer (Wrestling Observer) die nie dagewesene Wertung von 6 1/4 Sternen. Eigentlich vergibt er nur fünf, für das erste Match im Januar hatte es bereits sechs gegeben.

6 1/4 von fünf Sternen

Das Mega-Rating wird in der diskussionsfreudigen Fan-Szene nun fast genauso heiß diskutiert wie das Match an sich. Sein Urheber lässt sich davon nicht beirren: "Es war einfach auf einem anderen Level."

Meltzer nennt den IWGP Champion Okada und seinen Herausforderer "die beiden aktuell besten Wrestler der Welt" und vergleicht ihre Duelle unter anderem mit der legendären Matchserie zwischen Ric Flair und Ricky Steamboat 1989, die sie aus seiner Sicht schon übertrumpft haben.

Schon zu Beginn des Jahres, bei Wrestle Kingdom, hatten sich Okada und der "Cleaner" ein 45-Minuten-Match geliefert, das in Sachen Dramaturgie, Athletik, Härte und Spektakel-Faktor "state of the art" war. Duell Nummer 2, das nach Ablauf des offiziellen Zeitlimits unentschieden endete, hat nicht nur aus Meltzers Sicht noch einen draufgesetzt.

NJPW und WWE greifen sich gegenseitig an

Der Hype um Omega und Okada kommt New Japan sehr gelegen, denn die 1972 gegründete Traditionsliga ist gerade dabei zu expandieren.

Am 1. und 2. Juli veranstaltet NJPW ihre ersten, selbst produzierten Shows in den USA. Bei dem G1 Special im kalifornischen Long Beach wird unter anderem ein neu eingeführter IWGP United States Title ausgefochten.

New Japan will damit auch den Marktführer WWE ärgern - der New Japan zuletzt seinerseits auf dessen Kernmarkt angegriffen hat, unter anderem mit der Verpflichtung von NJPW-Stars wie AJ Styles und Shinsuke Nakamura.

Erfolg in der Nische

Ein groß angelegter Krieg der Promotions, wie in den Neunzigern der zwischen WWE (damals: WWF) und WCW, ist durch die US-Expansion vermutlich nicht zu erwarten: Außerhalb von Japan ist NJPW ein Nischenprodukt für Eingefleischte, denen die an den Mainstream gerichteten WWE-Hauptshows zu entertainment-lastig sind (und die WWE selbst mit ihrem Liga-Unterbau NXT zu bedienen versucht).

New Japan findet in seiner Nische seit kurzem aber ein immer ein immer größeres Publikum außerhalb der Heimat. Dazu beigetragen haben Globalisierungs-Schritte wie ein englischsprachiges Kommentatorenteam, internationale Social-Media-Accounts und das gut sortierte Streaming-Portal NJPW World.

Vor allem aber bietet New Japan hochklassige Matches - und einige der heißesten internationalen Stars der Szene.

Eine Gruppe heißer Kult-Stars

Neben Okada und Omega sind da die Young Bucks Nick und Matt Jackson, die als modernes Update der Hardy Boyz und womöglich bestes Team der Welt gelten. Da ist der frühere WWE-Wrestler Cody Rhodes, der sich als "American Nightmare" neu erfunden hat. Oder auch der düstere "Villain" Marty Scurll aus England, einer der aktuell spannendsten Showkampf-Charaktere überhaupt.

Wrestling-Kultstars: Marty Scurll (M.) und die Young Bucks
Wrestling-Kultstars: Marty Scurll (M.) und die Young Bucks © twitter.com/mattjackson13

Gemeinsam sind sie alle Teil des "Bullet Club", einer kultisch verehrte Gruppierung, der früher auch die heutigen WWE-Stars AJ Styles und Finn Balor angehörten. Auch bei großen WWE-Shows sind regelmäßig auffällig viele Fans mit Bullet-Club-Shirts anzutreffen.

New Japan ist mittlerweile selbst ein Kult-Phänomen, vergleichbar mit der Hardcore-Promotion ECW in den Neunzigern oder der stilbildenden Indy-Liga Ring of Honor in den Nullerjahren. Omega, Okada und Co. sind die erste Anlaufstelle für Fans, denen WWE zu "uncool" ist - und erhöhen den Druck auf den Marktführer, selbst wieder etwas cooler zu werden.

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