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Nikola Mirotic
Nikola Mirotic spielt seit Sommer für den FC Barcelona © Imago
Lesedauer: 8 Minuten
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München - Nikola Mirotic ist einer der ganz großen Stars in der EuroLeague. Für seinen Wechsel zum FC Barcelona verzichtet er sogar auf viel Geld. Lieber will er in Europa spielen.

Glück statt Millionen!

Nikola Mirotic sorgte im Sommer für einen der Aufreger in der Basketball-Welt. Anstatt sich als heißbegehrter Free Agent einen hoch dotierten Vertrag in der NBA zu sichern - Experten schätzten seinen Wert auf bis zu 50 Millionen US-Dollar -, entschied sich der Spanier für eine Rückkehr nach Europa. Mit dem FC Barcelona will er in dieser Saison nicht nur in der spanischen ACB, sondern vor allem in der EuroLeague groß auftrumpfen.

Ein ungewöhnlicher Schritt für den 16-maligen spanischen Nationalspieler, der bei Barca mit Trainer-Legende Svetislav Pesic zusammenarbeitet.

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"Als sein Agent uns gefragt hat, haben wir uns überlegt, ob wir ihn überhaupt brauchen auf dieser Position", sagte Pesic im Sommer zu SPORT1: "Mirotic ist natürlich ein sehr guter Spieler, aber ein Spieler macht keine Mannschaft. Ein Spieler kann eine Mannschaft zerstören. Nun ist er aber nicht so ein Typ. Er ist eine sehr intelligente Person"

Von Podgorica zu Real Madrid

Geboren ist der 2,09 Meter große Hüne in Montenegros Hauptstadt Podgorica (damals noch Titograd), wo er bei seinem Jugendverein KK Joker 2004 seine Laufbahn begann. Gerade einmal zwei Jahre brauchte er, um die großen Vereine Europas auf sich aufmerksam zu machen.

Als 15-Jähriger wechselte er im Sommer 2006 zu Real Madrid, wo er im Jahr darauf die spanische U20-Meisterschaft feiern konnte. Ausgerechnet in der EuroLeague, wohin es ihn jetzt wieder zurückzieht, feierte er im April 2009 sein Debüt in Reals erster Mannschaft - gegen seinen aktuellen Arbeitgeber und Erzrivalen der Königlichen, den FC Barcelona.

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Nach einer Leihe zu CD Maristas Palencia spielte er sich mit überragenden Leistungen in Madrids erster Mannschaft fest und verdrängte dabei Jorge Garbajosa auf der Position des Power Forwards. Mit gerade einmal 22 Jahren war Mirotic endgültig in der Beletage des europäischen Basketballs angekommen. Bester Beweis dafür ist die Auszeichnung mit der ULEB Euroleague Rising Star Trophy als bester Spieler unter 22.

2011 - Die NBA wird auf Mirotic aufmerksam

Jetzt wurden endgültig auch die Vereine aus Übersee auf den Power Forward aufmerksam. Die Houston Rockets entschieden sich daher im Draft 2011 für den Mann aus Montenegro, gaben ihn jedoch direkt an die Chicago Bulls ab.

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Mirotic blieb aber erst einmal in Madrid und zeigte dort weitere Beispiele seines Könnens. Als erster Spieler in der Geschichte der EuroLeague wurde er zweimal in Folge mit der ULEB Euroleague Rising Star Trophy ausgezeichnet und wurde der jüngste Spieler, der in Spanien mit dem Titel Spieler der Saison geehrt wurde.

Dazu sammelte er mit der spanischen Meisterschaft, dem Pokal und dem Supercup die ersten Titel.

Der Sprung in die NBA

2014 fühlte er sich dann bereit, den Sprung über den großen Teich zu wagen. Er unterschrieb in Chicago und wurde in seiner ersten Saison zu einem wichtigen Rollenspieler. Er kam in allen 82 Spielen der Regular Season zum Einsatz und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Bulls trotz der Ausfälle von Derrick Rose, Jimmy Butler und Taj Gibson die Playoffs erreichten.

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10,2 Punkte, 4,9 Rebounds und 1,2 Assists legte er im Schnitt in 20,2 Minuten pro Spiel auf. Dafür wurde er im Dezember und März als Rookie des Monats ausgezeichnet. Auch als Kandidat für den Rookie des Jahres und NBA Sixth Man of the Year Award wurde er gehandelt, konnte sich hier aber nicht durchsetzen.

Vier Jahre verbrachte er in Windy City, wo er von Teamkollege Bobby Portis im Oktober 2017 ins Gesicht geschlagen wurde, ehe er im Februar 2018 zu den New Orleans Pelicans getauscht wurde. Ein Jahr später landete er im Rahmen eines weiteren Spielertausch bei den Milwaukee Bucks, wo er auch seine letzten NBA-Spiele absolvierte.

Mit dem Auslaufen seines Vertrags fand sich Mirotic nun in der luxuriösen Situation wieder, sich als Free Agent um einem hochdotierten Kontrakt zu bemühen.

Entscheidung gegen das große Geld

Aber er überraschte alle Experten und folgte nicht dem Geld, sondern seinem Herzen.

"Er wollte mit seiner Familie wieder zurück. Er hat sich seinen Traum von der NBA erfüllt. Er kommt nicht wegen des Geldes. Jeder Mensch sucht neue Herausforderungen", meinte Coach Pesic zu SPORT1.

Vor allem mit dem Spielstil in der NBA war der Spanier nicht glücklich. "EuroLeague ist EuroLeague, dort steht Team-Basketball im Vordergrund. In der NBA wird viel mehr Wert auf individuelle Statistiken gelegt. Das vermisse ich, um ehrlich zu sein", erklärte er seinen Wechsel bei basketballnetwork.

Doch der Spielstil war nicht der einzige Grund, wieder nach Europa zurückzukehren. Er hat mit der EuroLeague auch noch eine Rechnung offen. Dreimal stand er mit Real Madrid im Final Four und scheiterte zweimal erst im Finale. 2013 war Olympiakos zu stark, im Jahr darauf musste man sich Maccabi Electra Tel Aviv mit 86:98 n.V. geschlagen geben.

Dieser Titel steht nun ganz oben auf seiner Wunschliste: "Leider habe ich die EuroLeague bisher nicht gewinnen können. Ich stand zwei, drei Mal im Finale, ich war schon so knapp davor. Ich habe diesen Wunsch in mir, den Traum vom Titel endlich wahrzumachen."

Mirotic-Wechsel als Wendepunkt im Basketball?

Für diesen Traum hat er nun auf viel Geld verzichtet und damit gleichzeitig für eine kleine Zäsur im Verhältnis des US-amerikanischen und europäischen Basketballs gesorgt. Während bisher vorwiegend Altstars zum Karriereende oder in der NBA mehr oder wenig gescheiterte Basketballspieler nach Europa kamen, ist Mirotic ein gestandener NBA-Profi, der seine Qualitäten eindrucksvoll nachgewiesen hat und sich mit 28 Jahren noch im besten Sportleralter befindet.

Ohnehin wechselten in diesem Sommer wohl so viele gute Profis wie nie nach Europa oder blieben dort - auch Bayerns Coup mit Greg Monroe ist ein Beispiel.

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Dieser Verantwortung ist sich Mirotic bewusst und will diese auch annehmen. "Meine fünf Jahre in der NBA waren gut, vor allem die letzten beiden Jahre, wo ich nochmal einen enormen Sprung gemacht habe. Aber es hat etwas gefehlt. Ich war ein wichtiger Spieler im Kader, aber jedes NBA-Team hat einen Superstar und ich war Spieler Nummer drei oder vier. Das ist okay, aber ich wollte mehr, ich wollte ein Anführer sein. Ich bin jetzt 28, bin erfahren und wollte etwas anderes machen", nahm er sich vor der Saison selbst in die Pflicht.

Revolte gegen Pesic?

Ob er sich seinen großen Traum vom Titel in der EuroLeague mit dem FC Barcelona erfüllen wird, steht noch in den Sternen. Mit acht Siegen in zehn Spielen führt der spanische Topklub zwar aktuell die Tabelle an, doch es soll auch Misstöne geben.

Denn wie die Marca berichtet, sollen Spieler bereits gegen Pesic revoltiert haben. Angeblich sind sie mit den Trainingsmethoden und der Kommunikation des Trainers nicht einverstanden. So soll auch Mirotic alles andere als begeistert sein.

Insbesondere das Verhalten der Spieler bei Auszeiten während des Spiels sei auffällig. In der nationalen Liga entnervten die Spieler Pesic zuletzt.

"Das ist Zirkus hier, das ist kein Basketball", wetterte der 70-Jährige in einer Auszeit: "Einer gegen Fünf! Einer gegen Fünf! Ich verstehe nicht, warum ihr Eins gegen Fünf spielen wollt!?"

Noch arbeiten beide Seiten aber erfolgreich zusammen. Und Mirotic wird seiner Rolle als Anführer mit 18 Punkten und sieben Rebounds im Schnitt gerecht. Gegen Tel Aviv brillierte er zuletzt mit 25 Zählern und 14 Rebounds - und wurde zum MVP des Spieltages gewählt.

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