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Der FC Bayern Basketball steht vor einer spanischen Woche
Der FC Bayern Basketball kann auf internationalem Parkett nicht mit den Spitzenteams mithalten © Imago
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München - Der FC Bayern läuft den Ansprüchen in Europa hinterher. Die Spieler schreiben die Playoffs ab. Ex-Nationalspieler Patrick Femerling analysiert bei SPORT1 die Lage.

Der FC Bayern Basketball hatte große Ziele.

Die dritte deutsche Meisterschaft in Serie, der Pokalsieg und die Playoffs in der EuroLeague.

"Unser Kader, unser ganzes Drumherum erlaubt es auch, dass wir das erreichen können," sagte Nationalspieler Paul Zipser im November im SPORT1-Interview über den europäischen Playoff-Traum.

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Fans erbost

Vier Monate später ist ein Stück weit Ernüchterung eingetreten. In der Liga sind die Münchner zwar souverän Erster, kassierten zuletzt aber eine bittere Niederlage gegen Göttingen.

Im Pokal schied der FCB bereits in der ersten Runde gegen die Telekom Baskets Bonn aus. Und in der Euroleague liegen die Bayern nach 25 Spieltagen mit nur sieben Siegen bei 18 Niederlagen auf dem letzten Platz.

Am Freitag gab es in eigener Halle beim 63:88 (25:37) gegen Anadolu Efes Istanbul die nächste Klatsche. Es war die vierte Pleite in Folge der Bayern in der Königsklasse, Fans fordern in den sozialen Medien ihr Geld und ihre Zeit zurück.

Femerling verteidigt Bayern

Ein Mann, der sich mit dem europäischen Basketball sehr gut auskennt, ist Patrick Femerling. Der frühere Nationalspieler spielte zwischen 1998 und 2011 unter anderem für ALBA Berlin und den FC Barcelona.

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"Es ist klar, dass alle Beteiligten nicht komplett zufrieden sind angesichts des Verlaufes", sagt Femerling bei SPORT1. Der heutige Jugend-Bundestrainer betonte aber auch, man müsse "das große Ganze sehen".

Dieses Jahr sei es "einfach auch extrem tough und schwer", andere Mannschaften hätten sich "sehr gut verstärkt und weiterentwickelt".

Bayern-Stars nehmen Meistertitel ins Visier

Nun stellt sich für die Bayern in Europa mehr oder weniger eine Sinn- und Motivationsfrage. Die Spieler legen bei dem rechnerisch zwar noch möglichen, realistisch gesehen aber nahezu unerreichbaren achten Platz den Fokus bereits auf das verbleibende nationale Ziel.

"Wir müssen uns jetzt durchkämpfen und als Mannschaft verbessern, dass wir unseren besten Basketball gegen Ende der Saison in den Playoffs spielen", sagte Lo über den anvisierten Meistertitel.

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Man könne nicht sagen, "es ist gelaufen. Man muss aus jedem Spiel etwas mitnehmen und als Mannschaft Schritte nach vorne machen."

Dann soll schlussendlich die dritte Meisterschaft in Serie unter Dach und Fach gebracht werden. "Es ist extrem wichtig, Meister zu werden, weil es ein Titel ist, den man nicht so einfach gewinnt", meint Femerling, der findet, dass man "den BBL-Titel nicht schlechtreden" solle.

Monroe unkonstant

In Europa sind die Bayern aber deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Die Gründe sind vielfältig. Langwierige Verletzungen wie von T.J. Bray oder auch Nihad Djedovic oder enttäuschende Rollenspieler wie der inzwischen wieder aussortierte DeMarcus Nelson zählen dazu.

Star-Neuzugang Greg Monroe kann nicht konstant die hohen Erwartungen erfüllen. Zu guten Spielen wie gegen Roter Stern Belgrad (20 Punkte/5 Rebounds), ZSKA Moskau (20/10) oder Panathinaikos (17/9) gesellen sich schwache Auftritte wie gegen Efes (5 Punkte, 2-7 aus dem Feld), Tel Aviv (9, 3-9), Kaunas (2, 1-4) oder Barcelona (2, 1-6)

Femerling attestiert Kostic "gute Arbeit"

Auch die Trainerposition wirft Fragen auf. Der unglücklich agierende Dejan Radonjic wurde im Januar durch Oliver Kostic aus dem eigenen Programm ersetzt.

Seitdem gewannen die Bayern in der EuroLeague nur ein Spiel, in der Bundesliga gab es die ersten zwei Niederlagen. Nach der zehntägigen Pause inklusive Trainingseinheiten war gegen Efes nicht wirklich ein positiver Trend erkennbar.

Femerling, der Kostic eine "ganz gute Arbeit" attestiert, mahnt aber zur Ruhe: "Jetzt schon ein Fazit zu ziehen, ob das der richtige Mann ist, ist unfair, weil man ihm auch erstmal die Chance geben muss, sich zu beweisen."

Denn "jemand, der erst seit drei Wochen im Amt ist bei einem Verein, bei dem viel Druck herrscht, wo es eine große Erwartungshaltung gibt und hohe Investitionen getätigt werden, hat es nicht leicht".

Message an Europa bleibt aus

Im Sommer müssen die Verantwortlichen über "die Trainersituation und strategische Kaderveränderungen sprechen", ob man "vielleicht noch einen dominanteren Point Guard einstellt".  

Denn Maodo Lo macht seine Sache zwar gut, ist aber kein klassischer Spielmacher. Der neu verpflichtete Zan Mark Sisko zeigt starke Ansätze, kann mit 22 Jahren aber noch kein Spiel dominieren.

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Der frühere Bayern-Coach Svetislav Pesic hatte SPORT1 vor der Saison erklärt, dass Bayern mit einem Playoff-Einzug "eine Message an alle anderen" in Europa schicken könne, "dass Bayern im Kommen ist".

Dieses Signal versendete der Klub bislang nur selten, was sich auch auf zukünftige Spielerverhandlungen auswirken könnte.

Dabei soll mit der neuen Halle, die 2021 fertig gestellt worden soll, der Angriff auf die europäische Spitze beginnen.

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