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Rick Goldmann analysiert die deutschen Olympia-Chancen
SPORT1-Kolumnist Rick Goldmann analysiert die Olympia-Chancen der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Picture Alliance/SPORT1
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München - Für SPORT1-Kolumnist Rick Goldmann ist das Fehlen der NHL-Profis bei Olympia eine Katastrophe. Der Modus bietet dem deutschen Team alle Chancen für eine Sensation.

Liebe Eishockey-Freunde,

nach der Enttäuschung mit dem Verpassen der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi ist das deutsche Eishockey wieder da, wo es hingehört: bei Olympia.

Die Mannschaft und Bundestrainer Marco Sturm haben sich die Teilnahme verdient, sie haben sich in einer schweren Quali-Gruppe durchgesetzt – dank harter Arbeit.

Auf diese Truppe setzt Sturm jetzt auch in Pyeongchang. Es sind viele verdiente, bewährte und damit erfahrene Kräfte im deutschen Kader – mit ein paar wenigen Ausnahmen: die NHL-Spieler.

Für den Eishockey-Sport ist es eine Katastrophe, dass die besten Spieler – und die sind nun mal in der NHL – nicht beim größten, wichtigsten und prestigeträchtigsten Turnier dabei sind.

Leider hat der kurzgedachte Kommerz der NHL über die Liebe zum Eishockey gesiegt! Das ist ein großer Verlust für unseren Sport, für die Aufmerksamkeit des Eishockeys, für die Spieler – und vor allem für die Fans.

Für das deutsche Team heißt es auch, auf wichtige Stützen zu verzichten. Denn bei den vergangenen Weltmeisterschaften haben wir gesehen, was mit einer mit NHL-Größen besetzten Defensive für unsere Mannschaft möglich ist. Die Torhüterleistungen waren in Russland 2016, in der Olympia-Quali und bei der Heim-WM 2017 herausragend.

Bei der Heim-WM kam mit Dennis Seidenberg noch der beste Verteidiger der WM hinzu. Und nicht zu vergessen: Mit Leon Draisaitl fehlt im Angriff einer, der im vergangenen Jahr die NHL aufgemischt hat.

Dadurch, dass die deutsche Mannschaft keine solche Tiefe an internationalen Top-Spielern hat, ist es sicher kein Vorteil, dass die NHL-Stars nicht dabei sind, auch wenn auch andere Nationen auf ihre besten Spieler verzichten müssen.

Dennoch: Es ist alles drin. Denn bei diesem Turnier hat die Mannschaft Zeit, sich einzuspielen. Und selbst ein vierter Platz in der Gruppe bedeutet nicht gleich das Aus. Dadurch, dass die Gruppenersten und der beste Gruppenzweite direkt für das Viertelfinale qualifiziert sind und die weiteren vier Plätze unter den verbliebenen acht Nationen ausgespielt werden, kann ein einziges Spiel für einen großen Triumph sorgen. Und das wäre die Viertelfinal-Teilnahme. Und wer weiß, was mit einem solchen Erfolg danach noch möglich ist.

Zu den Topfavoriten gehören dennoch andere Nationen. Wie zum Beispiel die Russen – oder wie auch immer man jetzt die Mannschaft nennen muss, darf, kann – sucht es euch aus.

Mit Kovaltschuk, Datsjuk, Schipaschiow hat das Team, das nur aus Spielern von SKA St. Petersburg, CSKA Moskau und Metallurg Magnitogorsk besteht, enorme Qualität. Im Gegensatz dazu sammeln die Kanadier ihre Mannschaft aus Spielern von allen Erdteilen zusammen.

Die Amerikaner schauen selbst in die DEL2, um einen Spieler für Olympia zu nominieren! Nichts gegen die DEL2, aber 2. Deutsche Liga und Olympiateilnehmer Eishockey für die USA?!

Aber Pyeongchang bietet sich diesmal auch für die auf ihre Nationalmannschaften so stolzen Kanadier und Amerikaner als große Bühne, Spieler einzusetzen, die sonst nie die Möglichkeit haben, ihr Land bei Olympia zu vertreten.

Einer, der diese Bühne auch nutzen kann, ist Rasmus Dahlin. Achtet mir auf diesen jungen Mann! Er gilt nicht umsonst als möglicher Nummer-1-Pick im kommenden NHL-Draft. Und wer weiß, ob wir ihn sehen würden, wenn bei den Schweden alle NHL-Verteidiger dabei wären.

Die Schweden haben aber auch trotz ihrer fehlenden NHL-Stars eine richtig starke Truppe beisammen. Sie können vier 20-Tore-Stürmer vorweisen, die ihre Treffer in der KHL, der Schweizer NLA und der heimischen schwedischen Liga erzielt haben.

Gegen diese Tre Kronor muss die deutsche Mannschaft ran. Aber wer weiß, vielleicht ist ja ein Wunder drin. Vielleicht erleben wir eines wie 1980 mit dem "Miracle on Ice", oder ein deutsches Wunder wie 1976 in Innsbruck. Träumen darf man ja mal!

Euer Rick

Rick Goldmann, 41, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft

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