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Spaß und Abschussserien-Frust - CoD Black Ops Cold War im Test
Spaß und Abschussserien-Frust - CoD Black Ops Cold War im Test © Activision / SPORT1
Lesedauer: 6 Minuten
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Call of Duty Black Ops Cold War ist der diesjährige Ableger der erfolgreichen Shooter-Reihe und zudem der erste, der auch auf PS5 und Xbox Series X erscheint. Unser Test.

Zunächst geht der Blick zurück auf die Open Beta. Der dort vermittelte Eindruck von Call of Duty Black Ops Cold War bestätigt sich in der Vollversion nahezu zu 100 Prozent. Allerdings gibt es all dem Spaß zum Trotz auch Kritikpunkte an Treyarchs Ableger. Getestet wurde die PS4-Version auf der Standard-Konsole aus dem Jahr 2013.

Gameplay

Nichts ist wichtiger, als ein flüssiges Gameplay. Cold War wird dieser Voraussetzung in weiten Teilen absolut gerecht. Die Waffen fühlen sich intuitiv an und geben selbst ohne die durch Level freischaltbaren Aufsätze ein gutes Bild ab. Dabei blieb die Schadensanzeige aus der Beta erhalten und vermittelt durch Sound und Rumble-Effekte im Gamepad sehr genau, wie präzise die Treffer sind. 

Medaillensammler kommen auf ihre Kosten
Medaillensammler kommen auf ihre Kosten © Screenshot: Call of Duty Black Ops Cold War (PS4)

Allerdings ist das Movement etwas klobiger als im 2019er Modern Warfare. Dort waren Taktiksprint und das "Rutschen" spürbar flüssiger. Die nicht mehr vorhandenen Türen und das vor allem in Warzone bekannte Auflehnen an Kanten fehlt eigentlich nur in den ersten paar Runden, danach vermisst man es gar nicht mehr. Die Physik der Granaten im Flug ist nachvollziehbar und kann mit dem richtigen Timing zu spielentscheidenden Plays genutzt werden. 

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In Sachen Performance beweist das Spiel in Zusammenarbeit mit den Servern, dass Multiplayer ohne echte Verzögerungen oder Framedrops auch auf den "alten" Konsolen noch möglich ist. Nur sehr selten kam es zu Synchronisationsproblemen, die dann in der Kill-Cam als solche erkannt werden konnten.

Vom Crossplay-Feature merkt man in der Regel wenig, vor allem weil die meisten Lobbys selbst mit angeschalteter Option nahezu nur aus Playstation-Spielern bestanden. Der neue Zombie-Modus kann das, was er soll. Bunt, mystisch, aber eben auch stressig und zeitaufwändig. Ohne Voice-Chat und motivierte Freunde eher weniger zu empfehlen.

Wenn es regnet

Problematisch sind manche Abschussserien. Die Spezial-Objekte, die besonders gut performende Spieler belohnen, sind in einigen Modi auf kleineren Maps schlichtweg zu stark. Der automatisierte Kampfhubschrauber beispielsweise ist ohne die richtige Ausstattung nur schwer vom Himmel zu holen. Ein RPG hilft. Auch der Geschützturm, der völlig ohne zusätzliche Steuerung Gegner im Sichtfeld erfasst, kann in stressigen Situationen den Unterschied machen. Dass Napalm-Angriffe oder Artillerie-Beschuss auf engstem Raum, wo Gegner und Mitspieler sich quasi umarmen, eher unrealistisch sind, lassen wir an der Stelle außen vor. Es ist ja immer noch Call of Duty.

Mit Vollgas voraus! Die Fernlenkladung ist stark, kann aber auch schnell erledigt werden
Mit Vollgas voraus! Die Fernlenkladung ist stark, kann aber auch schnell erledigt werden © Screenshot: Call of Duty Black Ops Cold War (PS4)

Hier kommt es auf Gewöhnung und die richtige Taktik an. Hubschrauber und Geschütz können mit den richtigen Laufwegen nicht nur vermieden, sondern auch schnell beseitigt werden. Wenn da nicht noch Gegner wären. Insgesamt vermittelt Cold War aber genau das, was CoD-Spieler der ersten Stunde sich wünschen. Konsole an, Headset auf - rein ins Getümmel. 

Grafik

Wie schaut's aus? Call of Duty Black Ops Cold War sieht auf der "schwachen" Playstation 4 nicht wirklich schlechter aus als Modern Warfare im Jahr zuvor, allerdings scheinen gewisse Grafikeffekte auf Sparflamme zu laufen. Das zum Launch der PS5 kommende Upgrade wird diesen Umstand höchstwahrscheinlich nicht nur dank Raytracing egalisieren.

Das nächtliche Miami ist immer eine Reise wert
Das nächtliche Miami ist immer eine Reise wert © Screenshot: Call of Duty Black Ops Cold War (PS4)

Die bisher enthaltenen Maps sind schön gestaltet und kommen ohne die ganz großen Besonderheiten aus. Hier setzt Treyarch eher auf eine gewisse Atmosphäre, wie sie im Wüstensand von Satellite oder im nächtlichen Miami mit den Neonlichtern durchaus ankommt. Auf der aktuellen Konsolengeneration ist CoD BOCW visuell definitiv kein Meisterwerk und erst recht kein The Last of Us II, aber mit Hinblick auf die Zukunft ein angemessener Ableger vor den Patches.

Wie du mir, so ich dir

Apropos angemessen. Das Skill-based Matchmaking, das von einigen Fans bereits im Vorfeld kritisiert worden war, funktioniert bis auf sehr wenige Ausnahmen absolut reibungslos. Es fällt enorm schwer, eine K/D über 1,50 konstant und in mehreren Runden nacheinander aufrecht zu erhalten. Je besser die eigene Performance ist, desto stärker kommen die darauffolgenden Gegenspieler daher. So bleiben die Matches ausgeglichen und können durch einzelne Plays oder Kill-Serien entschieden werden. 

Nachbesserungsbedarf besteht bei einigen Waffen. Bestimmte Scharfschützengewehre benötigen oftmals nur einen Schuss, um einen Spieler auszuschalten. Dabei kann es auch ein Treffer in den Fuß sein, ist ja auch irgendwie ein wichtiges Organ? Zudem sind Salvensturmgewehre viel zu stark. Eine einzige Rotation reicht in der Regel zum Erfolg. Entweder muss der Schaden reduziert oder die Streuung erhöht werden.

Für Sniper und Camper gibt es ein paar noch zu einladende Ecken, wo sie nahezu unantastbar erscheinen. Hier müssen Laufwege gut durchdacht werden oder Granaten zielgenauer geworfen werden. Ein Problem, das sich mit Spielzeit und Skill eigentlich lösen sollte.

Aufsätze und Level

Auch in Cold War können die enthaltenen Waffen durch aktives Spielen aufgelevelt werden. So schaltet der Spieler Aufsätze frei, die die Werte des jeweiligen Gewehrs verbessern können. Mehr Präzision oder doch lieber ein 40-Schuss-Magazin? An sich hat man die Wahl, am Ende wird sich durch Struktur des Games und Profis eine Meta entwickeln, der sich der Amateur beugen sollte. Skins gibt es natürlich auch!

Hübsch und kraftvoll - die Krig6 wird auf Level 15 freigeschaltet
Hübsch und kraftvoll - die Krig6 wird auf Level 15 freigeschaltet © Screenshot: Call of Duty Black Ops Cold War (PS4)

Fazit

Call of Duty Black Ops Cold War findet in der aktuellen Version den Mittelweg zwischen Arcade und kompetitiven Gameplay. Wer sich richtig ins Zeug legt und K/D sowie Siegesserien pflegen will, kommt genauso auf seine Kosten, wie derjenige, der abends nur mal entspannt eine Runde ballern möchte. Das Skill-based Matchmaking macht es möglich. Optisch kann Cold War das, was es können soll. Keine größeren Framedrops, nachvollziehbare Kill-Cams und hübsche Maps mit vielseitig ausnutzbaren Pfaden. 

Modern Warfare 2007 Spieler der ersten Stunde werden sich ebenso Zuhause fühlen, wie Fans der Treyarch-Ableger, insbesondere der ersten Black Ops Teile.

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