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Thomas Popiesch (Fischtown Pinguins)
Thomas Popiesch führte die Fischtown Pinguins zu einem Traumstart in die DEL-Saison © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Imago/Picture Alliance/iStock
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München - Die Fischtown Penguins liegen nach zwei DEL-Spieltage an der Tabellenspitze. Im SPORT1-Eishockey-Podcast spricht Thomas Popiesch über den Saisonstart.

In Bremerhaven reiben sich sich noch immer die Augen, wenn sie aktuell auf die Tabelle der DEL schauen. 

Dort grüßen die Fischtown Pinguins ungeschlagen und ohne Gegentreffer von der Tabellenspitze. Zwar sind bislang lediglich zwei Partien absolviert, der starke Saisonstart der Bremerhavener aber überrascht trotzdem. (DEL: EHC Red Bull München - Eisbären Berlin am Sonntag ab 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

Im SPORT1-Eishockey-Podcast DieEishockeyShow mit Rick Goldmann, Basti Schwede und Sascha Bandermann spricht Fischtown-Coach Thomas Popiesch über die bisherigen Spiele, die zukünftige Ausrichtung in Bremerhaven und erklärt, warum in seinem Team kein in Deutschland ausgebildeter Spieler steht.

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SPORT1: Herr Popiesch, Glückwunsch zur Tabellenführung. Sie sagten nach dem tollen Start, dass Sie sich nicht erinnern könnten, mal ein Wochenende ohne Gegentor überstanden zu haben. Ist Ihre Mannschaft schon ein Stückchen zu weit? 

Thomas Popiesch: Nein, nein! Wenn wir uns beide Spiele genauer anschauen, dann sieht man, dass es zwei sehr enge Spiele waren. Gerade auch gegen Düsseldorf hätte es in beide Richtungen gehen können. Es waren zwei starke Torhüter und vor allem im ersten Spiel auch zwei Teams, die sehr viel Wert auf Defensive gelegt haben. Womöglich war auch die Eisqualität nicht so da, damit das Offensivspiele immer weiter vorangetrieben werden konnte. Das Ergebnis in Berlin täuscht doch ein wenig, denn gerade im ersten Drittel hatten die Eisbären auch ein paar Chancen erarbeitet. Aber wir haben gut gestanden, haben die Dinge, die wir vor dem Spiel angesprochen haben, gut umgesetzt. Zudem haben wir in den entscheidenden Momenten die Tore gemacht. 

Bremerhaven: "Augsburg zeigt, was immer mal wieder möglich ist"

SPORT1: Wie haben Sie die ganzen Neuzugänge so schnell ins Team integriert?

Popiesch: Das ist manchmal auch eine glückliche Fügung. In der vergangene Saison dachten wir auch, dass Verlic besser mit Friesen harmoniert. Aber das kam anders. Diese Eindrücke haben wir jetzt in die neue Spielzeit mitgenommen. Wir versuchen besonders geradlinig zu spielen, die Jungs in der Offensive müssen da viel kommunizieren. Unser Plan ist es, defensiv stabil zu stehen, in der neutralen Zone die Räume eng zu machen und die offensiven Spieler dann ihre Kreativität ausleben. Wir haben sehr viele eingespielte Pärchen. Wir favorisieren dieses System.

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SPORT1: Wir bewerten Sie nach drei Jahren in der DEL Ihre Arbeit und wie wird diese wahrgenommen?

Popiesch: Im ersten Jahr wussten wir ja selbst nicht, wo wir stehen. Wir hatten unzählige Neuzugänge. Da kamen wir über die Emotionen und konnten sehr gut mit dem Image leben, das Team zu sein, welches sowieso als erstes absteigen wird. Uns wurde eigentlich prophezeit, dass das zweite Jahr das schwierige ist. Doch da hatten wir dann Spieler, die gemerkt hatten, dass sie in der Liga bestehen können. Inzwischen werden wir schon als Eishockey-Standort wahrgenommen. Wir werden weiter mit den unteren Mannschaften konkurrieren. Die Voraussetzungen werden sich nicht ändern. Wir werden finanziell nicht mit Mannheim, München oder den Eisbären konkurrieren können. Aber Augsburg und Iserlohn haben in der Vergangenheit gezeigt, was immer mal wieder möglich ist. Unser Ziel ist es, eine stabile Mannschaft aufs Eis zu bringen, die auch in den kommenden Jahren nichts mit dem Abstieg zu tun hat.

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SPORT1: Ist es ein Vorteil, dass Ihr Team schon derart gefestigt ist?

Popiesch: Das ist die eine Sache, aber es ist auch wichtig, dass der Kern der Mannschaft gewisse Werte vorgibt. Die Neuzugänge müssen wissen, dass hier nur das Team im Vordergrund steht. Ein wichtiger Teil ist dabei Mike Moore, der die Kabine absolut im Griff hat und dem einen oder anderen Spieler auf den richtigen Weg gebracht hat. 

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"Der einzige Weg, wie wir überleben können"

SPORT1: Wenn wir über Bremerhaven reden, kommt auch immer wieder das Thema auf, dass dort wenige in Deutschland ausgebildete Akteure spielen, aber der einzige deutsche Trainer in der DEL tätig ist...

Popiesch: Ich kann verstehen, dass viele Leute es kritischen sehen, dass bei uns die meisten Spieler Eishockeyspielen nicht in Deutschland gelernt haben. Aber es ist der einzige Weg zur Zeit, wie wir überleben können. Hier oben im Norden gibt’s im Umfeld von 150 bis 200 Kilometern von Bremerhaven keinen Nachwuchsverein und somit keine Nachwuchsspieler. Ich habe hier keine 17- oder 18-Jährigen, die ich in mein Team holen kann. Da hat zum Beispiel das Ruhrgebiet mit seinen DEL- oder DEL2-Vereinen bessere Voraussetzungen. Dass ich der einzige deutsche Trainer bin, ist mir persönlich nicht wichtig. Die Trainer, die in der Liga arbeiten, haben ja zehn, 15 oder 20 Jahre bereits in Deutschland gespielt und gearbeitet. Ich denke, es kommt eher auf die Qualität drauf an. Wir können ja auch von Coaches aus Skandinavien oder Nordamerika lernen – und es macht unseren Eishockey in Deutschland besser.  

SPORT1: Passen Sie von ihrer Persönlichkeit perfekt zu solch einem Underdog-Team? 

Popiesch: Ich habe es lieber längerfristig, aber meist hat man darauf keinen Einfluss. Es kam zuletzt ja die Diskussion auf, ob man als Trainer nicht mal höher kommen muss. Grundsätzlich möchte ich irgendwo arbeiten, wo ich Spaße habe, Vertrauen in mein Umfeld habe und wo ein gutes Arbeitsklima herrscht. Es gibt Trainer, die verfolgen andere Ziele. Die sagen, sie wollen zu einem DEL-Team, anschließend muss es zu einem Top-Team gehen und danach vielleicht - siehe Sturm - vielleicht in die NHL. Diesen Weg kann ja jeder so gehen, aber da sollte jeder seine eigene Philosophie gehen. Meine ist der Wohlfühlfaktor und die ist gerade gegeben. Mir tut es ganz gut, wenn ich hier bleibe und noch ein bisschen lerne. Wir als Trainer rennen acht, neun Monate in unserem eigenen System umher und bekommen wenig Qualitätseinflüsse von außen. So tut es gut, wenn mal ein neuer Co-Trainer kommt. 

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SPORT1: Hand aufs Herz: Haben Sie die Tabelle ausgedruckt und in die Kabine gehängt? 

Popiesch: (lacht) Also ich werde die Tabelle nicht ausdrucken und aufhängen. Für uns ist es natürlich ein gutes Gefühl, aber wir wissen alle, dass die Tabellen nach zwei Spieltagen noch keine Aussagekraft hat. Aber allein für die Leute hier in Bremerhaven ist das eine tolle Sache – auch wenn es vielleicht nur für eine Woche ist. Für die Jungs hier ist es klasse, wenn sie in der Stadt unterwegs sind und die Leute ihnen auf die Schulter klopfen.

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