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Verletzungen im eSports ©
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Immer wieder werden berühmte eSportler von Verletzungen geplagt. Eines der bekanntesten Beispiele ist die CS:GO-Legende Olof "olofmeister" Kajbjer.

Von Alexander Maier 

Er fiel 2016 wegen einer Handgelenksverletzung aus. Sport1 erklärt, welche Risiken für eSportler bestehen und wie sie sich vor Verletzungen schützen können.

Abnutzung macht den eSportlern zu schaffen

Während die Gefahren bei klassischem Kontaktsport, wie Fußball oder Eishockey, auf der Hand liegen, haben die virtuellen Athleten vor allem mit Abnutzungen ihres Körpers zu kämpfen. "Meist sind es Überlastungsschäden durch permanente Belastung und Fehlhaltungen", erklärt Chuck Tholl, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Besonders betroffen sei dabei der gesamte Arm, von den Handgelenken bis zur Schulter.

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Aus Tennisarm wird Mausarm

Viele Profis trainieren bis zu zehn Stunden am Tag. Dabei werden die Muskeln im Unterarm durch starre Bewegungen chronisch überlastet. Langsam beginnen die Bewegungen zu schmerzen, bis sie irgendwann nicht mehr erträglich sind. So geschehen bei Clinton "Fear" Loomis. Der Dota 2 Spieler musste The International 2014 absagen, da er unter unerträglichen Schmerzen litt. Früher wurde dies als "Tennisarm" bezeichnet, im eSports spricht man von einem "Mausarm".

Doch man kann den Problemen vorbeugen. "Dehn- und Kräftigungsübungen sind wichtig, auch Massagen helfen", erläutert Tholl. Und dass man einen Mausarm auch wieder kurieren kann, beweist "Fear": Im darauffolgenden Jahr gewann er The International mit seinem Team Evil Geniuses als Carry.

Die Mutter aller eSports-Verletzungen

Probleme mit den Handgelenken treten bei eSportlern noch häufiger auf. Bei dem sogenannten Karpaltunnelsyndrom kommt es zu Taubheit und Kribbeln im Handgelenk und den Fingern, es fühlt sich so an, als würden die Hände einschlafen. 2016 führte das Syndrom bei CS:GO-Legende "olofmeister" so weit, dass er bei den DreamHack Masters Malmö nicht für sein Team Fnatic teilnehmen konnte.

Zwangspausen kennt auch der deutsche StarCraft-II-Profi Dario "TLO" Wünsch, den ebenfalls ein Karpaltunnelsyndrom plagt. Bei einem anderen Profi sorgten Handgelenkprobleme gar für ein zwischenzeitliches Karriereende: Hai "Hai" Lam, League of Legends Spieler bei Cloud9, ging 2015 im Alter von gerade einmal 22 Jahren in den "Gaming-Ruhestand", da er aufgrund seiner Probleme nicht genug trainieren konnte. Er gab jedoch ein halbes Jahr später sein Comeback und er arbeitet mittlerweile unter anderem als Analyst bei den NA LCS.

Auch der Rücken macht zu schaffen

Muskelverspannungen im Rücken- und Nackenbereich kann man durchaus als Volkskrankheit zählen. Problematisch wird es jedoch, wenn dieser "Muskelhartspann" chronisch wird. Falsche Körperhaltung und lange Sitzzeiten können der Auslöser von chronischen Beschwerden sein. "Der Rücken braucht immer wieder wechselnde Bewegungen, vor allem auch die Bandscheiben", so Tholl.

Bevor es überhaupt so weit kommt, kann man als präventiv einiges tun. Es hilft bereits, bei langem Sitzen immer wieder Pausen einzulegen, sich zu strecken und auf eine richtige Sitzposition zu achten. Mit Rückenproblemen zu kämpfen hat unter anderem Heo "PawN" Won Seok, Sieger der LoL World Championship mit Samsung White. Kein Wunder: In Season 3 war er mit mehr als 3800 Partien in der Koreanischen Solo Queue einsamer Spitzenreiter.

Burnout – noch immer ein Tabuthema?

Kaum jemand spricht offen über psychische Probleme. Schon gar nicht in Kreisen der Profisportler, die unter der Beobachtung der Öffentlichkeit stehen. Die jungen Athleten haben wenig bis keinen Urlaub, kennen keine Wochenenden. Die Belastung bei den Wettbewerben, bei denen sie stundenlang hochkonzentriert und vor vielen Millionen Zuschauern spielen müssen, ist enorm.

Dazu kommt der Erfolgsdruck, der durch hohe Preisgelder weiter gesteigert wird. Chuck Tholl kennt die möglichen Konsequenzen: "Wenn die Spieler keine professionelle Hilfe bekommen, können all diese Faktoren zum Burnout führen." Und auf diese Hilfe setzt mittlerweile ein Großteil der Teams. Wie akut das Thema in der Szene ist, zeigt sich am Beispiel der Overwatch League.

Nach Berichten, dass viele Spieler bereits Mitte 20 an Burnout leiden, veranlasste Nate Nanzer, Chef der Liga, eine Veränderung des Spielplanes. Mark Cuban, Milliardär und Besitzer des NBA-Teams Dallas Mavericks ist zwar ein großer Unterstützer des eSports, möchte aber nicht aktiv einsteigen. Für ihn seien die Belastungen der Sportler zu hoch und er wolle dies nicht weiter fördern.

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