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München - München will im Rückspiel des CHL-Halbfinals den Final-Coup perfekt machen. Doch in Salzburg wartet eine schwierige Aufgabe. SPORT1 vergleicht beide Red-Bull-Klubs.

Es ist DER Tag! Der EHC Red Bull München kämpft darum, sein Eishockey-Märchen weiterzuschreiben.

Nach dem Eishockey-untypischen 0:0 im Hinspiel gegen den EC Red Bull Salzburg will der Meister Geschichte schreiben und als erstes deutsches Team ins Finale der Champions Hockey League einziehen. Einfach wird die Aufgabe gegen das Schwester-Team natürlich nicht, die Brause-Rivalität sorgt für zusätzlichen Zündstoff.

Vor dem Rückspiel (20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) macht SPORT1 den großen Vergleich der beiden Red-Bull-Klubs. (Spielplan der CHL)

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Die Trainer:

Wenn ein Eishockey-Trainer weiß, wie man Titel gewinnt, dann ist es EHC-Coach Don Jackson. Dreimal in Folge führte er die Münchner zum Titel in der DEL, fünfmal war er mit den Eisbären Berlin an der Spitze des deutschen Eishockeys. 2014 gewann er mit dem EC Red Bull Salzburg den Titel in der österreichischen Erste-Bank-Eishockey-Liga (EBEL).

Über 800 Mal stand er allein in der DEL als Trainer hinter der Bande. Als Spieler gewann er an der Seite von NHL-Legende Wayne Gretzky mit den Edmonton Oilers zweimal den Stanley Cup. Jackson hat im Eishockey bereits etliche Geschichten geschrieben - eine weitere könnte am Mittwoch dazu kommen.

Jacksons Gegenüber Greg Poss kann zwar nicht die Menge an Erfolgen nachweisen, aber dennoch verfügt der frühere deutsche Bundestrainer über einen ähnlich ausgeprägten Erfahrungsschatz. 2007 führte er die Adler Mannheim zum DEL-Titel, 2012 gewann er mit den Florida Everblades den Kelly Cup in der amerikanischen ECHL.

Poss gilt als akribisch arbeitender Trainer, der seine Systeme durchsetzen will.

Die Top-Stars:

Es war die Schock-Nachricht nach dem CHL-Halbfinalhinspiel. Münchens Top-Scorer John Mitchell fällt wegen einer Beinverletzung wochenlang aus. Doch auch ohne den Star-Spieler ist der EHC individuell sehr gut aufgestellt. In der CHL brillierten neben Mitchell besonders Trevor Parkes (zwölf Scorerpunkte) und Justin Shugg (acht Scorerpunkte).

In der Liga führen in Abwesenheit von Mitchell Mark Voakes (zehn Tore, 21 Assists) und Maximilian Kastner (13 Tore, 16 Assists) die Scorerliste an. Dazu haben die Münchner noch den langjährigen NHL-Profi Matt Stajan sowie den ehemaligen Nationalmannschafts-Kapitän Michael Wolf und Olympia-Held Yannic Seidenberg in ihren Reihen.

Eishockey, DEL: EHC Red Bull München mehrere Wochen ohne John Mitchell
John Mitchell (l.) steht München vorerst nicht zur Verfügung © Getty Images

Bei den Salzburgern werden wieder alle Augen auf die beiden Top-Scorer Brant Harris und John Hughes (je neun Scorerpunkte) gerichtet sein. Zudem muss in dieser Hinsicht noch Thomas Raffl, der die Fans im Hinspiel schon mit seinem unfassbaren Stickhandling beeindruckte, genannt werden.

Die Torhüter:

Der eigentliche Star im Team der Salzburger ist aber Torhüter Steve Michalek, der im Hinspiel schon mit spektakulären Aktionen großen Anteil am 0:0 hatte und die Münchner mit 29 Paraden zur Verzweiflung brachte. Der US-Amerikaner steht mit seiner Mega-Fangquote von 93,55 Prozent nicht zu Unrecht im Finale (Top 3) der MVP-Wahl.

Auf Seiten der Münchner glänzt Olympia-Held Danny aus den Birken zwischen den Pfosten. Auch seine Save-Percentage von 92,95 kann sich in der CHL mehr als sehen lassen.

Die Etats:

Salzburg ist die Zentrale des weltweit agierenden und in der Sportwelt durchaus umstrittenen Brause-Konzerns von Dietrich Mateschitz. Dennoch haben finanziell die bayerischen Bullen mehr Möglichkeiten als das Schwester-Team. Der EHC hat ein Jahresbudget von rund 12,5 Millionen Euro, während Salzburg mit etwa 7,5 Millionen Euro auskommen muss.

Die aktuelle Form:

In der Liga ist der EC Red Bull Salzburg nach zwei Niederlagen zum Jahresauftakt wieder in der Spur. Am Sonntag wurde ein klarer 6:1-Sieg gegen die Black Wings Linz eingefahren. Dennoch liegt Salzburg nur auf Rang vier in der Liga, verfügt nach 37 Spielen aber über die beste Offensive.

Der deutsche Serienmeister EHC Red Bull München liegt in der DEL auf dem zweiten Rang hinter den Adler Mannheim. Gegen die Adler setzte es vor über drei Wochen auch die letzte Niederlage nach 60 Minuten. In den vergangenen neun Spielen punktete der EHC jeweils und ging dabei siebenmal als Sieger vom Platz - zuletzt zweimal mit 5:2 gegen die Düsseldorfer EG (Sonntag) und die Krefeld Pinguine (Freitag).

Neun verschiedene Spieler durften sich dabei in die Torschützenliste eintragen - München scheint also ohne Superstar Mitchell noch schwerer auszurechnen.

Eines ist also klar: Im Rückspiel werden Tore zwingend fallen - wie das geht, haben beide Mannschaften am Wochenende eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Die Performance im Hinspiel:

Ein unheimlich intensives und rassiges Hinspiel bekamen die 6.142 Zuschauer in der ausverkauften Olympia-Eissporthalle zu sehen. "Es ist ein Sechs-Drittel-Spiel", sagte EHC-Coach Jackson. "Salzburg hatte einen starken Start, wir waren etwas nervös. Später haben wir uns dann gesteigert, aber nächsten Mittwoch müssen wir von Anfang an bereit sein."

Gegen die disziplinierten Salzburger rannten sich die Münchner ein ums andere Mal fest, dem Jackson-Team fehlte die entscheidende Inspiration und letztlich auch die Konsequenz im Abschluss. Glück hatten die Münchner im Prestigeduell Deutschland gegen Österreich, dass Salzburgs Alexander Pallestrang (47.) nur den Pfosten traf.

Fans:

Rund 600 Fans fanden im Hinspiel nach offiziellen Angaben den Weg aus Salzburg an die Isar. Inoffiziell dürfte die Zahl jedoch deutlich drüber liegen. Nicht weniger Anhänger werden die Münchner am Mittwoch in die Mozartstadt begleiten. Die Fans der beiden Mannschaften bescherten dem CHL-Halbfinale schon im Hinspiel einen würdigen Rahmen.

Von einem Vorteil wollte Münchens Stürmer Frank Mauer aber sowieso nichts wissen: "Da ist es egal, wo das ist - in Timbuktu oder Salzburg, wir wollen gewinnen."

Fazit:

Es wird eine harte Nuss für die Münchner, die aber schon gezeigt haben, dass sie in Rückspielen aufdrehen können. Im Achtelfinale gegen Zug hatten die bayerischen Bullen sogar ihr Heimspiel verloren und kamen noch weiter.

Don Jackson wird sich auch diesmal einen Plan zurechtgelegt haben. Der Schlüssel wird die Chancenverwertung. Wenn sie den Bann gegen Salzburgs Super-Goalie brechen, wird es mit dem historischen Finale klappen.

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