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Rasta Vechta mischt die BBL auf
Rasta Vechta mischt die BBL auf © Imago
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München - RASTA Vechta arbeitet im Playoff-Viertelfinale der BBL an der nächsten Sensation. Der etwas andere Basketball-Klub will den einstigen Serienmeister stürzen.

In der BBL herrscht seit dieser Saison #AlarmstufeOrange. Und dieser Zustand setzt sich auch in den Playoffs fort.

Das Motto der Fans von RASTA Vechta musste auch der einstige Serienmeister Brose Bamberg leidlich erfahren – bereits zum zweiten Mal in dieser Spielzeit. (Spielplan und Ergebnisse der BBL-Playoffs)

Nach dem Auswärtserfolg im Hinspiel der Hauptrunde startete das Überraschungsteam des deutschen Basketballs auch ins Playoff-Viertelfinale mit einem Sieg. 96:85 hieß es am Ende in Spiel eins der Best-of-Five-Serie gegen die Franken.

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Coach Calles setzt auf Charakterstärke

Und das, obwohl Vechta gleich vier Big Men fehlten. Auch im zweiten Spiel in Bamberg (BBL-Playoffs, Viertelfinale: Brose Bamberg – RASTA Vechta am Mittwoch um 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) ist der Einsatz von Seth Hinrichs, Tyrone Nash, Clint Chapman und Michael Kessens fraglich.

Doch der selbsternannte "geilste Club der Welt" lässt sich auch von derartigen Rückschlägen nicht stoppen. "Ich habe schon vor langer Zeit gesagt, dass Charakter wichtiger ist als Talent", beschrieb Cheftrainer Pedro Calles, mit seinen 35 Jahren der jüngste Trainer der Liga, die Philosophie von RASTA nach dem Auftaktsieg im Viertelfinale.

"Er ist das wichtigste Glied in der Kette", lobte Vechtas Geschäftsführer Stefan Niemeyer den spanischen Coach. "Er lässt einen modernen Basketball spielen."

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Der Verein aus der niedersächsischen Kreisstadt schreibt in den Playoffs weiter an einem außergewöhnlichen Märchen. Der Aufsteiger spielte bei seinem dritten Anlauf in der Bundesliga eine überragende reguläre Saison und ärgerte neben Bamberg auch andere Topvereine wie Bayern und ALBA - am Ende reichte es zu Rang vier noch vor dem einstigen Serienmeister aus Bamberg.

In der Vergangenheit platzte der Bundesliga-Traum immer wieder schnell. Nach dem ersten Bundesliga-Aufstieg 2013/14 ging es am Saison-Ende wieder in die Zweitklassigkeit. Auch 2016/17 hielt sich der Verein aus der 31.000-Einwohner-Stadt nur ein Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse, holte dabei nur zwei Siege. "Das war der Horror", meinte Niemeyer. "Da hat gar nichts funktioniert."

RASTA Vechta lebt seinen Traum

Doch diesmal wartete die Konkurrenz vergeblich auf einen Einbruch. Und nun ist der Reggae-Klub, dessen Maskottchen Bob heißt - ein Löwe mit mächtiger Rasta-Frisur - und dessen Cheerleader sich "Die Marleys" nennen, sogar drauf und dran, unter die besten vier Teams der Bundesliga einzuziehen.

"Wir sind selbst überrascht. Wir befinden uns in einem Traum", sagte Niemeyer über den Lauf der Niedersachsen.

Für solche Leistungen reicht selbstverständlich nicht nur Charakter. Vechta hat eine Mannschaft beisammen, die ohne die ganz großen Stars auskommt, aber über einen großen Teamgeist verfügt.

Talent Herkenhoff meldet für NBA-Draft

Center Chapman hat sich vom Ersatzspieler in Ludwigsburg zu einem echten Leistungsträger entwickelt. US-Forward Austin Hollins gehört zu den besten Scorern der Liga. Landsmann Josh Young hat bereits reichlich Erfahrung in der BBL gesammelt und blüht nun in Vechta auf.

Und Philipp Herkenhoff, ein 19 Jahre altes Eigengewächs des Vereins, hat sich für den NBA-Draft angemeldet. Im November des vergangenen Jahres debütierte er sogar für die A-Nationalteam. "Das hat uns und vor allem die Jugendtrainer total stolz gemacht", erklärte Niemeyer.

Dafür, dass Rasta Vechta erst vor 40 Jahren aus einer Basketball-AG an einer Schule entstanden ist, hat der Verein bemerkenswert viel erreicht. Und die Reise scheint noch nicht zu Ende zu sein.

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