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Zum Schwimmen können Kinder bereits in ganz jungen Jahren
Zum Schwimmen können Kinder bereits in ganz jungen Jahren © Getty Images
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Richtig schwimmen können ist wichtig für die Sicherheit eines Kindes. Ab wann sollten die Kleinen das Schwimmen lernen und wo? SPORT1 gibt den Überblick.

Früh und richtig Schwimmen lernen ist für den Schutz eines Kindes vor Ertrinkungsunfällen unabdinglich.

Trotzdem lernen es viele Kinder heute zu spät. Die Gründe dafür sind vielseitig: Die Angebote für Schwimmstunden werden immer weniger - sei es von Vereinen oder in der Grundschule - und sind zudem sehr teuer. Teilweise fehlt bei den Familien auch schlichtweg das Interesse, dass ihre Schützlinge frühzeitig das Schwimmen lernen oder die Verantwortung wird den Schulen übertragen.

Zahl der Schwimmunfälle steigt

Ein gefährlicher Trend - das zeigen auch die Zahlen der Badeunfälle im letzten Jahr deutlich: In Deutschland sind 2018 mehr als 500 Menschen ertrunken. Das sind etwa ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Zwar sind eher ältere Personen betroffen, aber auch bei der jungen Generation offenbaren sich bedenkliche Zahlen.

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Eine Umfrage der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zeigt, dass im Jahr 2018 nur noch 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen den Freischwimmer schafften.

Aber ab wann ist es überhaupt sinnvoll, seinem Kind das Schwimmen zu beizubringen? Und wo finden Eltern entsprechende Angebote? SPORT1 fasst die wichtigsten Informationen zusammen.

Für den schnellen Leser:

  • Ab wann sollen Kinder schwimmen lernen? Bereits mit drei Monaten kann mit Babyschwimmen begonnen werden, richtig schwimmen ab 4 Jahren
  • Wo werden Schwimmkurse angeboten? In Schwimmbädern aber auch als Schwimmunterricht in der Schule
  • Schwimmen lernen im Kindergarten? Einige Schwimmschulen holen die Kinder während der Betreuungszeit im Kindergarten ab
  • Vorteile von Schwimmen? Sicherheit, Stärkung der Muskulatur

Ab wann sollte mein Kind schwimmen lernen?

  • Babyschwimmen ab drei Monaten: Bereits ab 3 Monaten kann beim Babyschwimmen mit der Wassergewöhnung begonnen werden. Dort lernen Kinder zwar das Schwimmen noch nicht wirklich, durch das gemeinsame Plantschen im Wasser machen sie sich allerdings bereits mit dem kühlen Nass vertraut. Den Eltern werden wichtige Haltetechniken und Griffe vermittelt, mit denen sie ihr Baby durch das Wasser führen können, sodass das Kind nach Lust und Laune planschen und strampeln kann.
  • Wassergewöhnungskurse ab 1 bis 4 Jahren: Viele Schwimmbäder bieten auch Wassergewöhnungskurse für 70 bis 120 Euro an. Kinder zwischen ein und 4 Jahren lernen dabei in einfachen Übungen, ihre Wasserscheu zu überwinden.
  • Schwimmen ab 4 Jahren: Richtig Schwimmen lernen Kinder frühestens mit 4 Jahren, wenn sie die nötigen körperlichen und geistigen Voraussetzungen haben. Als Faustregel gilt: Erst wenn ein Kind ohne Stützräder Fahrradfahren kann, kann es auch schwimmen lernen - denn dann sind Körperbeherrschung und Motorik ausreichend ausgereift.

Wo kann man Schwimmkurse machen?

  • Babyschwimmen: In Schwimmschulen oder in öffentlichen Bädern
  • Im Kindergarten: In der Betreuungszeit durch manche Schwimmschulen (es gibt Schwimmschulen, die Kindergartenkinder während der Betreuungszeit abholen), danach in Schwimmkursen oder durch Eltern. 
  • in der Schule: Teilweise gibt es Schulen mit eigenem Schwimmbad. Alternativ: Schwimmkurs nach der Schule
  • im Urlaub: Ein Heißer Tipp ist es, den Urlaub nutzen, um Schwimmen zu lernen.

In der Regel liegen die Kosten für das "Seepferdchen-Abzeichen" zwischen 30 und 65 Euro. Allerdings können noch weitere Kosten wie der Eintritt für das Schwimmbad hinzukommen. Für regelmäßiges Schwimmtraining im Verein fallen circa 60 bis 130 Euro pro Monat an.

In Schwimmkursen gewöhnen sich Kinder zuerst an das Wasser
In Schwimmkursen gewöhnen sich Kinder zuerst an das Wasser © Getty Images

Welche Schwimmabzeichen gibt es?

  • Seepferdchen: Es ist das erste Schwimmabzeichen, bedeutet allerdings nicht, dass ein Kind wirklich schwimmen kann. Es ist lediglich in der Lage, 25 Meter im Wasser zurückzulegen und einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser heraufzuholen - der Deutsche Schwimm-Verband stuft Kinder, die lediglich die Anforderungen für das Seepferdchen erfüllen können, als Nichtschwimmer ein.
  • Bronze: Erst ab dem Bronzeabzeichen gelten Kinder als sichere Schwimmer und dürfen ohne Aufsicht der Eltern schwimmen gehen. Um das Abzeichen zu erhalten, müssen 200 Meter in höchstens 15 Minuten zurückgelegt werden und ein Gegenstand aus zwei Metern Tiefe an die Oberfläche geholt werden. Zudem müssen die Teilnehmer aus einem Meter Höhe oder mit einem Startsprung ins Wasser springen und die Baderegeln kennen.
  • Silber: Das Silberabzeichen besteht aus 400 Meter Schwimmen in maximal 25 Minuten (300 Meter Bauch- und 100 Meter Rückenlage), zweimaligem Heraufholen eines Gegenstandes aus zwei Meter tiefem Wasser, zehn Meter Streckentauchen, einem Sprung aus drei Metern Höhe und der Kenntnis der Baderegeln.
  • Gold: Beim Goldabzeichen wird es noch einmal etwas schwieriger: 600 Meter Schwimmen in 24 Minuten, 50 Meter Brustschwimmen in 70 Sekunden, 25 Meter Kraulen, 50 Meter Rückenschwimmen mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit oder 50 Meter Rückenkraulschwimmen müssen absolviert werden.

Kann ich meinem Kind selbst das Schwimmen beibringen?

In erster Linie stehen die Eltern in der Pflicht, ihren Kindern schwimmen beizubringen. Wer mit seinem Nachwuchs regelmäßig zum Schwimmen geht, muss letztendlich auch nicht unbedingt Geld für Kurse ausgeben. Denn wenn Kinder viel im Wasser sind, können sie es irgendwann - auch wenn die Technik dann vielleicht nicht perfekt ist.

Ein weiterer Punkt spricht dafür, dass Eltern ihren Kindern selbst das Schwimmen beibringen: Mama und Papa sind jene Personen, denen ein Kind von Grund auf am meisten Vertrauen schenkt. So haben Kinder an der Seite ihrer Eltern wohl auch weniger Angst als in einem Schwimmkurs mit fremdem Lehrer.

An der Seite von Mama oder Papa haben viele Kinder weniger Angst im Wasser
An der Seite von Mama oder Papa haben viele Kinder weniger Angst im Wasser © Getty Images

Trotzdem ist es ratsam, dass Kinder in einem Schwimmkurs das Schwimmen lernen, da die Schwimmlehrer geschult sind und richtig einschätzen können, wann Kinder das Schwimmen wirklich beherrschen. Bei Eltern besteht die Gefahr, dass sie ihre Schützlinge überschätzen.

Schwimmhilfen wie Schwimmflügel: ja oder nein?

Achtung! Schwimmhilfen wie Schwimmflügel bieten keinen sicheren Schutz vor dem Ertrinken. Sie vermitteln ein trügerisches Gefühl von Sicherheit und den kleinen Kindern fällt es sogar schwer, sich nach dem Kentern wieder aufzurichten. 

Klassische Schwimmflügel eigenen sich als Unterstützung beim Planschen im Wasser, sofern das Kind zusätzlich beaufsichtigt wird. Beim Schwimmenlernen können solche Schwimmhilfen allerdings hinderlich sein, da sie das selbständige Schwimmen verzögern und das Kind dran hindern, die Bewegungen richtig auszuführen.

Eine innovative und spaßig entworfene Alternative zu den klassischen Schwimmflügeln ist die sogenannte "SwimFin". Sie sieht aus wie die Rückenflosse eine Haifischs und hält den kleinen Schwimmer in einer optimalen Schwimmposition.

Vorteile vom Schwimmen

Der wichtigste Vorteil ist die Sicherheit. Denn bei ein- bis fünfjährigen Kindern ist Ertrinken die häufigste, bei fünf-bis zehnjährigen die zweithäufigste Todesursache. Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft starben im Jahr 2018 bei Ertrinkungsunfällen 71 Kinder und Jugendliche bis zum 20. Lebensjahr.

Schwimmen ist außerdem ein idealer Ganzkörpersport, da beinahe die komplette Muskulatur im Einsatz ist. Beine, Arme, Brust und Rücken werden beansprucht, um den Körper zu bewegen und das Wasser zu verdrängen. Der große Vorteil: Die Belastung für die Gelenke ist äußerst gering. Zwar scheint dieser Aspekt in jungen Jahren noch nicht entscheidend, langfristig können so aber Folgeschäden vermieden werden.

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Auch die koordinativen Fähigkeiten werden durch das Zusammenspiel der Arm- und Beinbewegungen gefördert. Darüber hinaus verbessert sich durch das Schwimmen die Ausdauer. Durch das Training vergrößert sich das Lungenvolumen und somit auch die Sauerstoffversorgung.

Erfolgreicher Schwimm-Profi: Michael Phelps

Die besten Schwimmer kommen aus den USA und Australien. So auch Michael Phelps.

Der US-Amerikaner begann mit 7 Jahren mit dem Schwimmen. Grund dafür war vor allem eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS), die durch das Training kompensiert werden sollte. Auch der Einfluss seiner älteren Schwestern spielte eine Rolle.

Michael Phelps sichert sich bei den Olympischen Spielen 2016 fünf Goldmedaillen
Michael Phelps sichert sich bei den Olympischen Spielen 2016 fünf Goldmedaillen © Getty Images

Im Jahr 2000, nur acht Jahre später, nahm der ehemalige Profi-Schwimmer erstmals an den Olympischen Spielen in Sydney teil und war damit der jüngste männliche Teilnehmer im US-Team seit 68 Jahren. Heute hat Phelps insgesamt 23 Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen auf dem Konto.

Auch aus Deutschland gab es einige erfolgreiche Schwimmstars wie Franziska van Almsick, Paul Biedermann, Thomas Lurz oder Florian Wellbrock.

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