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München - Als Anfang August bei Düsseldorfs Alexander Sulzer ein Tumor entdeckt wird, fällt er aus allen Wolken. Im Podcast "DIE EISHOCKEY-SHOW" erinnert er sich emotional.

Ein großer Tumor, in unmittelbarer Nähe der Halswirbelsäule.

Als Alexander Sulzer Anfang August die Nachricht erhält, bricht für den 35-Jährigen eine Welt zusammen.

"Ich war beim Radiologen und der hat das Wort Tumor verwendet, dann habe ich erstmal gar nichts mehr gehört. Ich musste ihn nach ein oder zwei Minuten bitten, dass er noch einmal von vorne anfängt, weil ich in der ersten Sekunde gedacht habe: Scheiße, jetzt stirbst du", erinnert sich der Eishockey-Spieler im Podcast "DIE EISHOCKEY-SHOW powered by SPORT1". (DEL: Augsburger Panther - EHC Red Bull München, ab 19 Uhr bei SPORT1 im Free-TV, Livestream und LIVETICKER).

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Wenige Tage zuvor hatte der DEL-Profi von der Düsseldorfer EG im Training einen Schlag auf den Rücken bekommen. "Dann hat mein Arm angefangen zu kribbeln, die Schulter hat wehgetan, meine Finger sind taub geworden", erklärt Sulzer. Nur mit Schmerzmitteln konnte der ehemalige NHL-Verteidiger weiter trainieren, nach drei Tagen suchte er den Mannschaftsarzt auf. Dieser vermutete einen Bandscheibenvorfall und schickte ihn zu einem Spezialisten.

Tumor schon jahrelang vorhanden

"Nach zehn Minuten haben sie mich wieder aus dem MRT geholt und gesagt: Wir müssten Ihnen noch einmal Kontrastmittel spritzen, es gibt da etwas, wo wir uns nicht ganz sicher sind. Da habe ich mir schon gedacht: Ach du meine Güte."

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Nach den "längsten zehn Minuten in meinem Leben" bekam Sulzer dann die schlimme Diagnose übermittelt. "Man hat einen gutartigen Tumor an der Halswirbelsäule gefunden, der ist im Spinalkanal an den Nervenbahnen gelegen und hat auf das Rückenmark gedrückt - anscheinend schon mehrere Jahre, so groß, wie er schon war." (Der DEL-Spielplan)

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Sulzer hatte jedoch Glück im Unglück: Unmittelbar nach der Diagnose wurde ihm mitgeteilt, dass der Tumor "zwischen 95 und 99 Prozent gutartig" sei und man ihn lediglich entfernen und die Stelle verheilen müsse.

Sulzer drohte Querschnittslähmung

Nachdem Düsseldorf die Nachricht von seiner Erkrankung verbreitet hatte, brach eine Welle an Genesungswünschen herein. Zahlreiche Teams, Kollegen und Fans wünschen dem Routinier seither  gute Besserung.

Zu diesem Zeitpunkt stand für Sulzer allerdings noch ein schwerer Schritt bevor. Bei der Operation bestand ein kleines Risiko von "unter einem Prozent", dass das Rückenmark des gebürtigen Kaufbeurers nachhaltig geschädigt werden könnte.

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"Das ist schon kein schönes Gefühl. Ich hatte schon mehrere Operationen, sei es Kreuzband, Knorpelschaden oder Schulter. Da habe ich mir nie Sorgen gemacht, aber ich müsste lügen, wenn ich sage, dass mir nicht ein bisschen mulmig war zuvor."

"An den Nacken darf keiner ran"

Dabei hatte Sulzer gar keine andere Wahl. "Der Tumor hat schon auf das Rückenmark gedrückt. Wenn man das nicht entdeckt hätte, dann wäre ich innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre wegen des Tumor-Wachstums vom Hals abwärts querschnittsgelähmt gewesen."

Die Operation Ende August verlief erfolgreich, dennoch ist an eine Rückkehr ins Training noch lange nicht zu denken. "An den Nacken darf keiner ran. Aktuell wird nur die Muskulatur außen herum gepflegt und gelockert. (…) Meine komplette Nackenmuskulaur wurde bei der OP durchtrennt und anschließend wieder zusammengenäht. Das dauert mehrere Wochen oder Monate, bis ich so weit bin, dass ich sie wieder belasten kann", sagte Sulzer im Podcast.

Sulzer war erst in diesem Sommer nach Düsseldorf zurückgekehrt. Zuletzt spielte er für den Erzrivalen Kölner Haie.

Sulzer hofft auf Comeback

Auch psychologisch stellte die Erkrankung einen großen Einschnitt in seinem Leben dar. "Man verteilt die Prioritäten anders und auch die Sachen, über die man sich vorher vielleicht auf dem Eis aufregt, scheinen dann auf einmal gar nicht mehr so wichtig."

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Allerdings legt Sulzer Wert darauf, dass er nicht sein komplettes Leben auf den Kopf gestellt habe. "Ich bin immer noch der Alte, ich bin immer noch von Beruf Eishockey-Spieler, ich möchte unbedingt wieder Eishockey spielen. Dahingehend hat sich nichts verändert."

Den DEL-Saisonstart am Freitag wird er noch von außen verfolgen, dennoch ist ein Comeback in dieser Saison realistisch. Als Sulzer vor einigen Wochen die Diagnose hörte, war daran nicht einmal im Traum zu denken.

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