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Fuerteventura - Clemens Wickler und Julius Thole sind die Hoffnungsträger im deutschen Beachvolleyball für Tokio 2020. Im SPORT1-Interview sprechen sie über gestiegene Ansprüche.

Deutschlands Beachvolleyball-Duo Julius Thole und Clemens Wickler begeisterte diesen Sommer bei der Heim-WM in Hamburg, wo erst im Finale das Märchen mit Silber endete. Urplötzlich gehören sie zu den großen Hoffnungen für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio.

Im Interview mit SPORT1 sprechen der erst 22 Jahre junge und 2,06 Meter große Thole und sein zwei Jahre älterer Partner Wickler über gestiegene Erwartungshaltungen, taktische Fingerzeige und die gemeinsame Vorliebe für eine Serie.

SPORT1: Bei der WM in Hamburg sind Sie in die Weltspitze vorgestoßen, was hat sich seitdem verändert?

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Clemens Wickler: Das Medieninteresse ist schon spürbar mehr geworden. Auch die Nachfrage nach Autogrammen. Aber ich bin froh, dass ich noch weitgehend unerkannt über die Straße gehen kann.

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Julius Thole: Die Grunderwartungshaltung von außen ist eine andere. Wenn wir jetzt Neunter werden, wo wir uns vorher riesig über eine Top-Ten-Platzierung gefreut hätten, heißt es jetzt: Viertelfinale verpasst. Wir haben uns aber gesagt, dass wir genauso weiter machen wie bisher. Die internationalen Teams sind super eng beieinander. Wir bleiben bodenständig.

Wickler: Das Positive ist: Wir wissen jetzt, dass wir jeden schlagen können.

Thole: Wickler "war ein Risiko"

SPORT1: Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass eine sportliche Zwangsehe funktionieren kann...

Wickler: Uns wurde vor zwei Jahren ans Herz gelegt, künftig gemeinsam in einem Team zu spielen. Wir kannten uns vorher schon aus gemeinsamen Trainingseinheiten und wussten, dass es ganz gut klappen könnte.

Thole: Mir ist das zunächst nicht ganz leicht gefallen. Clemens war zu dem Zeitpunkt auch häufiger verletzt. Das war schon ein Risiko. Auf der anderen Seite haben wir der Erfahrung der Trainer vertraut. Es war dann schnell klar, dass wir auch menschlich gut zusammen passen.

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SPORT1: Und bei Turnieren teilen Sie sich ein Doppelzimmer und schauen gemeinsam Game of Thrones?

Wickler: Woher ist das denn schon wieder bekannt? (lacht) Stimmt aber.

Thole: Wir harmonieren auch auf dem Platz. Es geht uns beiden nicht darum, zu glänzen. Nicht die geilste Aktion oder der schönste Spielzug ist uns wichtig. Wir legen alles rein, um zu gewinnen. Dafür stecken wir auch zurück. Clemens zum Beispiel hat einen unglaublich starken Sprungaufschlag, den er aber zu 50 Prozent nicht einsetzt, weil wir eine andere Strategie haben. Ich würde viel lieber individuell blocken, aber es geht immer um den gemeinsamen Erfolg.

Mit Fingersprache zum Erfolg

SPORT1: Es heißt, Sie haben elf verschiedene Blockzeichen. Das muss man mit den Fingern ja erst einmal hinkriegen. Und kommt man da nicht durcheinander?

Thole: Wir sind halt sehr fingerfertig. (lacht)

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Wickler: Es sind tatsächlich sogar mehr als elf Zeichen. Die gibt Bundestrainer Martin Olejnak vor. Es ist schon eine Kunst, sich die Zeichen und damit verbundenen Spielzüge alle zu merken. Aber es sollen noch mehr werden. Wir wollen uns nicht ausruhen und noch variabler, noch unberechenbarer werden.

SPORT1: Wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?

Wickler: Eigentlich überall. Vor allem können und müssen wir beide noch athletischer werden. Julius noch mehr. (grinst)

Thole: Da hat Clemens sicher recht. Die Grundelemente in unserem Spiel sind gut. Ich sag mal, das ist typisch deutsch. Aber wir müssen uns weitere Optionen erarbeiten.

Warum Deutschland so stark im Beachvolleyball ist

SPORT1: 2012 wurde Julius Brink und Jonas Reckermann Olympiasieger, vier Jahre später in Rio triumphierten Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, in Tokio sind nun Sie Hoffnungsträger. Wieso ist das deutsche Beachvolleyball so erfolgreich?

Wickler: Ich denke, dass liegt vor allem an dem Trainerstab. Das Trainerteam ist einzigartig und der Schlüssel zum Erfolg.

SPORT1: Dabei hat Deutschland doch eigentlich einen Standordnachteil, oder?

Thole: Wir haben in Hamburg alles, was wir brauchen – auch Indoorfelder.

Wickler: Es hat auch Vorteile in der Halle zu trainieren, weil man besser an seiner Technik arbeiten kann.

Thole: Es stimmt aber, dass die Umstellung draußen dann unglaublich ist – wie der Ball dann fliegt. Wir werden deshalb darauf achten, dass wir bis Tokio noch mehr Trainingslager machen und viele Turniere spielen. Es geht nichts über Wettkampfhärte. Darum werden wir uns mit den besten Teams messen. Dann werden wir sehen, was in Tokio herausspringt.

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