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Wer beim Bentley Bentayga Hybrid im E-Betrieb fährt, dürfte vor allem die Stille genießen © Bentley/dpa-infocom
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Jetzt biegt auch Bentley auf die Electric Avenue ein. Für das erste echte Akku-Auto brauchen die Briten zwar noch fünf Jahre. Doch mit dem Bentley Bentayga Hybrid können sich die Besserverdiener schon mal an den Luxus auf leisen Sohlen gewöhnen.

Auch viele Superreiche sorgen sich ums Klima. Deshalb will selbst Bentley seinen CO2-Ausstoß verringern: Ausgerechnet die Marke, die mit emissionsstarken Motoren groß geworden ist.

Der Fahrzeugbauer, der sich bis heute damit rühmt, das jeweils schnellste Auto im Segment zu bauen, spuckt jetzt buchstäblich leise Töne und beginnt mit der Elektrifizierung seiner Modellpalette. Als erstes Auto der neuen Ära startet im vierten Quartal der Bentayga Hybrid, der mindestens 165.000 Euro kosten soll.

Dezent in Auftritt und Akustik

Von außen ist der Teilzeitstromer zwar nur an einem dezenten Hybrid-Schriftzug zu erkennen. Doch wenn er erst einmal in Fahrt gerät, ist sofort klar: Hier steckt ein anderer Antrieb drin. Denn wo sonst ein Zwölfzylinder brummt oder ein V8 wummert, surrt diesmal nur ein Stromer, und der Riese rollt allein mit der Kraft seines 94 kW/128 PS starken E-Motors auf Samtpfoten davon.

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Allerdings muss man den Wagen dafür auf Knopfdruck in den reinen E-Betrieb zwingen. Denn sonst schaltet sich gleich der Verbrenner zu, wenn man zu fest auf das Gaspedal tritt. In dem Fall setzt das vertraute Geräusch von rasanter Beschleunigung ein. Wer allerdings Sanftmut walten lässt, der kann mit der Kraft des Stromers bis zu 135 km/h erreichen und mit der Energie aus dem 13 kWh-Akku im Kofferraumboden etwa 50 Kilometer zurücklegen. Natürlich ist das abhängig von Tempo, Topographie und Temperatur. Bei der Planung hilft das Navigationssystem mit meinem «Spiegelei» auf der Karte, das die jeweils realistische Reichweite anzeigt.

© Bentley/dpa-infocom

Nicht nur der E-Motor ist sparsam im Verbrauch

Der Routenplaner ist nicht die einzige elektronische Unterstützung für den Fahrer. So gibt es auch einen vorausschauenden Sparassistenten, der etwa vor Kurven oder Tempobegrenzungen zum Lupfen des Gasfußes auffordert. Außerdem kann man den Ladezustand des Akkus einfrieren und den Strom erst später verbrauchen. Und vor allem lassen sich auf der Karte und der Smartphone-App die Ladesäulen anzeigen und der Boxenstopp entsprechend programmieren.

Was man dagegen nicht kann, ist während der Fahrt nachladen. Zwar wandelt auch der Bentayga Bremsenergie in Strom um. Doch im Gegensatz zu den allermeisten Plug-ins gibt es keinen Fahrmodus, bei dem der Verbrenner ein bisschen höher dreht und mit überschüssiger Leistung den Akku lädt. Um die mindestens 2,5 Stunden an der Ladesäule kommen Fahrer deshalb nicht herum, wenn sie mit vollem Akku durchstarten wollen.

Auch beim Benziner meinen es die Entwickler ernst mit dem Sparen. Was dazu führt, dass der drei Liter große V6-Benziner schon mit dem Bentayga genug zu tun hat. Denn so imposant 250 kW/340 PS und 450 Nm in einem gewöhnlichen Geländewagen wirken mögen, so mager fühlen sie sich bei einem Dickschiff von knapp 2,7 Tonnen an. Erst recht, wenn dort sonst ganz souverän ein Zwölfzylinder mit bis zu 467 kW/635 PS und 900 Nm zu Werke geht.

© Bentley/dpa-infocom

Bentley setzt auf Luxus mit gutem Gewissen

Während sich der Bentayga Speed mit einem Sprintwert 3,9 Sekunden und einem Spitzentempo von 306 km/h gerade den Titel als schnellstes SUV der Welt zurückgeholt hat, reicht es beim Hybriden trotz einer Systemleistung von 330 kW/449 PS und vereinten 700 Nm nur für 5,5 Sekunden und 254 km/h. Doch das dürfte vielen Käufern ein gutes Gewissen wert sein. Obendrein gibt es zusammengenommen besonders viel Reichweite.

Während Bentley bei der Wahl des Motors ungewöhnlich bescheiden ist, machen die Briten bei der Ausstattung wenig Abstriche. So kann man für Extras wie eine mit Brillanten besetzte Breitling-Uhr oder Bildschirme an den Rückenlehnen viel Geld ausgeben. Dafür sparen die Kunden allerdings beim Grundpreis. Denn der Hybrid ist nicht nur der sparsamste Bentley in der Palette, sondern auch der billigste.

© Bentley/dpa-infocom

Fazit: Sauberer Vorbote einer Zeitenwende

Mit dem Bentayga Hybrid baut Bentley den ersten Vertreter einer neuen Epoche. Denn auch wenn das Plug-in-Modell nicht das sparsamste SUV ist und auch nicht die größte elektrische Reichweite hat, steht es doch für einen Sinneswandel. Nicht mehr Leistung ist der wahre Luxus, sondern ein reines Gewissen.

Datenblatt: Bentley Bentayga Hybrid

Motor und Antrieb

Hybridantrieb mit V-Turbo-Benzindirekteinspritzer und E-Motor

Hubraum:

2995 ccm

Benziner

Max. Leistung:

250 kW/340 PS

Max. Drehmoment:

450 Nm bei 1400 U/min

E-Motor

Max. Leistung:

94 kW/128 PS

Max. Drehmoment:

350 Nm

System

Max. Leistung:

330 kW/449 PS

Max. Drehmoment:

700 Nm

Antrieb:

Allradantrieb

Getriebe:

Achtgang-Automatik

Maße und Gewichte

Länge:

5140 mm

Breite:

1998 mm

Höhe:

1742 mm

Radstand:

2995 mm

Leergewicht:

2662 kg

Zuladung:

k.A.

Kofferraumvolumen:

431 Liter

Fahrdaten

Höchstgeschwindigkeit:

254 km/h

Elektrische Höchstgeschwindigkeit:

135 km/h

Beschleunigung 0-100 km/h:

5,5 s

Durchschnittsverbrauch:

k.A.

Reichweite:

k.A.

Elektrische Reichweite:

50 km

CO2-Emission:

>100 g/km

Kraftstoff:

Super

Schadstoffklasse:

Eu6

Energieeffizienzklasse:

k.A.

Kosten

Basispreis des Bentley Bentayga Hybrid:

165.000 Euro

Typklassen:

k.A.

Kfz-Steuer:

k.A. Euro/Jahr

Wichtige Serienausstattung

Sicherheit:

Sechs Airbags, Abstandsregeltempomat, Spurführungshilfe, Head-Up-Display

Komfort:

22-Wege-Sitze, Einzelsitze im Fond, Touchscreen-Navigation, Lederausstattung, elektrische Heckklappe

Spritspartechnik:

Hybrid-Antrieb

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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