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Andreas Schaetzke ist Mitgründer der eSports-Kultorganisation PENTA Sports © PENTA Sports
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Berlin - Im SPORT1-Interview spricht Andreas Schaetzke, der Mitgründer von PENTA Sports, über die Gründung des ESDB und die Entwicklung des eSports in Deutschland.

SPORT1: Mit dem ESBD eine wichtige Institution für den eSports in Deutschland ins Leben gerufen. Wie hast du die Gründung wahrgenommen?

Andreas Schaetzke: Wir haben die Gründung seit vielen Monaten über verschiedene Gruppen und Kanäle wahrgenommen. Die Verantwortlichen hinter der Gründung des Verbandes kamen auf PENTA und meine Person im Frühjahr zu. Die Gründung haben wir danach aufmerksam verfolgt und unser CCO Hendrik Goetzendorff war ebenfalls repräsentativ für PENTA Sports in Frankfurt vor Ort.

SPORT1: Was kann so eine Institution wie der ESBD im Bezug auf die Anerkennung von eSports in Deutschland ändern?

Andreas Schaetzke: Im Allgemeinen ist der ESBD eine Institution, welche als Ansprechpartner vom Olympischen Sportbund oder weiteren Gremien bzw. Institutionen, Parteien in Deutschland wahrgenommen werden kann. Denn Fakt ist, dass wir in Deutschland, Europa – sogar weltweit – hierbei einen absoluten Missstand in der strukturellen Entwicklung des Esports haben. Dies kann man auch gar nicht zu sehr ankreiden, da einfach 17 Jahre Esports, von denen die ersten 12 Jahre noch starke "Gründerjahre" bzw. Entwicklungsjahre waren, nicht ausreichten, um solche Strukturen hervorzubringen. D.h. wir haben einen ganz natürlichen Prozess, aus welchem nun der ESBD hervorgeht.

SPORT1: Als Kult-Organisation in Deutschland ist PENTA noch kein Teil des Verbandes, wie sieht hier die Zukunft aus?

Andreas Schaetzke: Für uns ist klar, dass wir gemeinsam mit den Präsidenten, den Vereinen und weiteren Gremien des ESBD, eine Zukunft für den deutschen und zentraleuropäischen Esport gemeinsam formen können. Wir möchten  erstmal das ganze Konzept und Gebilde – wie auch andere große Teams (bspw. mousesports oder SK Gaming) – analysieren und somit abwarten. Für PENTA ist wichtig, dass auch ein Fokus auf das Business Development, Vermarktungsstrukturen, sowie Lizensierung – aber auch ein Modell einer richtigen Liga gelegt wird. PENTA übernimmt hierbei die Rolle als Vorreiter Gerade das Thema Nachwuchsförderung und der Amateurbereich sind wichtige Punkte, auf die man sich konzentrieren muss und welche bereits von uns über die letzten Jahre selbständig angegriffen werden.

SPORT1: Warum schreitet die Entwicklung der Strukturen für den eSports in Deutschland langsamer voran, als beispielsweise in Skandinavien oder Frankreich? 

Andreas Schaetzke: Dies würde ich so nicht sagen. In allen großen Esport Disziplinen sind verschiedenste Vereine bzw. Organisationen aus Deutschland aktiv. Skandinavien ist uns definitiv einen Schritt voraus was die Akzeptanz in eigenem Land und der Bevölkerung angeht. Darauf gefolgt von Polen, welche ebenfalls einen Esportverband gegründet haben. Die Antwort auf die Frage ist eher, dass Deutschland allgemein neuen Märkten, Innovationen, Sportarten oder sogar Technologien schlechter bzw. langsamer aufgeschlossen ist. So muss man sich nur mal die aktuelle Top-20 der größten Unternehmen anschauen, Pioniergeist und Risikobereitschaft sind auch ein Teil der Esportbewegung. Ein gutes Beispiel sind die USA, welche Europa im Esport bereits überholt haben! Da der Esport sich von "oben nach unten" entwickelt hat, ist es auch natürlich, dass wir einige Jahre noch auf solche Strukturen warten mussten. Es helfen nicht die besten Strukturen, wenn die Persönlichkeiten, Akteure und Organisationen, aber auch Mittel dafür fehlen, um diese auszufüllen.

SPORT1:Was muss in Deutschland passieren, damit der eSports weiter wachsen kann?

Andreas Schaetzke: Man könnte es eine einfache Formel nennen: Zum Einen muss der Verband sich nun massiv aufstellen und umfangreich denken. Man muss die Zusammenarbeit mit der Industrie und eine gewisse Validierung durch diese, sowie weiterer „big Player“ suchen – die Nachfrage ist da. Danach folgt ein Konzept für eine Bundesliga und eventuellen DFB Pokal für verschiedene Spieletitel.Wir sind weiterhin am Anfang, was ich aber gut finde. Wir können viel lernen und uns an anderen Sportarten orientieren, sollten aber keinesfalls versuchen nur blindlings zu kopieren. Esport ist und bleibt etwas Neues, was man nicht in eine alte Verpackung drücken kann oder sollte. Auch das US-System sollte hier definitiv nicht außen vorgelassen werden.

SPORT1:Glaubst du der eSports wird durch den ESBD noch attraktiver für die Fußballvereine aus der Bundesliga?

Andreas Schaetzke: Das ist definitiv eine spannende Frage. Aktuell ändert der ESBD nichts an den Möglichkeiten und dem Markt eSports für Fussballvereine, wenn es um die wirtschaftliche Entscheidung und das Commitment geht. Später, wenn Strukturen geschaffen sind, sollte es für Fussballvereine auch einfacher bzw. nachvollziehbarer sein einzusteigen. Ein spannender Punkt wäre hierbei der Fokus auf eine Symbiose mit der alten und der neuen Welt. Das somit zwei Welten zusammenfinden, welche die gleichen Werte, den sportlichen Wettkampf und die Begeisterung für die Massen teilen.

SPORT1:Im Frühjahr hat PENTA eine eSports-Academy aufgebaut. Wie läuft dieses Projekt bisher?

Andreas Schaetzke: Bisher kann ich sagen, ist unser Project "Esports Academy" ein wahrer Erfolg und wir haben sehr viel aus dem Jahr 2017 für uns mitgenommen. Im Bereich CSGO werden wir langfristiger planen und erstmal den Markt beobachten.  Ziel wird es sein, dass wir mit dem weiteren Ausbau des Esportsleistungszentrums – als zweite Phase und mit Abschluss zum Ende des Jahres – sogar noch einen Gang höher im Bereich „Academy to Professional“ schalten werden. Auch das nötige Personal stocken wir gerade dazu auf und legen Wert auf eine nachhaltige Ausbildung unserer Mitarbeiter und junger Talente. Denn auch hinter den Kulissen brauchen wir eine starke Struktur und Platform.

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