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G2 Esports ging mit großen Erwartungen in das Mid-Season Invitational. Nach einer schwachen Gruppenphase steigerte sich der EU-Champion in den Playoffs enorm.

Für G2 Esports war das Mid-Season Invitational 2017 mehr, als nur ein internationales League of Legends-Turnier um rund zwei Millionen US-Dollar Preisgeld. Europas Könige spielten um die Gunst der Fans, die sie nach katastrophalen Auftritten im interregionalen Vergleich im Vorjahr verloren hatten.

Das MSI wurde als die letzte wirkliche Chance bezeichnet, den Memes über die Leistung des Teams auf internationaler Bühne ein Ende zu bereiten und die europäischen Zuschauer davon zu überzeugen, die Spieler zu unterstützen.

Mithy hatte nach dem 3:1-Erfolg über Fnatic im Halbfinale des Spring Splits in einem Interview an die Anhänger appelliert und davon gesprochen, wie hart er und seine Kollegen trainieren, um Europa bei einer MSI-Teilnahme stolz zu machen.

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Die Ansprache stieß auf gemischte Reaktionen, die nach dem Gruppenaus beim MSI 2016 und der anschließenden Weltmeisterschaft verständlich waren.

Enttäuschende Gruppenphase

Für die starken Worte im Vorfeld des Turniers lief der Start in die Gruppenphase sehr nüchtern. Gute erste zehn Minuten im Auftaktmatch gegen SK Telecom T1 waren in der Hinrunde eines der wenigen Highlights.

In der EU LCS hatte sich das Team darauf konzentriert, Spiele durch gutes Makro-Play im Mid- sowie Late-Game zu gewinnen und dies immer wieder betont. Nicht selten lief das dominante Team Europas früh einem Goldrückstand hinterher, um am Ende noch siegreich hervorzugehen.

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In dieser Hinsicht schien der dreimalige LCS-Sieger in der Gruppenphase ins Extreme zu gehen: Diverse Male setzte das Team auf eine skalierende Team-Komposition mit einem Hyper-Carry für Zven.

Drei dieser Spiele gewann G2 dann auch, doch diese fühlten sich nicht wie Erfolge an, die das mit Abstand beste Team einer großen Region einfahren sollte. Defensiv und ohne eigene Geistesblitze wartete das Team, bis sich der Gegner selbst ausspielte oder das Zeitfenster der eigenen Komposition verpasste.

Wie schnell ein derartiges Vorgehen schiefgehen kann, zeigten die Matches gegen SK Telecom T1 und Team WE. Dabei wirkte es so, als würden die Europäer versuchen, die Schwachstellen in Tricks Champion-Pool auszumerzen und dabei den Late-Game-Plan durchzuziehen. Proaktivität spielt eine große Rolle, doch davon fehlte bei G2 meist jede Spur.

G2 zeigt zweites Gesicht

Nach Ablauf der Gruppenphase standen unterm Strich vier Siege und sechs Niederlagen. Durch eine glückliche Konstellation und die Tie-Breaker-Regeln des Turniers qualifizierte sich der europäische Vertreter trotzdem als Dritter für die Playoffs.

Nach knapp einer Woche Vorbereitungszeit und dem Umstieg von Best-of-Ones auf Best-of-Fives zeigte G2 Esports ein gänzlich anderes Gesicht. Trick, der zuvor nur mit Ivern und Nunu wirklich Erfolg hatte, traute sich an Olaf heran – einen alten Pocket-Pick. Dies stellte sich als Glückgriff heraus und verhalf seinem Team zu neuer Stärke im Early-Game.

G2 musste nicht mehr auf skalierende Kompositionen setzen, um die Defizite von Trick in den ersten 20-25 Minuten des Spiels zu kompensieren. Damit gelang es dem Team, im Halbfinale Team WE überzeugend mit 3:1 zu schlagen, obwohl beide Duelle in der Gruppenphase noch klar an die Chinesen gegangen waren.

Auch im Endspiel führte sich dieser Trend fort. Als klarer Außenseiter ging der EU-Champion ins Finale gegen SK Telecom T1 und verlor dieses auch, doch die Spieler präsentierten sich konkurrenzfähig und nahmen den Südkoreanern sogar ein Spiel ab. Dies hätte nach den Leistungen aus der Gruppenphase niemand erwartet.

Mithy und Co. gelang es im Turnierverlauf, das Ruder herumzureißen und Europa würdig zu vertreten. Viele Fans äußerten sich positiv über die Leistung des Teams. Es herrscht kein Zweifel daran, dass G2 diese letzte Chance auf Wiedergutmachung genutzt hat. Nun gilt es, dies bei der WM zu bestätigen.

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