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Die Aspetar-Klinik ist einer der globalen Hotspots im Bereich Sportverletzungen und Reha
Die Aspetar-Klinik ist einer der globalen Hotspots im Bereich Sportverletzungen und Reha © Getty Images
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München - Um das Risiko von Verletzungen im Profisport zu minimieren, werden weltweit Anstrengungen unternommen. Die Aspetar-Klinik in Doha ist einer der globalen Hotspots.

Wenn sich ein Sportler eine Verletzung zuzieht, sind die ersten Gefühle Schmerz und Frustration.

Den Funktionären schießen aber neben den sportlichen Auswirkungen sofort auch wirtschaftliche Aspekte in den Kopf. Sportler sind heutzutage nicht mehr nur Athleten, sondern für Vereine oder Verbände in erster Linie Ressourcen.

Fallen diese Ressourcen aus, hat dies unweigerlich auch Auswirkungen im finanziellen Bereich - sei es durch entgangene Startgelder oder vertraglich vereinbarte Zahlungen, die weiterlaufen, obwohl der Sportler sein Potenzial während der Verletzung nicht für den Erfolg des Vereins einsetzen kann.

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Diese wirtschaftlichen Aspekte im Sport haben dazu geführt, dass Athleten wie Hightech-Maschinen gehegt und gepflegt werden. Die Sportmedizin hat in diesem Zusammenhang in der jüngeren Vergangenheit enorm an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile gibt es eine regelrechte Gesundheitsindustrie, die sich ausschließlich um die Behandlung von Sportverletzungen kümmert und wie man diese vermeiden kann.

Doha als Hotspot der Sportmedizin

Einer dieser Komplexe ist die Aspetar-Klinik in Doha. Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude unscheinbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Gebäuden in Katar ist es nicht mit reichlich Luxus und Glitzereffekten ausgestattet, sondern kommt eher nüchtern, pragmatisch daher.

Die Aspetar-Klinik wirkt von außen modern, aber eher pragmatisch
Die Aspetar-Klinik wirkt von außen modern, aber eher pragmatisch © Getty Images

Man darf sich vom äußeren Schein aber nicht täuschen lassen. In den Mauern des 29.745 Quadratmeter umfassenden Gebäudekomplexes befindet sich eine der modernsten Gesundheitseinrichtungen der Welt. Ziel dieser Einrichtung ist es, bis 2020 zu den internationalen Spitzenreitern im Bereich Sportmedizin und Forschung zu gehören.

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Luxus und Hightech in der Behandlung

Diese Vision wird seit 2007 engagiert verfolgt. Egal, ob drahtlose Elektromyologie (EMG) oder das Anti-Gravitations-Laufband, welches Astronauten der NASA für ihr Training verwenden - die Ausstattung der Klinik ist nicht modern, sie setzt neue Maßstäbe im Bereich der Behandlung von Sportverletzungen und Reha-Maßnahmen.

Selbst Spitzensportler sind immer wieder überrascht von den technischen Möglichkeiten der Klinik. "Das ist wirklich ein erstaunlicher Ort. Selbst in Europa haben sie nichts Ähnliches. Aspetar hat alles, was ein Spitzensportler brauchen kann. Die Sorgfalt und Aufmerksamkeit ist unübertroffen. Faktoren, die einen großen Unterschied machen können, wenn man auf höchstem Niveau spielt" urteilte der ehemalige ManCity-Star Yaya Touré.

Das Highlight in der Behandlung sind vor allem die 25 Räume, in denen der Luftdruck verändert werden kann. Über ein spezielles Sauerstoff-Filtersystem können in diesen Räumen Sauerstoffkonzentrationen von 500 bis 5500 Metern über dem Meeresspiegel simuliert werden. So können die Sportler während ihres Aufenthalts ein "Live High, Train Low"-Programm absolvieren.

Sie wohnen in einem 5-Sterne-Appartment auf bis zu 5500 Metern, können aber gleichzeitig auf Meereshöhe trainieren. Bei diesem Trainingssystem wird die Produktion von roten Blutkörperchen im Körper angeregt, womit die Ausdauerfähigkeit verbessert wird. Davon war auch PSG-Stürmer Angel Di Maria überrascht. "Ich war nie zuvor in einem Raum, in dem man die Meereshöhe verändern kann."

Ein Hollywood-Studio zur Analyse

Eine andere technische Innovation ist ein CGI-Studio, wie es in Hollywood verwendet wird. Durch kleine Marker auf dem Körper ist es möglich, den Muskelapparat der Sportler in der Bewegung mittels einer 3D-Grafik abzubilden. Dabei werden wichtige Daten über die Elastizität, Ausdauer und Stärke des Muskels gewonnen.

Das ermöglicht eine Beurteilung von künftigen Risiken in Bezug auf Muskelverletzungen und eine maßgeschneiderte Behandlung. Die Information, wie der Muskel vor der Verletzung funktioniert hat, ist der Schlüssel zu größtmöglicher Genesung.

Gerade dieses Vorgehen bei Muskelverletzungen und deren Prävention hat die Aufmerksamkeit von Fußballvereinen auf sich gezogen. So hat die Klinik mit Paris Saint-Germain und den Tottenham Hotspur medizinische Partnerschaften abgeschlossen.

Partnerschaft mit Vereinen und Verbänden

Dr. Shabaaz Mughal, Chef der medizinischen Abteilung der Spurs, will mit dieser Zusammenarbeit die Leistungsfähigkeit der Spieler verbessern. "Wir prüfen ständig, wie wir die Gesundheit und Leistung unserer Spieler verbessern können, um sicherzustellen, dass sie ihr volles Potenzial auf dem Platz ausschöpfen. Diese Partnerschaft kann uns dabei nur weiterhelfen."

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Neben Paris und Tottenham haben sich auch die Nationalmannschaften von Algerien und der Elfenbeinküste die medizinische Unterstützung aus Doha gesichert. Dazu sind zahlreiche einzelne Sportler wie Neymar, Mo Farah oder Joel Embiid schon nach Doha geflogen, um sich hier behandeln zu lassen.

Wie ein Bootcamp

"Es ist ein sehr holistischer Ansatz der Behandlung", begründete 76ers-Manager Brett Brown die Entscheidung für Doha als Behandlungsort. Allerdings betont er auch, dass den Sportlern dort nichts geschenkt wird, sondern sie hart für ihr Comeback arbeiten müssen. "Er (Embiid, Anm.d.Red.) erzählte mir, dass die Tage dort sehr hart sind. Man wird dauernd überwacht und unterliegt einer strengen Disziplin. Entweder man akzeptiert das oder man ist hier nicht willkommen. Es hatte was von einem Bootcamp", gab Brown einen kleinen Einblick bei nbcsports.

Mit diesem Konzept und den Erfolgen überzeugt die Aspetar-Klinik aber immer mehr Sportler und so kommt es oft vor, dass Fußballer neben einem Wintersportler trainieren, während ein Basketballer seine Sprünge macht.

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Barry White, der früher selbst in der NBA aktiv war und nun als Trainer bei Aspetar arbeitet, befürwortet dieses Konzept. "Die Tatsache, dass sie hier zusammen sind und gegenseitig ihre Mühen und Leiden sehen können, schafft eine spezielle Energie bei der Behandlung."

Aspetar bei der Leichtathletik-WM 2019 und FIFA-WM 2022

Aber nicht nur Sportler und Vereine sind mittlerweile auf die Klinik aufmerksam geworden, auch Verbände wollen die medizinischen Ressourcen für sich nutzen. Der Internationale Handball-Verband IHF ernannte die Klinik 2015 zum ersten "Referenzzentrum für die Gesundheit von Athleten und Schiedsrichtern" weltweit. Bereits ein Jahr zuvor wurde der Komplex vom IOC als "Zentrum für Verletzungsprävention und Schutz der Athletengesundheit" ausgezeichnet.

Im Rahmen dieser Auszeichnungen hat die Klinik bereits mehr als 60 internationale Sportveranstaltungen medizinisch begleitet - unter anderem die Handball-WM 2015. Auch in Zukunft wird sie dies tun. Bei der Leichtathletik-WM 2019 ist Aspetar der nationale medizinische Dienstleister.

Der Höhepunkt wird aber die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 sein. Die katarische Nationalmannschaft wird bereits betreut. Aber während des Turnier steht die technische Ausrüstung und das Know-how allen Teilnehmern der WM zur Verfügung. Immerhin ist die Klinik bereits seit 2009 als FIFA Medical Centre of Excellence Teil der medizinischen Bemühungen im Fußball-Weltverband.

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