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München - Raymond van Barneveld ist eine Darts-Legende, nach dieser Saison ist aber Schluss. Neben den Erfolgen fehlt die Motivation, gesteht der fünfmalige Weltmeister.

Wenn die Worte Niederlande und Darts fallen, kommt man aktuell nicht an Michael van Gerwen vorbei. Aber ohne Raymond van Barneveld hätte "Mighty Mike" vielleicht nie seine heutige Position erreicht.

Denn der ehemalige Postbote aus Den Haag eroberte um die Jahrtausendwende die Dartswelt. Mit seinen vier Weltmeistertiteln bei der BDO zwischen 1998 und 2005 machte van Barneveld Darts in den Niederlanden hoffähig und zu einem Nationalsport - neben Fußball und Eisschnelllauf. Sein episches WM-Finale 2007 nach dem Wechsel zur PDC gegen Legende Phil Taylor gilt als das größte Darts-Match aller Zeiten.

Doch nach vielen Jahren im Darts-Zirkus ist nun bald definitiv Schluss für "Barney". Die WM 2020 im Londoner Alexandra Palace soll nach fast 30 Jahren der krönende Abschluss einer langen und erfolgreichen Karriere werden. (Premier League Darts: ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 im LIVESTREAM)

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Aufstieg zur Darts-Legende und fehlende Anerkennung

In der PDC wurde van Barneveld auch durch das epische Duell mit Taylor zum Fanliebling. Die "Barney Army" begleitet ihn überall hin, ihr gleichnamiger Gesang ist längst Kult und dröhnt durch die Hallen der Welt. Dabei trieben ihn die holländischen Fans einst überhaupt in die PDC. Nachdem er das WM-Finale der BDO 2006 gegen seinen Landsmann Jelle Klaasen verloren hatte, wurde der bis heute jüngste Weltmeister aller Zeiten mit "Who the f*** is Barney?"-Sprechchören gefeiert.

Das verletzte den stolzen van Barneveld so sehr, dass er sofort zur PDC wechselte, sportliche und finanzielle Gründe waren natürlich auch nicht ganz unwichtig. In Deutschland hat der 52-Jährige eine treue Fangemeinschaft. Trotzdem fühlt sich die sensible Legende in seiner Heimat auch heutzutage nicht immer ausreichend wertgeschätzt. Zu sehr steht van Gerwen ob seiner aktuellen Dominanz im Fokus.

"Ich habe Darts in Holland erst richtig bekannt gemacht. Manchmal denke ich mir, ich würde dafür ein bisschen mehr Anerkennung verdienen", zeigt er sich bei DAZN enttäuscht von dieser Entwicklung.

Dutch fans watch Raymond Van Barneveld Die "Barny Army" gehört zum festen Bestandteil eines jeden Dartsturniers, an dem Raymond van Barneveld teilnimmt
Dutch fans watch Raymond Van Barneveld Die "Barny Army" gehört zum festen Bestandteil eines jeden Dartsturniers, an dem Raymond van Barneveld teilnimmt © Getty Images

Van Barneveld: letzter großer Triumph 2014

Auch im Darts bleibt die Zeit aber nicht stehen. Sein Karrierehöhepunkt liegt mittlerweile schon über zwölf Jahre zurück - Michael van Gerwen, Gary Anderson und Co. stellen immer neue Average- oder 180er-Rekorde auf. Da verblasst natürlich die Historie, speziell für die jüngere Darts-Generation. Das WM-Finale 2007 hat Barney dennoch unsterblich gemacht.

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Die legendäre Schlacht in der Circus Tavern gegen Taylor läutete eine neue Darts-Ära ein. Im 13. Satz musste der Sudden Death entscheiden. Im Entscheidungsleg gewann der Niederländer den Wurf auf das Bullseye, indem er seinen Dart auf den Pfeil von Taylor legte, der nur im Single Bull steckte. Diesen Vorteil des ersten Wurfs gab van Barneveld nicht mehr ab und holte sich seinen ersten und bis heute einzigen Weltmeistertitel bei der PDC.

In den Jahren danach prägte der Niederländer den Aufstieg der PDC zum Massenphänomen und Zuschauermagneten mit und ist immer noch einer der populärsten Spieler auf der Tour, auch wenn in den vergangenen Jahren die Titel immer an andere Spieler gingen.

Seinen letzten großen Titel feierte er 2014 in der Premier League, als er im Halbfinale erst Phil Taylor schlug und im Finale dann über seinen Landsmann van Gerwen triumphierte.

Barney: Keine Motivation mehr

Doch solche Glanzleistungen sind außer Reichweite geraten.

"Ich gewinne keine Turniere mehr. Ich habe nicht mehr die Motivation und die Fitness, um noch einmal anzugreifen. Normal gewinne ich Trophäen, aber ich schaffe es nicht mehr. Vielleicht stecken noch ein paar Titel in mir, das wäre unglaublich. Aber ich kann das nicht mehr jede Woche machen. Ich habe festgestellt, dass in meinem Körper keine 100 Prozent mehr sind. Ich habe nicht mehr den Antrieb, die Motivation und die Fitness zum Weitermachen", begründete er seinen Entschluss zum Rücktritt.

In der Weltrangliste, der PDC Order of Merit, rangiert er aktuell auf Rang 32 und droht die direkte Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Dezember zu verpassen. Aber zuletzt zeigte die Formkurve des Routiniers wieder nach oben. Beim Players Championship am vergangenen Wochenende in Wigan unterlag er erst Ex-Weltmeister Adrian Lewis im Finale und sendete nach einer langen Durststrecke ein Lebenszeichen.

Gegen Hopp in Berlin

Trotz zumeist dürftiger Leistungen in den vergangenen Monaten erhielt der Fanliebling eine Wildcard für die Premier League of Darts. So ist er auch in Berlin dabei und trifft auf Deutschlands Nummer eins Max Hopp, der beim Event in der Arena am Ostbahnhof als Gaststarter dabei ist. (Bundesliga aktuell Spezial - Die Premier League Darts in Berlin: Donnerstag ab 18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

"Er ist ein fantastisches Talent und ich mag ihn wirklich sehr. Sein Vorteil ist eben diese Kommunikation, er redet mit jedem Spieler auf der Tour. Aber Max braucht einen Spieler wie mich. Es ist wichtig, dass jemand mit dir rumreist, der das Geschäft kennt und dich in gewissen Situationen einbremst", sagt van Barneveld über seinen deutschen Kontrahenten. 

Doch Barney plagen in der Premier League aktuell andere Sorgen, als die Mentorrolle für Hopp zu übernehmen. Denn nach sechs Spieltagen steht er noch immer ohne Sieg da und droht vorzeitig auszuscheiden. Vielleicht blitzt in Berlin noch einmal die alte Klasse auf. Die Barney Army wird ihn aber ohnehin feiern wie zu besten Zeiten.

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