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Quirin Rohleder über die RSL und den Wavegarden in Hallbergmoos
Quirin Rohleder über die RSL und den Wavegarden in Hallbergmoos
Lesedauer: 2 Minuten
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Nicolai Steidle -

Als wir uns auf den Weg nach Taufkirchen machten, um dem "Spektakel" in der Jochen Schweizer Arena beizuwohnen, war unser Erwartungshorizont zugegebener Weise..... sagen wir mal "gedämpft".

Wer sollte schon da sein: ein paar übereifrige Muttis die trotz jeglichen Mangel an Know How frenetisch die Manöver ihrer Sprösslinge bejubeln und am Schluss die Judges attackieren, wenn Jan – Frederik wider jeglicher Logik nicht auf Platz 1 gelandet ist?

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Surfen führt in Deutschland ein Schattendasein und das Medieninteresse ist meist größer, wenn die Erdinger Blaskapelle ihr 125 Jubiläum feiert. Aber eigentlich sollt man in der Vergangenheit sprechen, denn Christian Bach und Quirin Rohleder, die Gründer der Rapidsurfleague, haben es irgendwie geschafft Surfdeutschland aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und haben in der Jochen Schweizer Arena einen Event durchgeführt der beinahe erschreckend professionell war.

Christian Bach macht seinem Namen alle Ehre

Bayern 3 war mit 5 Kameramännern vor Ort die einen Livestream auf die Beine stellten der einem Mainstream Event gerecht geworden wäre, mit Nico Zazek war ein Moderator vor Ort, der bereits Millionen Events wie den Air und Style moderierte und die Audi Nines gegründet hat, das Judging Pannel war on Point und die Halle trotz bestem Wetter brechend voll. Es lag tatsächlich ein Hauch WSL in der Luft.

Wir haben Quirin Rohleder getroffen und mit ihm über die RSL, Einschaltquoten und den Wavegarden in Hallbergmoos gesprochen.

1. In Deutschland wurde bis Dato noch nie ein Surfwettkampf live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen oder gestreamt. Wie kam der Kontakt zu Bayern 3 und wie viel Überzeugungsarbeit hat es gekostet?

Ich kenne Jan Wieken über Sportler die ich betreue, er ist Redakteur bei der ARD und beim BR und kümmert sich dort vornehmlich um den Actionsport. Wir haben im letzten Jahr bereits einige kleiner Berichterstattungen für den BR gemacht. Sein Chef Christian Klos war auch mal dabei und er erwähnte dass der BR gewillt ist, auch neue Angebote mit ins Programm zu nehmen. Und insofern war es dann gar nicht mehr so schwer ihnen unsere Idee eines Livestreams aus der Jochen Schweizer Arena zu verkaufen. Wir wurden Anfangs relativ panisch als wir das tatsächliche Ausmaß gesehen haben, was so ein Livestream beim BR bedeutet.Wir dachten an eine Kamera im Eck die den den Event aus einer Perspektive filmt. Aber wir haben nicht mit einem Übertragungswagen, 5 Kameras und Schnitt und Regie gerechnet. Das war schon großes Kino. Überzeugungsarbeit musste also nicht wirklich geleistet werden, da Christian und Jan auch wirklich motiviert waren, die Zusammenarbeit war insofern sehr gut und produktiv.

2. Haben die Quoten dir Recht gegeben?

Die Quoten kenn ich noch nicht. Sie werden beim ersten mal bestimmt nicht durch die Decke gegangen sein aber ich bin mir sicher dass es richtig ist, etwas Neues geschaffen zu haben. Christian und Ich sind in jedem Fall sehr stolz, dass wir es geschafft haben, dem Rapid Surfen eine solche Plattform zu geben.

3. Das Niveau an der Rapid Surf-Spitze ist sehr eng. Glaubst du Zeitler und Marusa sind schlagbar in Bratislava?

Also bei den Mädels ist Janina Zeitler sicherlich sehr dominant. Vor allem wird Janina ja selbst auch besser, ihr Frontside Air Reverse wird immer stärker, die anderen Mädels müssen sich ranhalten, aber gerade Laura Haustein und Rosina Neuerer sind beider sehr ehrgeizig und haben sicher das potential da wieder Boden gut zu machen.

Bei den Herren ist es eine sehr enge Geschichte. Bratislava (Anfang August) dürfte  spannend werden, die Welle verzeiht ungemein wenig, man muss extrem präzise surfen, da sollte auch ein Nici Marusa schlagbar sein der in Bratislava noch nie gesurft ist.

Auf der nächsten Seite lest ihr, weshalb es die Kids von heute leichter haben und Quirin gibt uns ein Statement zum geplanten Wavegarden in Hallbergmoos.

4. Mit Flori Kummer hat nur ein Surfer jenseits der 20 das Finale erreicht, er ist sogar der einzige über 30 jährige im Wettbewerb gewesen. Wieso ist im Riversurfen die junge Generation so viel stärker als die Alte. Vor allem in Bezug auf das Surfen im Meer, wo alte Hasen wie Slater oder bis letztes Jahr noch Mick Fanning oben mitmischen konnten?

Ich glaube der Flori Kummer ist schon 40 (lacht). Ich glaube die alte Generation hatte es einfach auch schwerer. Als ich am Bach anfing zu surfen haben sich alle noch hingesetzt, ich war der erste der gesprungen ist und bis dahin war es ein verdammt weiter Weg. Mein erster Back Dreier war ein Zufallsprodukt, ich wusste gar nicht, dass sowas möglich ist. Die Kids schauen sich die Tricks heute natürlich ab und haben mit Vorbildern wie Tao einen kürzeren Lernweg als wir damals. Aber umso schöner ist es auch zu sehen, dass ein Flori Kummer immer noch oben mithalten kann. Die Professionalisierung hat am Bach ja noch nicht mal richtig angefangen, wenn Luca Holy mal auf die 40 zugeht kann er bestimmt auch noch mit den Kids mithalten.

5. Du hast über ein ganzes Jahrzehnt die Maßstäbe im Riversurfen gesetzt, Surf Era  bezeichnete dich unlängst als Kelly Slater des Rapid Surfens. Hätte ein Quirin Rohleder noch eine Chance gegen einen Nici Marusa?

Das ehrt mich jetzt natürlich sehr. Aber ernsthaft, ich könnte ihm sicherlich mit dem ein oder anderen Call das Leben schwer machen, aber gerade bei kleinen Wellen ist es natürlich eine Grundvorraussetzung, dass man klein und wieselflink ist und das bin ich nicht mehr. Insofern hätte ich wohl am Schluss keine Chance gegen Nici. Aber gerade als Organisator ist es wichtig, dass man hier nicht irgendwelche persönlichen Eitelkeiten befriedigt sondern sich selbst rausnimmt und im Hintergund bleibt. Ich bin sehr glücklich mit meiner Rolle momentan, jetzt sind die Kids dran und wir wollen ihnen helfen den Sport auf eine neue Ebene zu heben.

6. Warst du vollends zufrieden mit dem Event oder siehts du noch Verbesserungsbedarf?

Es gibt immer Luft nach oben. Christian und Ich müssen schauen dass wir die Statuten nochmal überdenken. Das Cut-to-Call hat gut funktioniert, ich sage mal es ist in weichen Stein gemeißelt, sicherlich wird es noch die ein oder andere Abweichung geben. Wir sind da eben auch noch im Anfangsstadium. Gerade bei Tricks, die zum Beispiel das Curb neben der Welle mit einbeziehen wie ihn Flori Kummer gezeigt hat, das müssen wir noch überdenken.

7. In Hallbergmoos soll bereits im nächsten Jahr ein Wavegarden stehen. Was weißt du darüber, war die Pressemitteilung glaubwürdig?

Also bis zum Spatenstich bleiben es natürlich erstmal Projekte. Aber ich kenne die Leute die dahinter stehen und die meinen es wirklich sehr ernst, insofern kann ich mir es sehr gut vorstellen dass es wirklich in die Tat umgesetzt wird. Wir hoffen natürlich dass es bald passiert, für uns ist das keine Konkurrenz sondern eine Berreicherung. Es wird in Deutschland keine 10 Wavegardens geben, dafür ist es einfach zu kalt. Aber gerade stehende Wellen sind auf dem Vormarsch. Nürnberg, Pforzheim, Wolfratshausen und die Leinewelle sind auf besten Weg realisiert zu werden, die alle frei zugänglich sein sollen. Auch wenn wir nicht auf kommerzielle Wellen verzichten können ist es uns natürlich trotzdem ein Anliegen, dass Rapid Surfen ein Sport wird, den man an so vielen Stellen wie möglich umsonst betreiben kann.



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