vergrößernverkleinern
Stefan Loibl von den Straubing Tigers
Stefan Loibl (r.) wechselt 2020 von den Straubing Tigers zu den Adlern Mannheim © Imago
Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Die Straubing Tigers sind das Überraschungsteam der ersten DEL-Wochen. Sogar München schlägt der Provinzverein. Das Erfolgsrezept ist simpel.

Nach dem nächsten Favoritensturz machten die Straubinger Eishockey-Überflieger vergnügt die Raupe. (Ausgewählte DEL-Spiele LIVE im TV auf SPORT1)

Angeführt von Nationalspieler Benedikt Schopper feierte der erstaunliche Außenseiter unter dem rhythmischen Beifall seiner Fans den 5:1-Coup gegen den bisher ungeschlagenen Tabellenführer EHC Red Bull München.

"Da gehst du mit einem großen Grinsen nach Hause", freute sich Sportdirektor Jason Dunham in seinem erfrischenden bayerisch-kanadischen Sprachmix.

Anzeige

Straubing Tigers bescheiden: "Nur eine Momentaufnahme"

Das Grinsen, womöglich gar ein diebisches, vergeht den Tigers aus der niederbayerischen Kleinstadt schon seit einer ganzen Weile nicht, beendete das Team von Trainer Tom Pokel doch nicht nur die Münchner Rekordserie von elf Siegen seit Saisonbeginn.

Vier Tage zuvor schlug Straubing bereits Titelverteidiger Adler Mannheim (3:1). "Das ist nur eine Momentaufnahme", mahnte Dunham gleichwohl, "wir haben nur zwölf Spiele gespielt. Ich bin vorsichtig, ich weiß genau, wie schnell es in die andere Richtung geht."

Alle Spiele der Deutschen Eishockey Liga live bei MAGENTA SPORT! | ANZEIGE

Aber stolz, das kann und will der frühere Flügelstürmer nicht verbergen, sind sie schon auf das, was in der gut 45.000 Einwohner fassenden Stadt rund um das Eisstadion am Pulverturm entstanden ist. Dunham hebt die Wohlfühl-Atmosphäre hervor, die Lebensqualität, die so manchen Spieler länger hält, als es die finanziellen Voraussetzungen eigentlich zulassen. "Wir versuchen, es ihnen so gemütlich wie möglich zu machen. Happy wife, happy life", sagte Dunham schmunzelnd.

Straubing hat es nicht zuletzt mit einem offensiv ausgerichteten, attraktiven Stil geschafft, auch für deutsche Spieler mit Perspektive eine lohnenswerte Adresse zu sein. Lokalmatador Stefan Loibl entwickelte sich zum Nationalspieler, der 23-Jährige wird zur Saison 2020/21 den Schritt nach Mannheim gehen.

Stefan Loibl erklärt Straubings Traumstart

"Wir haben nicht viele neue Spieler dazubekommen, was uns für den Start natürlich geholfen hat. Jeder hat gleich gewusst, wie wir spielen wollen und um was es geht", erklärte Loibl im SPORT1-Podcast "DIE EISHOCKEY SHOW powered by SPORT1" Straubings Erfolgsrezept.

Er ergänzte: "Man hat auch schon in der Vorbereitung gesehen, dass wir wirklich eine gute Truppe haben und gespürt, dass wir hungrig sind und mehr erreichen wollen als im Vorjahr. So ein Start ist natürlich mental für die Mannschaft sehr gut. Dadurch sind wir dann in einen Flow reingekommen."

Der "Straubinger Junge" (Dunham) Loibl ist das Vorbild für andere wie DEL-Neuling Tim Brunnhuber, der gegen München das 2:0 (23.) erzielte. "Wir können Junge genauso ausbilden wie die Großen, wenn nicht besser", erklärte Dunham.

"Gewinnen macht Spaß"

Besser, weil der Kader aus finanziellen Gründen in Straubing nicht so üppig besetzt ist wie in München oder Mannheim und junge Spieler deshalb schneller zu mehr Spielzeit kommen. Etwa sechs Millionen Euro beträgt der Gesamtetat in der Stadt des bekannten Gäubodenfestes - weniger als die Hälfte dessen, was die Großklubs ausgeben können. Umso wichtiger ist eine umsichtige Personalpolitik, sind sogenannte weiche Faktoren.

Jetzt aktuelle Eishockey-Fanartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

Ohne Abende wie jenen am Donnerstag gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz aus der nicht allzu fernen Landeshauptstadt nützt jedoch auch der Kleinstadtcharme nichts. "Du musst gewinnen, Gewinnen macht Spaß", sagte Dunham.

Meistgelesene Artikel

Münchens Olympia-Silberheld Yasin Ehliz zollte "großen Respekt an Straubing", während Tigers-Kapitän Sandro Schönberger bei Magenta Sport die "beste Saisonleistung" seiner Mannschaft lobte. An der gewohnten Kräfteverteilung in der Liga wird sich nach Dunhams Ansicht zwar nicht viel verändern, zu groß ist die Substanz in Mannheim oder München.

Die Raupe werden die Straubinger ihren Fans aber sicher noch öfter zeigen.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image