FCB-Präsident Hoeneß kritisiert Sparmeister Dortmund und Geschäftsführer Watzke. Er erinnert an seinen Erzrivalen aus Bremen.
Von Christian StüweMünchen - Auch wenn der FC Bayern München nach der Niederlage im Gipfel gegen Dortmund und der Nullnummer gegen Mainz (Bericht) die Meisterschaft abhaken muss, hat Uli Hoeneß nichts von seiner Angriffslust eingebüßt.Einen Auftritt in der Sendung "Sky 90" nutzte der Bayern-Präsident am Sonntagabend, um einige Giftpfeile gegen den alten und wohl auch neuen Meister abzufeuern.Vor allem dass BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watze immer wieder die wirtschaftliche Überlegenheit des Rekordmeisters betont, geht Hoeneß gehörig gegen den Strich.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)"Die Märchen, die Herr Watzke erzählt, mit seinen 45 Millionen Personalkosten im nächsten Jahr, die kann er jemandem erzählen, der sich nicht im Geschäft auskennt", sagte Hoeneß: "Das werden wir schon sehen, wenn die Bilanz auftaucht." 543549 (DIASHOW: Der 31. Spieltag)Vielmehr glaubt Hoeneß, dass der Transfer von Marco Reus, die Vertragsverlängerung mit Mario Götze und die anstehende Vertragsverlängerung mit Robert Lewandowski die Dortmunder teuer zu stehen kommen. Watzke als zweiter Willi Lemke?"Watzke muss aufpassen, dass er nicht der zweite Willi Lemke wird, der erzählt, hier die reichen Bayern, da die armen Dortmunder", sagte der Bayern-Boss.Mit dem einstigen Manager von Werder Bremen hatte sich Hoeneß über Jahre einen verbalen Schlagabtausch geliefert. Nun hat sich der FCB-Präsident Watzke als neuen Lieblingsfeind auserkoren. Watzke hatte erst am Wochenende eine Spitze gegen Hoeneß gesetzt und diesem empfohlen, BVB-Aktien zu kaufen.Auch dies konterte Hoeneß. "Ritterschlag" verweigert"Ich werde die Aktie demnächst verkaufen", sagte der 60-Jährige: "Ich war als Aktionär enttäuscht: Nachdem sie uns geschlagen haben, ist die Aktie nicht gestiegen, sondern gefallen. Das ist als Aktionär für die Profis ein ganz schlechtes Zeichen."Die sportlichen Leistungen der Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp nötigen dem Bayern-Boss jedenfalls mehr Respekt ab als die wirtschaftliche Vorgehensweise.Dortmund habe eine "Supersaison" gespielt, erkannte Hoeneß neidlos an. Den "Ritterschlag" verweigerte er dem Konkurrenten aus dem Westen dennoch."Vierter in einer ganz leichten Gruppe"Um diesen zu erhalten, müssten sich die Schwarz-Gelben auch international erfolgreich beweisen."Vor zwei Jahren sind sie in der Europa League sang- und klanglos gescheitert - und dieses Jahr, in einer ganz leichten Gruppe sind sie nicht Dritter, sondern Vierter geworden", erklärte der Weltmeister von 1974: "Erst wenn sie diese zwei Dinge in Einklang bringen, wenn sie zeigen, dass sie international mitspielen können, dann sage ich: Chapeau!"[kaltura id="0_ny8sj4se" class="full_size" title="Watzke r t Hoene zu BVB Aktien "]"Keine Weltklassespieler" in DortmundUm dies zu stemmen, benötige die Borussia aber eine Mannschaft, die "viel teurer sein wird, als die sie die letzten zwei Jahre hatten." Momentan habe Dortmund zwar "etwas hungrigere Spieler, aber sie haben keine Weltklassespieler".Dass diese Spieler dennoch so erfolgreich sind, machte Hoeneß auch am unterschiedlichen medialen Druck fest."Der wäre längst kaputt geschrieben worden""Ein kleines Beispiel: Gündogan geht von Nürnberg nach Dortmund, spielt neun Monate mehr oder weniger nicht", führte Hoeneß aus: "In München hätte man schon längst vom Fehleinkauf gesprochen. In Dortmund kann der sich schön langsam entwickeln, spielt nicht, spielt nicht, spielt nicht, und plötzlich spielt er. In München wäre der schon längst kaputt geschrieben worden."Die Dortmunder würde in einer Oase leben, sagte Hoeneß: "Die haben zwei, drei Journalisten, die meisten schlafen in gelb-schwarzer Unterwäsche. Die sind ja die größten Jubler, wenn die gewinnen. Wir haben davon in München wenige."Hoeneß sieht noch keine große GefahrDoch auch dies werde sich ändern, prophezeite Hoeneß. Der Druck werde steigen, wenn die Ansprüche auch "international kommen" und der BVB in der Champions League im Konzert der Großen mitspiele.Und wenn dies passieren sollte, müsse man sich auch beim FC Bayern "ganz warm anziehen", erklärte Hoeneß, der den Konkurrenten aber offenbar noch lange nicht auf Augenhöhe wähnt. "Ich sehe da noch keine ganz große Gefahr für die Bayern", erklärte Hoeneß.Watzke kontert sofortDie Antwort von Watzke ließ nicht lange auf sich warten, nach am Sonntagabend meldete sich der BVB-Boss zu Wort."Ich erzähle keine Märchen, sondern Tatsachen", sagte 52-Jährige der "Bild": "Unsere Zahlen sind Eins zu Eins nachlesbar, und die von Bayern sind nunmal rund dreimal höher. Mich wundert sehr, wie dünnhäutig Uli Hoeneß reagiert. Sollen wir künftig extra gegen Bayern verlieren, damit er nicht meckern muss?"Das Duell der beiden Schwergewichte im deutschen Fußball dürfte in den nächsten Jahren nicht nur auf dem Platz für jede Menge Brisanz und Spannung sorgen.