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Rick Goldmann lobt die Arbeit des EHC Red Bull München
Rick Goldmann lobt die Arbeit des EHC Red Bull München © SPORT1-Grafik: Getty Images
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München - Der EHC Red Bull München setzt sich in einer epischen Finalserie der DEL durch. SPORT1-Rick Goldmann analysiert die Erfolgsfaktoren und lobt auch die Eisbären Berlin.

Liebe Eishockey-Freunde,

wow, wow, wow! Was war das für eine Finalserie! Ausgereizt bis zum Äußersten mit Spiel sieben. Und was für Spiele es waren, Wahnsinn! Das ist es, was unseren Sport so groß macht. Das Duell zweier Teams auf allerhöchstem Niveau mit einer unglaublichen Intensität, Spannung, Härte, höchstem Speed und alles, was uns so begeistert. Ein stetes Auf und Ab der Gefühle auf beiden Seiten.

Sieben Finalspiele mit Rekorden, mit nie Gesehenem, mit Geschichtsträchtigem ... einfach #geilsteZeit. Das, was wir uns erwünscht, was wir uns erhofft hatten. Und ein siebtes Finale, das gefühlt noch einmal die ganze Dramaturgie dieser Serie wiedergegeben hat. Mit der Eisbären-Führung, der Wendung zu Gunsten Münchens, dem am Ende doch abgezockten Spiel der Münchner.

Wir haben Geschichte erleben dürfen. Der EHC Red Bull München ist nun wieder Deutscher Meister. Zum dritten Mal in Folge. Herzlichen Glückwunsch. Glückwunsch, Gratulation und vor allem ein großes Danke auch an die Eisbären Berlin.

München im Meisterrausch! Vier Tore in sechs Minuten

Sie haben das geschafft, was viele ihnen nicht zugetraut haben: München an den Rand der Niederlage in einer Best-of-Seven-Serie zu bringen.

Es beweist aber auch, dass der Weg, den die Eisbären eingeschlagen haben, der richtige ist. Die Mannschaft hat sich seit der Übernahme von Uwe Krupp als Coach kontinuierlich gesteigert. Vom Viertelfinale 2016 über das Halbfinale 2017 nun ins Finale. Sie haben in ihr Spiel eine Konstanz hineinbekommen und es ist auch spielerisch schön anzuschauen, was Berlin unter Krupp spielt.

Wenn wir auf die Mannschaft schauen, stechen Nick Petersen, Louis-Marc Aubry, Frank Hördler und Jonas Müller heraus. Und genau dieses Quartett beschreibt den funktionalen Umbruch, der stattgefunden hat, der erfolgreich war. Die Mischung aus alten Mannschaftsteilen mit jungen Nachwuchsspielern, DEL-Etablierten und Nordamerika-Importen.

Hördler gehört immer noch zu den besten Verteidigern, die die DEL zu bieten hat, steht aber auch ein bisschen für die alten, erfolgreichen Eisbären, Jonas Müller dagegen für die neuen Eisbären, die aufstrebenden, für das was noch in den Eisbären steckt. Petersen blüht in Berlin so richtig auf, nachdem er sich bereits in Schwenningen und Iserlohn ins Rampenlicht gespielt hatte, und Aubry hat sich nach seinem Wechsel aus Nordamerika in die DEL im zweiten Jahr noch einmal enorm gesteigert.

Einen ähnlichen Weg geht ja auch der alte und neue Meister EHC Red Bull München. Diese Mannschaft gehört mit dem dritten Titel in drei Jahren zu den besten der DEL-Historie. Nur die Adler Mannheim und Eisbären Berlin haben das gleiche Kunststück geschafft wie diese Münchner. Eine Mannschaft, die so gut wie keine Schwäche hat, und wenn ein Teil dieser Mannschaft Schwächen aufweist, ist der andere Teil da, um diese Schwächen aufzufangen.

Kein Team war und ist so ausgeglichen stark besetzt wie der EHC. Und wenn wir uns die Hauptrunde und die drei Serien in den Playoffs ansehen, wird genau das deutlich. Die überragenden Leistungen der Reihe um Keith Aucoin und Brooks Macek in den 52 Hauptrunden-Spielen, gegen Bremerhaven tritt dann die Mauer-Kahun-Reihe in den Mittelpunkt. Für das Weiterkommen gegen die Adler sind dann die Oldies Wolf und Jaffray verantwortlich - und in den Finals übernimmt dann die Arbeiter-Reihe Kastner-Flaake-Matsumoto. Und Aucoin und Macek liefern ebenfalls ab.

Kommen wir kurz auf Jon Matsumoto. Er hat in den Finalserien Historisches geleistet. Kein Spieler hat zuvor so viele Punkte in Endspielen erzielt wie der Münchner Stürmer: zwölf. Der erste, der es zweistellig geschafft hat, der eine 23 Jahre alte Bestmarke geknackt hat. Und: Er hat in sechs der sieben Spiele ein Tor erzielt. (Alle Ergebnisse der DEL-Playoffs)

Das Besondere dabei: Matsumoto ist beim EHC ein Vierte-Reihe-Stürmer. Einer fürs Grobe, ein Arbeiter, ein Zerstörer. Obwohl das eigentlich nicht sein Anspruch ist. Aber er hat seinen Job in der vierten Reihe tadellos erfüllt, hat sich nie beschwert. Wir haben nie etwas gehört, dass er mit seiner Situation nicht zufrieden wäre. Wenn er das war, hat er es intern gehalten. Stattdessen hat er Leistung gezeigt. Das ist vorbildlich.

Einer, der daran großen Anteil hat, ist Trainer Don Jackson. Jackson hat einfach ein Händchen, weiß wie er einen Spieler wie Matsumoto, wie er seine Spieler anpacken muss, wie er sie fordert und fördert. Das Gefüge in der Mannschaft passt einfach. Sie ist in sich gewachsen und nicht umsonst - mit wenigen Änderungen - seit drei Jahren so erfolgreich.

Dieser Erfolg der Münchner ist umso höher einzuschätzen, wenn wir daran denken, dass sieben Olympia-Helden in diesem Team sind, sie nach diesem Erfolg nie eine Schwäche gezeigt haben. Die Jungs sehnen sich jetzt bestimmt nach Urlaub, aber ich glaube auch, sie könnten jetzt noch weiterspielen und weiter Erfolge einfahren.

Und das dürfen wir uns für die WM wünschen, die ja auch nicht mehr lange hin ist. Es war eine herausragende, eine außergewöhnliche DEL-Saison 2017/18 mit einem verdienten, einem historischen Meister EHC Red Bull München.

Aber die Eishockey-Saison ist noch nicht zu Ende. Und ich wünsche uns einen ähnlich großartigen Abschluss. Bis zur WM! (Spielplan der Eishockey-WM 2018)

Euer Rick

Rick Goldmann, 42, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft.

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