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München - Gabriel Clemens kämpft nach seinem Coup gegen Rob Cross beim World Matchplay um das Viertelfinale. Der Deutsche ist nicht der einzige Profi, dem die Stille guttut.

Über johlenden Applaus und Standing Ovations hätte Gabriel Clemens in dem Moment seines Triumphs wohl kaum etwas einzuwenden gehabt.

So aber blieb es abgesehen von kurz eingespielten Zuschauergeräuschen ruhig, als der deutsche Darts-Profi beim World Matchplay nach seinem Coup über Rob Cross nur ungläubig die Hände vor den Mund schlug und immer wieder den Kopf schüttelte. (Darts World Matchplay auf SPORT1 im Free-TV und im Stream).

Mit 10:8 hatte Debütant Clemens den Titelverteidiger soeben sensationell eliminiert, war beim wichtigsten Turniers nach der WM ins Achtelfinale eingezogen. Dort muss sich der "German Giant" gegen den Polen Krzystof Ratajski beweisen. (ab 22.30 Uhr LIVE auf SPORT1 im Free-TV und Livestream)

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Wieder einmal fast geräuschlos wohlgemerkt anstatt ohrenbetäubend, wie es vor Coronazeiten sonst beim Publikumsmagneten Darts zugegangen wäre. Das Event fand diesmal auch nicht im traditionellen Winter Gardens in Blackpool, sondern ohne Zuschauer in der Marshall Arena von Milton Keynes.

"German Giant": Neue Power in der Ruhe

Darts im Jahr 2020 also mit in etwa so viel Dezibel wie ein Smalltalk unter Mitgliedern eines Lesekreises? (SERVICE: So läuft das World Matchplay)

Für Clemens, der bisher Achtungserfolge auf der Tour verbucht und sich nun erstmals für das World Matchplay qualifiziert hatte, erscheint das gar nicht einmal so verkehrt.

Hier können Sie sich den PDF-Spielplan herunterladen und im Anschluss ausdrucken

"Wenn man die Ergebnisse sieht, habe ich bei den Turnieren auf der ProTour, wo Zuschauer grundsätzlich nicht erlaubt sind, immer etwas besser abgeschnitten", sagte der "German Giant" bei n-tv bereits vor seinem Husarenstreich gegen den englischen Weltranglisten-Vierten Cross.

Wenn der 36 Plätze schlechter dastehende Saarländer zwar hinzufügt, er "spiele schon auch gerne auf den großen Bühnen", so kommt ihm die zwangsverordnete Stille doch durchaus zupass.

Gabriel: "Das kann ein Spiel beeinflussen"

Schon während der deutschen Super League in München sowie beim ersten Event der PDC Summer Series in Milton Keynes, wo Gabriel erst im Halbfinale an Superstar Michael van Gerwen gescheitert war, hatte sich der Zuschauer-Ausschluss eher positiv ausgewirkt.

"Dort war es während des Spiels komplett ruhig", erinnerte sich Gabriel, "wenn dann zum Beispiel ein Kugelschreiber runtergefallen ist, hat man sich regelrecht erschreckt. Das kann ein Spiel schon beeinflussen."

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Vor allem in der Phase höchster Konzentration. Im Duell mit Cross hatten beide Spieler alles andere als die Sterne vom Himmel gespielt. "Was soll ich sonst sagen? Es war einfach - ganz ehrlich - Scheiße von uns beiden", meinte Gabriel hinterher bei SPORT1

Der gelernte Industriemechaniker, der sich erst im vergangenen Jahr dazu entschied, als Profi voll auf die Karte Darts zu setzen, hatte vor allem zu Beginn der Partie große Probleme beim Scoring.

Doch zumindest auf seine starke Checkout-Quote war beim dritten Sieg im dritten Match gegen den Ex-Weltmeister Verlass. Mehr als die Hälfte seiner Pfeile auf ein abschließendes Doppelfeld fanden ihr Ziel, darunter ein bärenstarkes 170er-Finish.

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Auch Suljovic bevorzugt Stille ohne Fans

Während einige Konkurrenten wie van Gerwen oder Gerwyn Price in Schwächephasen oftmals neue Kraft aus Stimmung und Fan-Emotionen ziehen, liegt für Clemens offenbar in der Ruhe die Kraft - wie auch für Mensur Suljovic.

"Für mich ist die Situation kein Problem. Für mich kann das Publikum ein großes Problem sein. Mag mich das Publikum, mag es mich nicht? Wenn ich ein Double spiele und die Zuschauer raunen, ist das ein Problem für mich", so der Österreicher kürzlich bei Sky Sports.

Durch den Sieg über Cross und die damit erspielten 15.000 Pfund (ca. 16.500 Euro) klettert Clemens in der Weltrangliste der PDC schon auf Platz 36 - die Top 32 und damit das automatische Ticket für die WM im Dezember sind nicht mehr fern.

Kein Wunder also, dass der 36-Jährige wohl kaum etwas dagegen einzuwenden hätte, gingen die Silent Games noch eine Weile so weiter.

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