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Der FC Bayern verstärkte sich mit gleich fünf US-Amerikaner
Der FC Bayern verstärkte sich mit gleich fünf US-Amerikaner © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago/iStock
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München - Der FC Bayern hat eine enttäuschende Saison hinter sich. Nun will man zurück in die Erfolgsspur. Als Lösung könnte ein abgewandeltes Modell der Fußballer dienen.

Was ist denn bloß los mit dem FC Bayern?

Nicht ein, zwei, drei oder vier - nein, mit Nick Weiler-Babb hat der entthronte BBL-Meister gleich US-Top-Transfer Numero fünf an Land gezogen, nachdem zuvor bereits die ehemaligen NBA-Spieler JaJuan Johnson, Wade Baldwin IV, Malcolm Thomas und Jalen Reynolds von Maccabi Tel Aviv verpflichtet worden waren.

Weiler-Babb ist der nächste hochkarätige Einkauf auf der inzwischen unerwartet groß angelegten Shoppingtour des FCB. Dabei hatten die Münchner nach dem vorzeitigen wie blamablen Aus beim BBL-Finalturnier in eigener Halle zunächst keineswegs die große Transfer-Rhetorik ausgepackt.

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Und auch, weil zehn Spieler inklusive der verliehenen Profis noch einen Vertrag für die kommende Saison oder darüber hinaus besitzen, war erwartet worden, dass der Großteil des Teams erhalten bliebe.

Doch weit gefehlt: Man hätte es den so erfolgsverwöhnten Bayern vielleicht auch nicht wirklich abnehmen dürfen, als Andrea Trinchieri bei seiner Vorstellung kürzlich erklärte, er plane einen "sanften Wiederaufbau".

Zumal die aktuellen Transfertätigkeiten alles andere als sanft daherkommen. Vielmehr zeugen die Bemühungen in der Bayerischen Landeshauptstadt von einem sofortigen Großangriff auf die Euroleague denn von einem Mannschaftsaufbau, der erst in in der nahen Zukunft Ertrag bringen soll.

Kurzfristige Verträge mit Option

Immerhin haben mit Jalen Reynolds und Malcolm Thomas gleich zwei Neuzugänge lediglich einen Vertrag für die kommende Spielzeit. Allerdings muss der Fokus auf die unmittelbare Zukunft eine nachhaltige Entwicklung nicht ausschließen. Immerhin haben sowohl Reynolds als auch Thomas eine Option auf eine Verlängerung um ein weiteres Jahr in ihren Verträgen verankert.

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Dazu sind die beiden mit 27 und 31 Jahren noch lange nicht in einem Alter, wo man die Karriere nur noch ausklingen lassen will. Dasselbe gilt für den 31-Jährigen JaJuan Johnson, der vom türkischen Erstligisten Bahcesehir Koleji an die Isar wechselt.

Mit Baldwin, der sogar - wie Weiler-Babb - erst 24 Lenze zählt, hat man sich vielleicht sogar für die nächsten Jahre auf der Aufbauposition vieler Sorgen entledigt.

Damit hat sich Trinchieri allein in der bisherigen Transferperiode die Erfahrung von 139 NBA- und auch schon einigen Euroleague-Spielen gesichert. Allerdings konnte in der Euroleague noch keiner dieser Akteure Erfolge feiern, weswegen mehr als genug Motivation vorhanden sein dürfte, sich in diesem Wettbewerb zu beweisen.

Trinchieri zeigt sich kompromisslos

Diese Motivation will der Italiener auch von seinem Team sehen. "Es wird keine Kompromisse geben, wie hart man spielt. Das ist ein Mantra", gab er bei seiner offiziellen Vorstellung die Marschroute vor und fügte hinzu: "Wir müssen wissen, dass wir aus einem Loch klettern, weil uns eine Menge deutscher Teams in den Hintern getreten haben."

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Nach dem passenden Vorbild für diesen Weg müssen die Basketballer des FC Bayern nicht lange suchen. Die eigene Fußball-Abteilung bietet seit Jahrzehnten das perfekte Beispiel, wie man sich an der nationalen Spitze etabliert. Selbst, wenn es mal nicht laufen sollte, bringen die Verantwortlichen das Schiff mit klugen Entscheidungen wieder auf Kurs - wie beim Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick zu sehen war.

Diese dauerhafte Erfolgsphase soll nun auch beim FC Bayern Basketball eingeläutet werden. Daher sei es das Ziel, der "Weltklassemannschaft" zu folgen und "auch den Basketball auf einem Elite-Level zu etablieren", hatte Neu-Coach Trinchieri bereits bei seinem ersten Video-Interview nach seiner Verpflichtung erklärt.

Paradigmenwechsel in München

Dass der 51-Jährige dafür der richtige Mann sein kann, hat er in der Vergangenheit bereits bewiesen. Der Italiener hatte unter anderem 2015 und 2016 Ligakonkurrent Brose Bamberg zum Meistertitel sowie 2017 zum Double geführt.

Auch bei KK Partizan Belgrad, seine Trainerstation in den vergangenen beiden Jahren, hatte er sein Händchen für Erfolg mit zwei serbischen Pokalsiegen und dem Gewinn des Super Cups der Adriatischen Basketballliga unter Beweis gestellt.

Nun soll Trinchieri mit seiner Art des Basketballs auch in München wieder für Begeisterungsstürme sorgen. Zur Realisierung dieses Planes ist man beim FC Bayern sogar zu einem Paradigmenwechsel bereit.

Mit Svetislav Pesic, Sasa Djordevic, Dejan Radonjic und Oliver Kostic waren seit der Saison 2012/13 gleich vier Trainer aus dem ehemaligen Jugoslawien an der Seitenlinie der Bayern aktiv. Auch im Kader waren Spieler aus dieser Region immer gern gesehen.

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Allerdings haben auch US-amerikanische Spieler eine Tradition bei den Bayern. So standen seit 2012 insgesamt 17 verschiedene Spieler aus den USA in München unter Vertrag, darunter Stars wie Malcolm Delaney. Aus Ex-Jugoslawien kamen in dieser Phase "nur" 13 Spieler.

Dieser Vorsprung an US-amerikanischen Spielern soll nun wohl ausgebaut werden. Bisher sind die USA mit fünf Spielern im diesjährigen Kader vertreten - so viele Spieler von jenseits des Atlantiks standen unter den vier Vorgängern von Trinchieri nie unter Vertrag.

Ebenfalls erwähnenswert ist, dass der Italiener selbst nur für ein Jahr beim fünfmaligen deutschen Meister unterschrieben hat.

Andrea Trinchieri ist neuer Trainer der Bayern-Basketballer
Andrea Trinchieri ist neuer Trainer der Bayern-Basketballer © Imago

Von den Fußballern lernen

Auch hier scheint es also eher um den schnellen Erfolg zu gehen. Dies alles zeigt, wie tief erschüttert das Mia-san-Mia-Selbstverständnis der Bayern ist. Dieses soll nun mit aller Macht wieder aufpoliert werden - und nicht nur national. Einem Verein wie dem FC Bayern München reicht es nicht, die nationale Konkurrenz zu beherrschen.

Wie weit der Verein in der vergangenen Saison vom eigenen Anspruch entfernt war, zeigt nichts deutlicher als eine Aussage vom damaligen Coach Kostic aus der vergangenen Spielzeit: "Die Jungs haben so gut gespielt, wie es aktuell möglich ist."

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Das war aber nicht gut genug. In der bayerischen Landeshauptstadt träumt man größer. Internationale Meriten sind der Anspruch. Diese will man nach einem mehr als enttäuschendem Jahr in der Euroleague mit einem neuen Gesicht angreifen.

Grundlage dafür scheint die Neuinterpretation eines Wunsches von Uli Hoeneß zu sein. Während bei den Fußballern vor vielen Jahren der Traum vom FC Bayern Deutschland gehegt wurde, sollen die Basketballer nun mit ihrem eigenen Erfolgsrezept zurück an die Spitze finden - dem FC Bayern Amerika.

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