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Mit Großbritannien wartet auf Deutschland zum Auftakt der Eishockey-WM (ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) ein echter Exot mit ruhmreicher Vergangenheit.

Großbritannien und Eishockey? Selbst auf der Insel runzeln viele Sportfans bei dieser Kombination die Stirn.

Dass ein britisches Team nach 25 Jahren Abstinenz wieder an einer Eishockey-WM teilnimmt und am Samstag (Eishockey-WM: Deutschland - Großbritannien ab 16 Uhr LIVE im TV und STREAM) im slowakischen Kosice Auftaktgegner der deutschen Mannschaft ist, wissen die wenigsten Briten.

In den britischen Zeitungen dominieren in diesen Tagen die Schlagzeilen von den heroischen Europacup-Abenden im Fußball. Eishockey findet - wenn überhaupt - als kleine Randnotiz statt. Kein Wunder, über zweieinhalb Jahrzehnte war Großbritanniens Eishockey in der Zweit- und gar Drittklassigkeit versunken. Dabei war das Königreich im Spiel mit dem Puck einmal weltklasse.

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Bei den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen holte Großbritannien die Goldmedaille und sicherte sich zugleich den WM- und EM-Titel. Gewonnen wurde unter anderem gegen die Eishockey-Großmächte Kanada und Schweden. Heute ist das völlig illusorisch, Großbritannien kehrt als krasser Außenseiter auf die große Eishockey-Bühne zurück. Die Vorfreude ist trotzdem riesig.

"Solche Leute sind die Messis und Ronaldos im Eishockey"

"Wir sind angekommen, und da läuft als erstes Patrick Kane an mir vorbei. Solche Leute sind die Messis und Ronaldos im Eishockey, das ist der Wahnsinn", sagte Stürmer Joseph Lewis, der in der DEL2 beim ESV Kaufbeuren unter Vertrag steht: "Wir wollen das alles genießen." 

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Mit dem Genuss dürfte es aber schnell vorbei sein, sollten Stars wie US-Kapitän Kane ernst machen. Dann könnte das Abenteuer für die Briten zu einem Albtraum werden - selbst gegen Deutschland. "Wir haben keinen Leon Draisaitl", sagte Lewis, "Charakter ist ein absolutes Muss bei uns. Wir dürfen nicht auseinanderbrechen, auch dann, wenn es nicht läuft."

Großbritannien will Wunder vollbringen

Wenn die britischen Eishockeyspieler in den vergangenen zwei Jahren eines bewiesen haben, dann ist es Charakter. Keiner hatte sie 2017 auf der Rechnung, als sie von der B- in die A-Gruppe der 1. Division aufstiegen. Der Sprung zur A-WM ein Jahr später war noch sensationeller. "Dare to dream" lautete damals das Team-Motto - und auch im Konzert der Großen lassen sich die Briten das Träumen nicht verbieten. Der Weltranglisten-22., bei dem Torhüter Ben Bowns und Rekordtorschütze Colin Shields die Schlüsselspieler sind, will mit dem Klassenerhalt ein kleines Eishockey-Wunder vollbringen.

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Helfen könnte, dass das Team für die etablierten Eishockeynationen eine große Unbekannte ist. Auch Deutschlands Kapitän Moritz Müller gab zu, nur sehr wenig über den ersten Gruppengegner zu wissen. "Ich habe mit Köln mal ein Vorbereitungsspiel in Nottingham gemacht. Ich erinnere mich, dass es sehr hartes Eishockey war, sehr nordamerikanisch geprägt", sagte der Verteidiger: "Ich erwarte eine körperlich harte Partie."

Bei Deutschlands letztem WM-Duell gegen Großbritannien 1994 gewann die DEB-Auswahl 4:0. Mit dabei waren unter anderem Tobias Abstreiter, heutiger Assistent von Bundestrainer Toni Söderholm, und Andreas Niederberger, Vater von Torhüter Mathias Niederberger. Die Briten stiegen am Ende ab und verloren für viele Jahre den Anschluss.

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