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München - Die Darts-WM 2021 ist geprägt vom Corona-Thema. PDC-Boss Barry Hearn spricht bei SPORT1 über die Widrigkeiten und verrät, was er von den Deutschen hält.

Die Darts-WM 2021 begeistert die Massen wie eh und je und findet sportlich auf einem womöglich noch nie da gewesenen Niveau statt. (Darts-WM von 15. Dezember bis 3. Januar LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER)

Doch in diesem Jahr sorgen auch Themen fernab des Oches für Diskussionen. So findet das Darts-Highlight im Londoner Alexandra Palace erstmals ohne Fans statt. Vor dem Großevent war mit 1000 Zuschauern im Ally Pally geplant worden. Wegen der Corona-Entwicklungen wurde dies für den Rest des Turniers allerdings untersagt.

Hier können Sie sich den PDF-Spielplan der Darts-WM 2021 herunterladen und im Anschluss ausdrucken

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Wegen der Mutation des Virus verschärfte sich die Lage in Großbritannien zuletzt sogar noch. Aufgrund der von mehreren Ländern verordneten Reisebeschränkungen für Großbritannien hat die PDC ihren Spielern empfohlen, die Insel über die Weihnachtstage nicht zu verlassen.

Verbands-Boss Barry Hearn erzählt im Interview mit SPORT1, wie er die WM mit all ihren Widrigkeiten bislang erlebt hat, und verrät, was er über Gabriel Clemens vor dessen Duell mit Titelverteidiger Peter Wright denkt (Sonntag ab etwa 22.15 Uhr  LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER)

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SPORT1: Herr Hearn, was ist mit Darts in diesem Corona-Jahr passiert? 

Barry Hearn: Es war ein verrücktes Jahr. Wir mussten uns anpassen, mussten unsere Denkweise ändern und kreativ werden. Darts hinter verschlossenen Türen funktioniert aber. Unsere TV-Zuschauerzahlen sind stark gestiegen. Wir haben das Beste draus gemacht. (Darts-Glossar: Die wichtigsten Fachbegriffe)

Keine Zuschauer im Ally Pally

SPORT1: Ist es ohne Fans in den Hallen immer noch Darts? 

Hearn: Es ist immer noch Darts ohne Fans, aber es ist nicht dasselbe. Ich versuche optimistisch zu sein, aber es ist schwer für uns. Wir müssen uns an die Vorschriften halten. Es ist nicht dasselbe Erlebnis, aber immer noch die WM. Sie spielen immer noch um großes Preisgeld, der Sieger bekommt immer noch die Trophäe. Wir werden auch so noch Dramen bei diesem Event sehen. In den vergangenen Jahren haben wir die Atmosphäre im Alexandra Palace als normal empfunden und uns nun in einer neuen Welt wiedergefunden. Am ersten Abend hatten wir wenig Zuschauer und nun gar keine mehr. Wir müssen nun sicherstellen, dass es dennoch das beste Darts ist und die Matches begeistern. 

SPORT1: Zu Beginn der WM war es eine schwierige Situation. Es waren am ersten Tag Fans in der Halle erlaubt, plötzlich aber nicht mehr. Wie geht es Ihnen damit, den Alexandra Palace ohne Zuschauer zu sehen? 

Hearn: Es ist wirklich hart. Aber es gibt keine Alternative. Wir müssen realistisch sein. Wir hoffen und beten, dass es nun nur ein Jahr mit dieser Atmosphäre ist. Wir haben trotzdem ein Lachen im Gesicht, denn Darts ist Weihnachten und Weihnachten ist Darts. Es ist nur ein anderes Weihnachten, weil wir in einer anderen Welt leben. Wir hoffen, dass es schnell Fortschritte gibt, wir nächstes Jahr wieder die normale Stimmung im Alexandra Palace haben und wir dann zurückblicken können: 'Erinnerst du dich daran, als es ruhig war?'. 

PDC-Boss schwärmt von Clemens

SPORT1: Wächst Darts denn immer noch? 

Hearn: Ja. Es ist schon etwas bizarr, wenn man sieht, in welchen neuen Ländern es Dartsprogramme gibt. Darts wächst und wächst. Und das, obwohl wir nicht die fröhliche Nachricht wie sonst nach außen verbreiten konnten. Es klingt komisch, aber ich war in dieser COVID-Phase extrem motiviert, so viele Turniere wie zuvor auszutragen, das gleiche Preisgeld zu zahlen und den Widrigkeiten mit einem Lächeln zu begegnen. Das ist der beste Weg, um mit solchen Dingen umzugehen, weil einem keiner aus dieser Lage helfen kann. Es ist, wie es ist und ich gehöre zu den positiv denkenden Menschen. Ich denke deshalb, dass wir aus dieser Pandemie stärker hervorgehen und mit einem größeren internationalen Wachstum gehen. Mehr Spieler haben uns im Fernsehen gesehen und wenn sie nächstes Jahr die Atmosphäre sehen, die normal herrscht, werden sie völlig begeistert sein. Das ist mein Plan. 

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SPORT1: Lassen Sie uns über die deutschen Dartsspieler sprechen. Was trauen Sie ihnen in Zukunft zu?

Hearn: Ganz offensichtlich hatte Gabriel Clemens eine sehr gute Saison. Dieser Typ kann spielen. Max Hopp hatte ein paar Probleme und ist nicht so viel gereist aufgrund des Corona-Problems. Es ist Zeit für ihn, zurückzuschlagen. Auf lange Sicht schaue ich auf die jungen Deutschen, die durchkommen. Nico Kurz und andere sind hervorragende Talente. Talente werden nicht gleich Weltmeister, aber du musst eben erst ein Talent sein. Wenn die Jungen die Professionalität und Disziplin finden, die Darts als große Sportart verlangt, dann haben sie große Möglichkeiten. Die Zuschauerzahlen im Fernsehen in Deutschland bei SPORT1 und DAZN waren in dieser COVID-Phase unglaublich gut. Selbst Darts zu Hause - mit dem Handy gefilmt - hat erstaunliche Zuschauerzahlen gebracht. Wir wissen, dass das Interesse da ist. Wir wissen, dass die deutschen Fans darauf warten, Darts feiern zu können. Sie genießen Darts. Aber wir haben eine Pandemie. Wir müssen die Lust am Ausgehen und am Feiern erst wieder bei allen herstellen. Das wird Zeit brauchen. Und unsere Aufgabe ist es, auf demselben Level weiterzumachen oder sogar ein besseres Level an Unterhaltung zu erreichen und die Leute wieder zum Ausgehen zu bringen. 

Hearn über Frauen im Darts: "Dann wartet die Welt"

SPORT1: Sie haben mit allen Stars wie van Gerwen oder Wright gesprochen. Was denken Sie über die Situation der Spieler? 

Hearn: Ich bin immer wieder beeindruckt von Dartsspielern. Das Beste an ihnen ist: Sie sagen alle immer zu mir: 'Dankeschön'. Das ist sehr selten im Profisport. Leute wollen mehr haben als geben. Dartsspieler sind normale Arbeitsleute. Sie verstehen, dass ihnen mit dem Preisgeld viele Chancen gegeben werden. Wir hatten nie ein Problem mit einem einzigen Spieler. Sie sind dankbar dafür, dass sie die Chance haben, ihre Familien zu ernähren, Rechnungen zu bezahlen und ihre Träume zu erfüllen. Die Spieler kamen immer wieder in letzter Zeit zu mir und haben Vorschläge gemacht für Indoor-Events hinter verschlossenen Türen. Wir haben großartige Profis und einen tollen Sport. Wir haben tolle Spieler von überall auf der Welt und ich bin wirklich gespannt. Aber COVID verlangsamt alles und wir müssen bereit sein, wenn wieder alles los geht. 

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SPORT1: Was denken Sie über die Frauen auf der Tour? 

Hearn: Sie machen Fortschritte, auch wenn ich mir schnellere Fortschritte wünschen würde und mehr Frauen sehen will. Es ist sehr hart für Frauen, mit den Männern zu konkurrieren. Aber das ist beim Darts eben das Besondere, dass wir keine Trennung zu den Männern haben und genderneutral sind. Lisa Ashton hatte eine starke Saison. Deta Hedman hat die Qualifikation für die WM geschafft, Fallon Sherrock hat es ebenso fast gepackt. Aber Fallon wird zurückkommen. Sie ist jung. Es gibt weitere junge Frauen. Die Frage wird sein: Sind sie bereit dafür, genau so viel zu opfern wie die männlichen Kollegen? Wenn sie dafür bereit sind, dann wartet die Welt auf sie. (Spielplan und Ergebnisse der Darts-WM 2021)

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