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München - Nathan Aspinall ist der einzige Engländer im Halbfinale der Darts-WM. Er hat eine bemerkenswerte Wandlung genommen, gegen Michael van Gerwen stimmt nicht nur die Bilanz.

Es ist gerade einmal 15 Monate her, da war Nathan Aspinall am Boden.

Ganze 20 Pfund (23,40 Euro) hatte "The Asp" laut Sun im September 2018 auf seinem Konto, der gelernte Buchhalter war pleite. Ein gutes Jahr später könnte sich der 28-Jährige zum Millionär aufschwingen, erste Voraussetzung dafür ist ein Sieg gegen Michael van Gerwen im Halbfinale der Darts-WM (Darts-WM 2020: Die Halbfinals ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER).

Die Karriere von Aspinall hatte vielversprechend begonnen, 2015 sicherte er sich eine Tourcard für die nächsten zwei Jahre, bei der Junioren-WM scheiterte er im gleichen Jahr erst im Finale mit 5:6 an Max Hopp. Der Engländer konnte seinen Aufschwung jedoch nicht halten und verlor 2017 seine Tourkarte.

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Als der in Stockport in der Nähe von Manchester wohnhafte Darts-Profi am Tiefpunkt angekommen war, startete er plötzlich durch: Im 50 Kilometer entfernten Barnsley gewann er am 5. September 2018 die Players Championship 18. Es war sein erster Turniersieg auf der PDC Pro Tour. Wenige Wochen später war das WM-Ticket im Sack, beim Jahreshöhepunkt eliminierte er in der 2. Runde Gerwyn Price und wurde erst im Halbfinale und trotz eines Averages von über 100 Punkten von Michael Smith gestoppt. (Spielplan und alle Ergebnisse der Darts-WM 2020)

Aspinall kann Millionär werden

Ein Jahr später steht er erneut im Halbfinale, die Voraussetzungen sind jedoch gänzlich andere.

"Mein Halbfinale wird anders sein als beim letzten Mal. Ich gehe es anders an, ich bin finanziell jetzt abgesichert", sagte der Mann, der aufgrund seines Nachnamens "The Asp" (die Natter) genannt wird und seine Tweets gern mit Schlangen-Emojis abschließt.

Aspinall hat mittlerweile 510.000 Euro eingespielt, durch den mit 500.000 Pfund (585.000 Euro) dotierten WM-Titel würde er zum Preisgeld-Millionär werden - auch wenn er davon ja seine Ausgaben bestreiten muss.

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"Ich liebe es, gegen die besten Spieler der Welt zu spielen. Ich spiele besser, und ich will das gleiche Geldkonto wie sie", sagte er nach dem Halbfinal-Einzug. "Ich hätte mir das nicht träumen lassen können. Ich war ein Buchhalter. Ich habe für große Unternehmen gearbeitet und gesehen, wie manche Direktoren 250.000 Pfund im Jahr verdienen. Jetzt bin ich auch in diesem Pool, man muss mit dem Leben einfach zufrieden sein."

Aspinall ist die Symbolfigur zahlreicher junger und hochtalentierter Spieler, welche die Generation um Gary Anderson - am Freitag von Aspinall im Achtelfinale eliminiert -, Peter Wright oder Mensur Suljovic immer mehr in den Hintergrund drängen. Aspinall, aber auch dessen Viertelfinal-Gegner Dimitri Van den Bergh oder Junioren-Weltmeister Luke Humphries sind schon von ihrer Optik her Sportler, die neben der mentalen auch über eine körperliche Fitness verfügen und sich wie Profis anderer Sportarten akribisch auf ihre Karriere vorbereitet haben.

"Wir sind hungrig, wir wollen das Geld"

"Man sieht die Aufstellung von uns jungen Spielern: Luke Humphries, Dimitri, ich - es gibt so viele Möglichkeiten für uns. Wir sind hungrig, uns ist es egal, gegen wen wir spielen. Wir alle lieben Darts", sagte er im SPORT1-Interview. Aspinall hat dem Darts alles untergeordnet, nach seinen Siegen sinkt er regelmäßig vor Freude auf die Knie. "Das ist zu einer Million Prozent die neue Generation im Darts. Es gibt so viel Geld zu verdienen - wir wollen das Geld, wir wollen die Titel."

Auf der Suche nach neuen Vorbildern im Darts nach den Rücktritten von Phil Taylor und Raymond van Barneveld muss der Weltverband PDC nicht lange suchen.

"Das kann ich nur auffangen, wenn ich neue Legenden kreiere. Es gibt Zeiten, wenn Legenden sich verabschieden und wie ein Cowboy in Richtung Sonnenuntergang reiten wie in einem Western. Der Job ist, dass wir genug Talent haben, um diese Legenden zu ersetzen und zu verbessern“, sagte PDC-Boss Barry Hearn der dpa.

Aspinall mit ausgeglichener Bilanz gegen van Gerwen

Aspinall ist der einzige Engländer im WM-Halbfinale, in der Weltrangliste dürfte er von Platz 12 aus einen Sprung weit in die Top Ten machen und 2020 sein Debüt in der Premier League feiern. Aspinall taugt auch wegen seiner Geschichte "vom Tellerwäscher zum Millionär" zum Publikumsliebling und Nachfolger von Taylor - gegen den er nie gespielt hat. Einen absoluten Topstar hat das Mutterland des Darts aktuell nicht. Die Hoffnungen ruhen neben Smith und Humphries daher vor allem auf Aspinall.

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Gegen Dominator und Titelverteidiger van Gerwen wartet nun die schwerste Aufgabe seiner Karriere. Dennoch geht der Youngster selbstbewusst in die Partie:

"Er ist ein Mensch, er macht Fehler. Er spielt nicht immer sein bestes Spiel. Wenn das passiert, werde ich da sein und meine Möglichkeiten nutzen", erklärt er. "Wenn ich van Gerwen schlage, könnte es mir nicht egaler sein, gegen wen ich dann spiele. Wenn ich es ins Finale schaffe, könnt ihr auch Phil Taylor zurückbringen, wenn ihr wollt."

Aspinall hat eine 2:2-Bilanz gegen MvG, beim letzten Zusammentreffen in Gibraltar im September führte er mit 5:0 Legs und gewann 6:3. "Ich weiß, dass ich ihn schlagen kann - und er weiß, dass ich ihn schlagen kann."

"Noch zwei Spiele und ich bin Weltmeister"

Auch Van den Bergh, der nach einem 1:4-Rückstand im Viertelfinale zurück kam und beinahe die Wende schaffte, traut ihm die Sensation zu.

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"Ich habe gedacht, dass ich van Gerwen schlagen konnte, also weiß ich definitiv, dass Nathan van Gerwen schlagen kann. Wir müssen an uns glauben, wir müssen unser Ding machen. Nicht an den denken, gegen den wir spielen, sondern unseren Job erledigen."

Während van Gerwen nahezu krampfhaft an seinem Ziel, der beste und erfolgreichste Spieler der Welt zu sein, festhält, geht Aspinall das Halbfinale locker an. "Vor einem Jahr war ich zu dieser Zeit auf Platz 90 der Welt. Jetzt gehöre ich zur Elite. Noch zwei Spiele und ich bin Weltmeister."

100.000 Pfund WM-Prämie hat "The Asp" schon verdient. Das leere Konto vom September 2018 hat keinen Platz mehr in seinen Gedanken.

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