vergrößernverkleinern
©
Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Die Berliner üben nach ihrer Pleite gegen Nürnberg scharfe Kritik am Schiedsrichter. Der zieht Rot und einen Elfmeter zurück.

Von Christoph Lother, Anett Sattler und Andreas ZiepaBerlin/München - Die Profis des 1. FC Nürnberg bogen freudestrahlend in die Fankurve ab, Spieler und Verantwortliche der Berliner Hertha hingegen verstanden die Welt nicht mehr.Mit seiner ebenso mutigen wie strittigen Entscheidung verwandelte Schiedsrichter Michael Weiner den Eisschrank Olympiastadion binnen weniger Sekunden in einen der Brennpunkte des 19. Spieltags.Noch lange nach dem schmeichelhaften 3:1 (1:1)-Auswärtssieg der abstiegsbedrohten Franken (Bericht) hatten sich die Gemüter nicht beruhigt.Stattdessen übten die unterlegenen Berliner scharfe Kritik am Unparteiischen, der eine Rote Karte gegen Nürnbergs Ondrej Petrak und den vermeintlichen Handelfmeter für die Hertha zurückgezogen hatte.Preetz: "Entscheidung albern""Ich habe keine Ahnung, was er da macht", sagte Herthas Mittelfeldspieler Per Skjelbred zur strittigen Szene.Innenverteidiger Fabian Lustenberger meinte zu SPORT1: "Das war kein Abseits. Ramos kreuzt zwar, steht aber zehn oder 15 Meter weit weg."Auch Manager Michael Preetz wunderte sich bei "Sky": "Wo wird Ramos aktiv? Diese Entscheidung ist albern. Der Assistent hat da etwas gesehen, das er exklusiv hat."Selbst der sonst so ruhige Trainer Jos Luhukay kritisierte: "Ein Schiedsrichtergespann muss ein Spiel leiten und sollte nicht der Hauptdarsteller sein."Rot für Petrak, Elfmeter für BerlinHerthas Offensivmann Ronny hatte den Ball in der 88. Minute beim Stand von 1:2 aus Sicht der Hausherren aufs gegnerische Tor geschossen, Nürnbergs Verteidiger Petrak ihn mit der Hand aus dem rechten Winkel gefischt ( 839072 DIASHOW: Die Bilder des 19. Spieltags).Adrian Ramos versenkte die Kugel per Nachschuss zwar noch in den Maschen, doch zu diesem Zeitpunkt war die Partie bereits unterbrochen.Referee Weiner zückte Rot für Petrak und gab Elfmeter für die Hertha. So weit, so gut.Weiner nimmt Entscheidung zurückNach einer kurzen Beratung mit seinem Assistenten nahm Weiner seine Entscheidung aber zurück - weil Ramos bei Ronnys Schuss im passiven Abseits stand, dann aber Nürnbergs Torwart Schäfer behindert haben soll."Ich habe ein Signal von meinem Assistenten erhalten, der mir mitgeteilt hat, dass es zu einem Zweikampf gekommen ist", sagte Weiner: "Daher haben wir uns entschieden, Freistoß zu geben, weil es aus unserer Sicht Abseits war. Deshalb wurde auch der Feldverweis zurückgenommen."So blieb Petrak auf dem Feld - und der Hertha die große Ausgleichschance verwehrt.Drmic schnürt Doppelpack"Das war mutig vom Schiedsrichter, aber eine richtige Entscheidung", sagte Nürnbergs Josip Drmic, der so zum Matchwinner avancierte.Und Club-Coach Gertjan Verbeek meinte zu SPORT1: "Der Schiedsrichter hätte das auch anders entscheiden können. Ich verstehe schon die Aufregung der Hertha."Nachdem Markus Feulner (20.) die frühe Berliner Führung durch Ramos (4.) egalisiert hatte, machte Drmic mit seinen zwei Toren in der Schlussphase (68. und 90./Foulelfmeter) den zweiten Saisonsieg der Franken perfekt.So klangen die Tore bei SPORT1.fm[soundcloud url="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/132738242=false=false=true"]Club klettert auf Platz 15"Unser Sieg war angesichts der Situationen gegen Ende des Spiels glücklich. Aber aufgrund unserer kämpferischen Leistung haben wir uns die Punkte auch verdient", hielt Verbeek nach dem Schlusspfiff fest. Eine Woche nach dem erlösenden 4:0 gegen Hoffenheim verließ der Club erstmals seit dem siebten Spieltag die Abstiegsränge und sammelte wertvolles Selbstvertrauen für die weiteren Aufgaben in der Rückrunde (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).Hertha 2014 noch ohne PunktDie Hertha hingegen musste nur zwei Tage nach der Präsentation eines milliardenschweren neuen Finanzinvestors den nächsten Rückschlag im Kampf um die Europa-League-Plätze hinnehmen.Durch die zweite Niederlage in Serie und die siebte in der laufenden Saison insgesamt fiel der Hauptstadt-Klub vom siebten auf den achten Rang zurück - und bleibt im Jahr 2014 weiter ohne Punktgewinn."Ein Punkt wäre heute durchaus drin gewesen", sagte Coach Luhukay enttäuscht, fügte aber gleich hinzu: "Jetzt müssen wir uns ab morgen aufrichten."Schließlich wartet mit dem Auswärtsspiel beim krisengeschüttelten Hamburger SV am kommenden Samstag bereits die nächste pikante Aufgabe.