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Calgary - Leon Draisaitl krönt seine NHL-Saison mit einem historischen Schlusspunkt. Damit tritt er in große Fußspuren. Sein Trainer prophezeit ihm eine große Zukunft.

Sein Klub verpasste ihm den Spitznamen "Deutschland Sniper", und Scharfschütze Leon Draisaitl wagte sich auch nach seinem Schuss ins Glück nicht aus der Deckung.

"Ich bin sehr zufrieden", sagte der deutsche Eishockey-Superstar nach seinem 50. Saisontor in der NHL wenig euphorisch: "Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich immer versucht, mein Spiel zu verbessern. Das tue ich jeden Tag."

Die harte Arbeit machte den gebürtigen Kölner zu einem der besten Eishockeyspieler seiner Generation, der im letzten Hauptrundenspiel in die Fußstapfen des Allergrößten getreten ist.

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In den Fußstapfen von Gretzky

Der 23-Jährige knackte mit seinem 1:0-Führungstreffer (11.) beim 3:1 bei den Calgary Flames als erster Spieler der Edmonton Oilers seit den legendären Wayne Gretzky und Jari Kurri (1986/87) die 50-Tore-Marke.

In den letzten zehn Jahren ist das insgesamt nur sechs NHL-Spielern gelungen. Mit der Überschrift "L50N" huldigten die Oilers auf ihrer Internetseite dem Jubilar.

"Die Jungs haben mich gesucht, und zum Glück ist einer durchgerutscht", sagte Draisaitl gewohnt bescheiden.

Draisaitl zeigt seine Klasse

Dabei hatte der Center bei seinem 50. Saisontor mal wieder seine ganze Klasse gezeigt. Mit einem Forecheck erzwang er den Fehlpass des Gegners, danach nahm er die Scheibe mit dem Rücken zum Tor wunderbar an, drehte sich blitzschnell und schloss mit einem strammen Rückhandschuss ab.

Nach seinem ersten Jubel schaute Draisaitl ungläubig auf den Videowürfel - fast so, als könne er es selbst nicht glauben. Und in der Tat ist die Leistungsexplosion, die der 2014 an Nummer drei gedraftete Nationalstürmer in dieser Saison erfahren hat, enorm.

In den vergangenen drei Jahren schoss Draisaitl "nur" jeweils rund halb so viele Tore, auch seine Scorerpunkte (105/Platz vier im NHL-Ranking) sind noch einmal ein Quantensprung im Vergleich zur Vergangenheit.

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Trainer schwärmt von Draisaitl

So dominant und erfolgreich wie Draisaitl trat in der besten Eishockeyliga der Welt noch nie ein deutscher Profi auf, und sein Trainer Ken Hitchcock sieht den 100-Kilo-Koloss für viele Jahre als NHL-Schwergewicht: "Wenn er seinen Weg weiter geht, dann wird er für eine lange Zeit ein außergewöhnlicher Spieler sein."

Für Draisaitl spricht zudem seine Teamfähigkeit. Auch wenn er in diesem Jahr Connor McDavid in der Tor-Statistik ausstach, sagte Draisaitl nach der Verletzung seines Kapitäns im letzten Saisonspiel: "Er ist unsere Leader, unser entscheidender Mann. Zu sehen, dass er verletzt ist, ist Mist." 

Die Maurice Richard Trophy für den besten Torschützen der NHL verpasste Draisaitl knapp. Der russische Ausnahmekönner Alexander Owetschkin von Stanley-Cup-Sieger Washington Capitals war um einen Treffer erfolgreicher. Doch das schmerzte Draisaitl weniger als das Verpassen der Playoffs mit den Oilers.

WM-Teilnahme? "Sieht sehr positiv aus"

Bundestrainer Toni Söderholm dürfte das frühe Saison-Aus seines besten Spielers jedoch mit einem lachenden Auge sehen. Erst dadurch bestehen überhaupt die Chancen auf einen Start des NHL-Stars bei der WM in der Slowakei (ab 10. Mai LIVE im TV auf SPORT1).

"Es sieht alles sehr positiv aus", hatte Söderholm nach einem Besuch in Nordamerika gesagt. Doch Draisaitl will die Achterbahn-Saison in den nächsten Tagen erst mal sacken lassen und sich danach entscheiden.

Die NHL-Saison ist auch für Draisaitls Klubkollegen Tobias Rieder sowie für Dominik Kahun (Chicago Blackhawks), Korbinian Holzer (Anaheim Ducks) und Nico Sturm (Minnesota Wild) beendet. Sie alle kommen damit theoretisch für die WM infrage.

Nationaltorhüter Philipp Grubauer trifft dagegen in den Playoffs mit den Colorado Avalanche auf Calgary. Die New York Islanders mit Tom Kühnhackl und Goalie Thomas Greiss messen sich in der ersten K.o.-Runde mit den Pittsburgh Penguins, mit denen Kühnhackl 2016 und 2017 den Stanley-Cup gewonnen hatte.

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