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München - Michael Smith stürmt mit einer Top-Leistung ins WM-Finale gegen van Gerwen. Große Namen schrecken den Bully Boy aber nicht ab. Ein Radunfall bringt ihm zum Darts.

Ihn wird Michael van Gerwen sicher nicht einschüchtern.

Schließlich trägt Michael Smith nicht umsonst den Spitznamen "Bully Boy". Er hat vor niemandem Angst - das bekam einst schon der große Phil Taylor zu spüren.

Jener 20. Dezember 2013 machte Smith auf einen Schlag zu einer Hausnummer im Darts. Damals schlug er Taylor sensationell mit 4:3 in der zweiten Runde der Darts-WM – nur einmal war der Rekordweltmeister zuvor so früh gescheitert.

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Der damals 23-Jährige hatte schon vor jener WM auf die Frage, ob Taylor auf dem Weg zu Titel Nummer 17 jemand stoppen könnte, geantwortet: "Ja, ich."

Dieses Selbstvertrauen zeichnet Smith aus, er wird es in seinem ersten WM-Finale brauchen (Darts-WM: Das Finale van Gerwen - Smith an Neujahr ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM). Denn dann wartet der neue König der Darts-Szene auf ihn: Michael van Gerwen.

Michael Smith: Rache für Mentor Anderson?

Es ist die erste große Chance für Smith, sein Schicksal zu erfüllen. Für fast alle Kontrahenten hat er das größte Potenzial. "Er ist ein zukünftiger Weltmeister. Er ist fantastisch und hat noch viel mehr drin", sagte Routinier Mervyn King schon 2014 in Sindelfingen.

Zusätzliche Brisanz erhält das WM-Finale 2019 aus der Halbfinal-Abreibung, die van Gerwen Smiths Mentor Gary Anderson verpasste. Nur zu gern würde der "Bully Boy" wohl dafür und für die respektlosen Kommentare des Niederländers Rache nehmen.

Aber wer ist eigentlich dieser Michael Smith?

Radunfall bringt Bully Boy zum Darts

Die aktuelle Nummer zehn der Welt stammt aus einem der Darts-Mekkas Englands: St. Helens. Dave Chisnall, Stephen Bunting und Alan Tabern sind nur drei von vielen bekannten Profis aus der nordenglischen Stadt (18 Kilometer von Liverpool und 37 von Manchester entfernt).

Der junge "Bully Boy" hatte allerdings zunächst wenig mit Darts am Hut. Das änderte sich mit 15 Jahren. Bei einem Radunfall bracht er sich die Hüfte und musste 16 Wochen auf Krücken gehen.

Damals traf er die lokale Darts-Legende Nick "Barely Legal" Williams, der ihn zu den Pfeilen brachte. Aus Langeweile begann Smith und warf noch auf Krücken seine erste 180.

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Darts statt Abschlussprüfung

Nach dem Schulabschluss absolvierte er einen College-Kurs, statt an seiner letzten Abschlussprüfung nahm er aber lieber an einem Darts-Turnier teil. Dies bezeichnete er später im Interview mit dem St. Helens Reporter als "beste Entscheidung meines Lebens."

2009 qualifizierte er sich mit gerade einmal 18 Jahren für sein erstes Major-Turnier, die UK Open. Ein Jahr später schlug er dort bereits die Legende Peter Manley. Bei einem PDC-Jugendturnier gelang ihm ein 9-Darter - gegen einen gewissen Michael van Gerwen.

Ringkampf mit einem Kalb

Zwei Jahre später krönte sich der Bully Boy mit einem furiosen 6:1 über Ricky Evans zum Junioren-Weltmeister. Sein Spitzname hat übrigens einen kuriosen Hintergrund.

Smith arbeitete früher auf einem Bauernhof mit vielen Kühen. Einmal lieferte er sich einen Ringkampf mit einem Kalb, ein Kollege nannte Smith daraufhin einen Rüpel (engl. "Bully").

Der Coup gegen Taylor verpasste ihm einen Schub, es folgte 2014 das Viertelfinale beim Grand Slam of Darts und der erste große Sieg: bei der European Darts Trophy.

Bei der WM 2016 erreichte er erstmals das Viertelfinale und führte gegen den fünfmaligen Weltmeister Raymond van Barneveld bereits 3:0, ehe er doch noch verlor. Immerhin durfte Smith kurz darauf sein Debüt in der Premier League feiern.

Power-Scorer mit Anderson-Unterstützung

Die Unterstützung des zweimaligen Weltmeisters Anderson begann sich allmählich auszuzahlen. Smiths Stärke ist vor allem das so spielerisch leicht aussehende Scoring.

Gemeinsam mit seinem Mentor führte er aktuell die WM-Liste mit den meisten 180ern an. Oftmals stecken die Pfeile so eng beisammen in der Triple-20, dass locker noch sieben, acht Pfeile hineinpassen würden.

Den Schritt in die Top Ten und damit in die absolute Weltelite vollzog Smith 2018. Inzwischen ist er 28 Jahre alt, hat eine Verlobte und einen kleinen Sohn. Er ist auch als Mensch gereift.

In der Premier League erreichte Smith das Finale (Niederlage gegen van Gerwen) und gewann das Schanghai Darts Masters.

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"Will nicht live im Fernsehen weinen"

Mit den 170.000 Pfund Preisgeld für den Einzug ins WM-Finale wird er auf Rang sechs der Order of Merit springen (bei Sieg winken sogar die Top 5), im Halbfinale gegen Underdog Nathan Aspinall  zeigte er mit 17 180ern und einem 3-Dart-Average von über 105 Punkten eine absolute Weltklasseleistung.

"Ich habe mich noch nie so gefühlt, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich will nicht live im Fernsehen weinen. Ich bin einfach so glücklich", sagte Smith.

Gegen van Gerwen Publikumsliebling

Die Sympathien gegen den nicht erst wegen seines Auftretens bei der WM polarisierenden van Gerwen dürfte der Engländer im Finale in jedem Fall auf seiner Seite haben.

"Ich wünsche Michael alles Glück der Welt. Ich hoffe wirklich, er packt es, er hat es verdient", betonte auch Kontrahent Aspinall.

Gary Anderson wird ohnehin die Daumen drücken. Nach dem Eindrücken bei dieser WM ist der Bully Boy wohl tatsächlich der einzige, der MvG stoppen kann.

Es wäre die die Erfüllung seines Schicksals.

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