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TimKalation über die Super League und die Parallelen zu FIFA
TimKalation über die Super League und die Parallelen zu FIFA © TimKalation / SPORT1
Lesedauer: 4 Minuten
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In seiner neusten Kolumne spricht TimKalation über die European Super League, deren Niedergang und welche möglichen Parallelen zur FIFA-Reihe erkennbar sind.

Da pausiere ich die Kolumne mal eine Woche, weil nichts Spannendes passiert ist und ich mir auch nichts aus den Fingern saugen möchte. Kaum liege ich also in der Hängematte, erlebt die Fußballwelt eine Erschütterung historischen Ausmaßes. Ich muss an dieser Stelle nicht erzählen, worum es bei geplanten European Super League ging. Das habt Ihr alle mitbekommen. Der Alleingang einiger der größten Fußballvereine der Welt, und ein paar die es gerne wären, wurde durch einen weltweiten Aufschrei von Fans, Vereinen, Medien, Altstars und Politik erfolgreich gestoppt. Nichtmals 24 Stunden dauerte es, da bröckelte auch schon ein Verein nach dem anderen aus der neu geschaffenen Liga wieder heraus.  

Man sei sich nicht bewusst gewesen, dass die Idee der European Super League solch einen Widerstand erzeugen würde und würde, natürlich ganz im Sinne des Fußballs und der Fans, auf eine Teilnahme verzichten. 

Die Motivation des Vorstoßes ist klar; kolportierte 3,5 Mrd. Euro sollte jeder teilnehmende Verein erhalten. Ein Segen für die zumeist hoch verschuldeten Vereine, denen diese Summe weiterhin schlechtes Wirtschaften ermöglicht hätte. Wenn man solch einen Verein besitzt und damit vor allem Geld verdienen möchte, ist solch eine Summe natürlich ebenfalls herrlich.  

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Aber; nun wurde daraus ja nichts. Die UEFA zahlt den Vereinen eine ansprechende Entschädigung für den Verzicht, die Fans bejubeln ihren Sieg über die Habgier und nebenbei kann die Reform der Champions League weitestgehend unbeobachtet ihren Weg gehen. Oder als das kleinere Übel akzeptiert werden. Je nach Blickwinkel. 

Augen aufs Team of the Season

Parallel dazu macht es sich die FIFA-Community gemütlich und wartet gespannt auf das angekündigte Team of the Season. Die besten Karten des Jahres erscheinen. Spieler mit herausragenden Leistungen in den Ligen erhalten eine besonders mächtige TOTS-Karte und man kann sich für verhältnismäßig wenige Coins extrem starke Teams bauen. Dass diese Gelegenheit nun alle Spieler haben und der Teamvorteil dadurch etwas schwindet ist gut. Zumindest für alle die vorher nicht besonders viel Geld ausgegeben haben. 

Also alles gut im Lande FIFA? Eigentlich ist alles wie immer; Patches zerstören das Spiel, man verliert wegen Momentum, Icon-SBC kommt nicht, investierte Karten steigen nicht im Wert, der Content ist grottenschlecht, die Server sind aus der Steinzeit und es ist sowieso das letzte Mal, dass man FIFA gekauft hat. Da muss sich jetzt nicht jeder in jeder Aussage wiederfinden, aber das ein oder andere kennt jeder. 

Man ist also gerne unzufrieden. Oder was heißt gerne; man ist es eben. Mangels Alternativen. Und während man zu oft grummelig weiterspielt; die Liebe zum Fußball eben, verdient man in Vancouver weiter Unmengen Geld. Während Länder FIFA-Points verbieten und Experten warnen. Vor Glücksspielmechanismen. Und sich jeder Verbraucherschützer schreiend in den Aktenschredder werfen müsste, führte er sich den Gegenwert der Packs für ausgegeben Euros bewusst vor Augen. 

Wir haben mit unserem FIFA also letztlich eine Menge Parallelen im Vergleich zur ESL. Klar; wir sprechen über ein Videospiel und nicht den echten Fußball. Aber wir sprechen eben über ein Videospiel. Und in diesem Kosmos sind diese Parallelen unverkennbar. 

Ein finanziell getriebenes Produkt. Über das sich fast alle aufregen. Stars (Influencer), Politik und Fans kritisieren und dessen Mechanismen höchst bedenklich sind. 

Das FIFA, das wir verdienen

Der Weg ist also geebnet, um in FIFA ebenfalls entscheidendes zu bewegen. Verbieten möchte niemand. Aber verändern. Zum Guten hin. Zum Fairen. Zum Besseren.  

Geschieht aber nicht. Warum? Es werden wieder Unmengen Geld ausgegeben. Weitergespielt. Weiter geflucht. Und FIFA 22 dann eben doch wieder gekauft. Voller Hoffnung. Warum also? Ist es letztlich doch nicht so wichtig? Oder doch alles nicht so schlimm wie immer gesagt? Wenn es nicht so wichtig ist; wieso regen wir uns dann so auf? Ist es doch nicht so schlimm? Warum reden wir dann ständig darüber? Also entweder nutzen wir FIFA zum systematischen Meckern und Bezahlen dafür gerne Geld, oder wir haben mit allem Recht. Wenn wir mit allem Recht haben und nichts tun, alles hinnehmen und es noch mit Geld belohnen, was ist das dann? Woher soll der Druck für EA SPORTS kommen dringend notwendige Verbesserungen vorzunehmen?  

Was muss geschehen, damit sich die Community mit allen Beteiligten zusammenfindet und den nachhaltigen Druck aufbringt der notwendig ist? Die Spieler müssen die Stars in die Pflicht nehmen ihre Reichweite und Macht mit ihnen selbst im Rücken für Veränderung zu nutzen. Die Stimmen der Community sein. Wenn aber letztlich das nächste Video mit großem Packopening und das Geld, was damit verdient wird wieder wichtiger ist und die Community genau diesen Content am meisten klickt, dann, ja dann haben wir wohl alle das FIFA was wir verdienen. 

Aber FIFA 22 wird besser. Bestimmt. 

Euer Tim 

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