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München - Das Team USA ist nach zahlreichen Absagen geschwächt. Die Konkurrenz wittert ihre Chance. Zwei Basketball-Legenden nehmen bei SPORT1 zur Situation Stellung.

Wenn man bei der am Samstag beginnenden Basketball-WM in China nach Superstars im Team USA Ausschau hält, wird die Suche schnell beendet sein.

Kein LeBron James, kein Steph Curry, auch kein James Harden, kein Kawhi Leonard. Die Topleute der NBA haben die Daumen fast allesamt vor der Basketball-Weltmeisterschaft gesenkt.

Der Titelverteidiger bleibt der Favorit, doch Zweifel sind angebracht. (Basketball-WM: Tschechien - USA ab 1. September ab 14.30 Uhr im LIVETICKER)

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Geschwindner: "WM hat wenig Stellenwert"

Eigentlich ist es kein Team USA, nicht einmal ein Team US-B, sondern ein Team US-C. Allein im Juli sagten mehr als zehn Spieler ab.

"Das wundert mich gar nicht", sagte Holger Geschwindner, langjähriger Mentor von Dirk Nowitzki, zu SPORT1: "Der NBA-Champion ist Weltmeister, das schreibt er auf seine Fahnen, das kann man überall lesen. Eine Weltmeisterschaft hat für den Amerikaner, der eine NBA-Meisterschaft gewonnen hat, relativ wenig Stellenwert."

Kemba Walker von den Boston Celtics ist der größte Name, in Harrison Barnes (Sacramento Kings) ist ein Rio-Olympiasieger dabei, in Mason Plumlee (Denver Nuggets) ein Weltmeister von 2014.

Pesic: USA "nicht auf dem höchsten Level"

Der Rekordsieger hat nach zwei WM-Turnieren ohne Niederlage die Chance, als erstes Team den Threepeat zu schaffen. 2010 waren allerdings Topleute wie Kevin Durant, Russell Westbrook, Curry und Kevin Love dabei, 2014 erneut Curry, Harden, Kyrie Irving, Anthony Davis und der derzeit verletzte Klay Thompson. Diesmal wird die Mission schwieriger.

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Natürlich stehen ausschließlich NBA-Profis im Aufgebot. Natürlich ist die Mannschaft stark. Aber eben nicht übermächtig. Erste Botschaften hat es gegeben, schon vor der Niederlage im Test gegen Australien.

Ähnlich sieht es Trainer-Legende Svetislav Pesic. "Als Gregg Popovich die ursprüngliche Mannschaft nominiert hat, waren sie für mich der Top-Favorit auf die Goldmedaille. Jetzt, nach den ganzen Absagen, sind sie nicht mehr der alleinige Favorit. Diese Mannschaft ist nicht auf dem höchsten Level", so der ehemalige Bundestrainer bei SPORT1.

Serbien will Revanche nehmen

Das motiviere alle anderen Mannschaften, um noch mehr zu geben: "Es wird eine ausgeglichene Weltmeisterschaft. Es wird alles möglich sein. Es ist sehr schwer, etwas zu prognostizieren."

Und die Konkurrenz wittert ihre Chance.

Sasa Djordjevic, als Trainer der Serben bei der WM 2014 im Finale an den Amerikanern gescheitert, will Revanche. Er sieht durchaus gute Chancen. "Lass sie ihren Basketball spielen, wir spielen unseren, und dann gnade ihnen Gott", sagte der frühere Coach von Bayern München im serbischen Fernsehen forsch.

USA verliert gegen Australien

Die Verwundbarkeit des US-Teams wurde erst am Wochenende in Melbourne deutlich. Vor über 50.000 Zuschauern unterlag der Weltmeister Gastgeber Australien 94:98. Da war das 102:86 zwei Tage zuvor im ersten Duell schnell vergessen.

Das Signal ging um die Welt: Diese USA sind schlagbar. In der Vorrunde geht es gegen die Türkei, Tschechien und Japan, das sollte kein Problem sein. In der Zwischenrunde drohen die Griechen, im Viertelfinale könnte es gegen die deutsche Mannschaft gehen.

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"Es wird, aber es gibt noch vieles zu verbessern", sagte Nationaltrainer Gregg Popovich am Dienstag nach der erfolgreichen Generalprobe gegen Kanada in Sydney (84:68). "Das Potenzial ist gut." Popovich, Erfolgscoach der San Antonio Spurs, aber auch als Assistent Teil des 2004er Teams, das im Olympia-Halbfinale scheiterte, tritt ein schweres Erbe an.

Denn sein Vorgänger Mike Krzyzewski, "Coach K", hat fast alles gewonnen. Dreimal Olympiasieger (2008, 2012, 2016), zweimal Weltmeister (2010, 2014), eine unvergleichliche Bilanz.

Pesic: USA fehlt individuelle Qualität

Der wortkarge Popovich, mit den Spurs fünf Mal NBA-Champion, will nicht klagen. "Niemand wird auf ewig siegen", sagte der 70-Jährige zuletzt. Er ist auch ein Opfer des neuen Kalenders. Früher lagen zwischen Weltmeisterschaften und Olympia zwei Jahre, jetzt ist es nur noch eines. Dass Superstars wie James (34) in diesem Sommer pausieren, weil sie lieber 2020 in Tokio spielen wollen, ist keine Überraschung.

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Dadurch fehle den USA laut Pesic "ein wenig die individuelle Qualität. Es gibt schon einen Unterschied zwischen den Spielern, die abgesagt haben, und denen, die noch dabei sind. Sie sind nicht mehr der absolute Favorit. Aber Gregg (Popovich, Anm. d. Red.) wird eine Mannschaft bauen mit Intensität, Defense und Teamspirit, die schwer zu schlagen ist."

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