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Japan first: Ab heute tötet Japan wieder kommerziell Wale
Japan first: Ab heute tötet Japan wieder kommerziell Wale
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Nicolai Steidle -

Nachdem das Bestreben Japans bei der jüngsten Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC), das 1986 eingesetzte Moratorium für Wale aufzuheben, gescheitert ist, machten die Japaner ihre Ausstiegsdrohungen jetzt wahr: Seit heute zieht die japanische Flotte wieder aus, um kommerziell Wale zu jagen.

Walfang aus Gründen des Populismus?

Das schlimmste an dieser richtungsweisenden Entscheidung ist, dass es hier in erster Linie um Wahlkampf geht. Denn das 1986 geschlossene Walfangverbot der IWC hatte eine gravierende Lücke: Wale durften weiterhin zu "Forschungszwecken" gejagt werden, das anfallende Walfleisch später legal verkauft werden. Und die Japaner forschten äusserst eifrig: an mehr als 10.000 Walen sollen sie "geforscht" haben, die Ergebnisse: marginal bis nicht vorhanden, die eigentliche Intention war auch dem Dümmsten klar.

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Das japanische Gemüt reagiert allerdings äusserst empfindlich auf die Einmischung in innere Angelegenheiten: als der internationale Gerichtshof in Den Haag das Offensichtliche artikulierte, und die japanischen "Forschungsaktivitäten" 2014 verbot, schoss in Japan der Konsum von Walfleisch rapide in die Höhe und die Japaner "forschten" fleißig weiter.

Auch in Norwegen ist das Herz für Wale nicht besonders groß. Dieses Bild wurde auf den Farörinseln aufgenommen.

Die Japaner essen in Wirklichkeit Walfleisch nicht besonders gerne, es ist nicht besonders schmackhaft und schwer zuzubereiten, die Alternativen in den Supermärkten sind Mannigfaltig, der Konsum von 5000 Tonnen Walfleisch im Jahr durch Importe aus Norwegen und Island (ja die jagen auch noch Wale) zusammen mit dem "Forschungsfleisch" gedeckt.

Nichts als Politik? Japan First!!!!

So richtet sich Japans Protest gegen das Walfangmoratorium wohl weniger gegen die IWC, es geht wohl viel mehr darum, den japanischen Wähler abzuholen. Denn der Wahlkreis des nationalkonservativen Premierministers Shonzo Abe liegt mit Shimonoseki in einer der wichtigsten Walfangstädte Japans, sein Gegenspieler, Toshihiro Nikai stammt aus Wakayama, einer weiteren Hochburg des Walfangs. Interessengemeinschaft: Japan first und so. Viele Japaner fühlen sich durch die erniedrigende Auslandskritik an der japanischen Esskultur gestört, das könnte sich schlussendlich in ihrem Wahlverhalten zeigen, so hoffen das zumindest die zwei populistischen Walfangbefürworter Abe und Nikai.

Diese zwei freundlich aussehenden Großväter sind hauptverantwortlich für die grausame Entscheidung, den Walfang wieder aufzunehmen

Warum Europa eine Mitschuld trägt

Gerade wir Europäer, selbsternannte Richtschnur des Tierschutzes, hätten auf politischer/wirschaftlicher Ebene durchaus Druck ausüben können, haben dies aber tunlichst vermieden. Denn trotz Japans Stellung zum Walfang wurde das Freihandelsabkommen Jefta (Japan-EU Free Trade Agreement) emsig vorangetrieben, es wäre ein leichtes gewesen, den Schutz der Wale mitzuverhandeln, aber eventuelle Spannungen waren in den bereits sehr zähen Verhandlungen unerwünscht.

Das die Tiere nur in japanischen Gewässern gejagt werden sollen bleibt ein schwacher Trost, vor allem wenn in naher Zukunft die Bilder abgeschlachteter Wale wieder zur Tagesordnung werden.

 



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