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Dennis Schröder (M.) und das DBB-Team setzten ein Zeichen, Per Günther (l.) zeigt sich begeistert
Dennis Schröder (M.) und das DBB-Team setzten ein Zeichen, Per Günther (l.) zeigt sich begeistert © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago/iStock
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München - Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft setzt ein Zeichen gegen Rassismus. Per Günther und Marco Baldi loben bei SPORT1 die Aktion und blicken auf DFB und Trump.

Am 16. September setzte die Deutsche Basketball-Nationalmannschaft mit dem 112:98-Sieg über Israel und der damit vorzeitig gesicherten WM-Qualifikation ein Zeichen.

Ein weitaus größeres Zeichen hatte die Mannschaft von Trainer Henrik Rödl aber bereits vor Spielbeginn gesetzt. Sie wärmte sich in Shirts mit der Aufschrift #wirsindmehr auf, zudem lief in der Arena ein Spot, der auf die Aktion aufmerksam machte.

Ein Zeichen für "Respekt, Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit", wie Nationalspieler und Initiator Bastian Doreth bei Zeit Online erklärte. Die Aktion rief ein großes positives Echo hervor - auch bei den Kollegen aus dem Basketball.

Günther: "Attraktive Nationalmannschaft setzt Zeichen"

"Ich finde es toll, dass Basti das initiiert hat", sagte Per Günther bei SPORT1: "Ich glaube, dass es dem Land gut tut, wenn eine junge, attraktive deutsche Nationalmannschaft, die so gemischt und bunt ist und dadurch so erfolgreich ist, so ein Zeichen setzt." (Das Interview mit Per Günther über Ulm und den FC Bayern)

Der Ulmer Basketballer findet es "immer schön, wenn Leute in Zeiten, in denen man das Gefühl hat, dass es bedrohliche Ereignisse im Land gibt, eine Plattform nutzen."

Auch Marco Baldi, Manager von ALBA Berlin, zeigte sich begeistert. "Mich freut es, dass die Mannschaft aus Eigeninitiative aktiv geworden ist", meinte Baldi bei SPORT1. Insbesondere, weil man sich in einer politisch schwierigen Phase befinde. (Das Interview mit Marco Baldi über ALBA Berlin und den FC Bayern)

"Man hört nur die, die laut schreien. Die ganz große Mehrheit, die für eine offene Gesellschaft ist, hört man nicht. Daher ist es wichtig, die Stimme zu erheben und zwar nicht nur plakativ und einmalig, sondern dauerhaft", forderte Baldi. Denn "das brauchen wir, damit der Populismus wieder zurück gedrängt wird."

Das deutsche Nationalteam setzte ein starkes Zeichen
Das deutsche Nationalteam setzte ein starkes Zeichen © DBB

Baldi: Sport verbindet Menschen

Baldi wies auch auf die besondere Rolle des Sports als verbindendes Element hin: "Der Sport hat eine zentrale gesellschaftliche Funktion, denn er bringt Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion, Geschlecht und sozialem Status zusammen. Integration ist hier gelebter Alltag."

Wenn "die menschlichen Grundwerte, für die der Sport steht, angegriffen werden, dann muss sich der Sport melden – nicht einmalig mit Plakataktionen, sondern dauerhaft." Deswegen sei das Zeichen des DBB-Teams ein "super Anfang".

Marko Pesic, Geschäftsführer beim FC Bayern nannte bei SPORT1 besonders den Zeitpunkt "extrem gut" und sah die Aktion auch als Vorbild. "Ich finde es stark, dass es die Basketballer gemacht haben. Es wäre gut, wenn das auch in anderen Verbänden passieren würde." (Das Interview mit Marko Pesic über den FC Bayern und Uli Hoeneß)

Günther: "Erschreckender Zustand"

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hatte in den Diskussionen um Rassismus in den vergangenen Wochen und Monaten zumindest wenig aus Eigeninitiative gehandelt. Das kann Günther aber zumindest nachvollziehen.

Dieser Werbespot treibt Trump zur Weißglut

"Ich glaube, bei der Fußball-Nationalmannschaft ist es so, dass viele Interessensgruppen daran zerren, von Vereinsbossen über Agenten bis hin zu Spielerberatern", so Günther: "Es fällt mir schwer, mich da jetzt in die Schuhe der Fußballer und die Strahlkraft des Fußballs hineinzuversetzen."

Wenig Verständnis zeigte Günther aber für die Aussage Ralf Rangnicks, der Fußball solle sich aus politischen Positionen heraushalten. "Ich würde Herr Rangnick einfach widersprechen, denn das sehe ich nicht so", so Günther: "Für mich ist Demokratie so, dass jeder dazu beiträgt, sei es der Sportler oder der Bäcker."

Günther spricht von einem "erschreckenden Zustand", wenn Leute, die sich gegen Fremdenhass aussprechen, "zumindest online auf die Löffel" kriegen.

"Es gibt eine Debatte in diesem Land, in der Menschen dafür kritisiert werden, dass sie Menschen aus dem Wasser retten wollen. Wenn es so weit kommt und so eine extreme Form von Entmenschlichung und Empathielosigkeit stattfindet, dann ist es Zeit, dass man, wenn man das Bedürfnis hat, etwas dazu zu sagen, es auch tun sollte."

Günther über Trump und Kaepernick: "Ziemlich extrem"

Der 30-Jährige nahm auch zu den Zuständen in den USA rund um Donald Trump und Colin Kaepernick Stellung.

"Das ist ziemlich komplex und extrem, wie sowas von Seiten der Republikaner und Trump instrumentalisiert wird. Die pochen dann darauf, dass es (der Protest, d. Red.) gegen Amerika oder gegen das Militär oder sonstige amerikanische Werte geht", so Günther.

Dabei sei "ein stiller Protest und die Freiheit von jedem sich auszudrücken, irgendwie genau das, was  dieses Land ja auch mal ausgemacht hat."

Allerdings seien es "immer noch Arbeitnehmer und wenn der Arbeitgeber sagt: 'Ich finde das toll, dass ihr protestiert, aber wir zahlen euch viel Geld und wollen, dass ihr euren Job erst mal macht, ohne mir Probleme zu bringen', ist das auch irgendwie ein Standpunkt, den ich auch noch erkennen kann."

Günther schließt: "Es sind stürmische Zeiten, in denen man sich als Sportler zweimal überlegen muss, ob man was sagt und wie man was sagt. Aber ich glaube, dass es immer am besten ist, dass, wenn einem persönlich etwas wichtig ist, das zu äußern, ohne sich groß eine Strategie zu überlegen, auch wenn man dann von manchen Seiten einen draufbekommt."

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