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Christian Beeck beurteilt den Neuanfang bei Union Berlin unter Sascha Lewandowski (r.)
Christian Beeck beurteilt den Neuanfang bei Union Berlin unter Sascha Lewandowski (r.) © SPORT1 / Imago
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In seiner Kolumne attestiert SPORT1-Experte Christian Beeck dem neuen Union-Trainer Sascha Lewandowski großes Fachwissen. Die Trennung von Norbert Düwel war für Beeck längst überfällig.

Hallo Zweitliga-Freunde,

Union Berlin startet einen Neuanfang. Ich war nicht überrascht von dem Trainerwechsel. Er kommt für mich viel zu spät. Von Anfang an war zu erkennen, dass Norbert Düwel nicht die notwendige Qualität für diesen Arbeitsplatz besitzt.

Er stellte sich verbal einiges vor, was aber zu keinem Zeitpunkt in die Tat umgesetzt wurde. Man hat sich blenden lassen und somit ein wichtiges Entwicklungsjahr im sportlichen Bereich verschenkt.

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Ich war am Freitag selbst im Stadion beim Spiel gegen RB Leipzig. Fußballerisch konnte ich gar nichts erkennen, kämpferisch war es solide. Für ein Spiel, was für einen Unioner das Spiel des Jahres gewesen ist, war mir aber auch das viel zu wenig. Man hatte Glück, dass man gegen einen Klub gespielt hat, der nicht auf dem Laufenden ist, der zwar viel Geld ausgegeben hat, aber derzeit keinen Fuß vor den anderen kriegt.

Wie gesagt, es hat mich eher gewundert, dass man solange mit der Entlassung gewartet hat. Das, was ein Umbruch hätte sein sollen, konnte ich nicht erkennen. Ein planloses Agieren inklusive vieler Fettnäpfchen für den Boulevard stand deutlich im Mittelpunkt. Allerdings ist Düwel Siebter geworden, und das ist für Unioner Verhältnisse sehr gut. 

Beim neuen Coach Sascha Lewandowski wird schon von einem Trainercoup gesprochen. Ich bin da grundsätzlich immer sehr vorsichtig. Er ist ein hervorragender Fachmann, der seinen Fußballlehrer in Deutschland gemacht hat. Von daher ist der Verein schon mal einen Schritt weiter.

Allerdings muss man in erster Linie auch die Mannschaft sehen: Was habe ich für Spieler und mit welcher Qualität? Wie sieht das Mannschaftsgefüge  aus etc.?

Bei Union sind derzeitig 27 Jungs, die quasi immer wieder für die Sache zu begeistern sind. Und genau da liegt für mich das Hauptproblem. Diese Truppe wird es unheimlich schwer haben, ihre Ziele in der zweiten Bundesliga zu erreichen. Nach dem Abgang von Polter ist keiner dazu gekommen, der dieser Mannschaft eine Prägung geben kann.

Es wirkt derzeit alles verkrampft und kompliziert. Die Trainingsinhalte scheinen festgefahren, die Leichtigkeit ist völlig weg. 

Insgesamt sehe ich die Zusammenstellung des Kaders äußerst kritisch und bin sehr gespannt, wie sich die Mannschaft entwickeln wird. Es wartet also sehr viel Arbeit auf den neuen Mann, und mit Sicherheit ist hier die gesamte Handlungsbreite des Trainerhandwerkes gefragt. 

Ob er am Ende dann zu dieser Mannschaft passt, wird sich an den Ergebnissen zeigen. Denn Punkte sind jetzt erst einmal das wirklich Wichtige.

Was mich bei all dem gewundert hat, ist das Gerücht, dass Lewandowski einige Erstliga-Angebote gehabt haben soll. Allerdings habe er lieber im Jugendbereich bei Bayer Leverkusen bleiben wollen. Wenn ein Trainer wirklich die Möglichkeit gehabt hätte, einen Erstligisten zu trainieren, und dann sagt, er wolle lieber im Jugendbereich arbeiten, stellt sich die Frage, warum er am Anfang einer Saison zum 14. der Zweiten Liga wechselt.

Ich nehme diese Geschichte niemanden ab. Und Sie passt auch nicht zu Sascha Lewandoswski. Klappern gehört zwar zum Geschäft. Aber am Ende des Tages sollten sich einige Beratungsagenturen überlegen, was sie da in die Welt setzen, um ihre Mandanten Interessant zu machen.

Zum Schluss stellt sich noch die Frage, ob es ausreichen wird, alleine zu kommen. Sollte er nicht wenigstens seinen Co-Trainer mitbringen, um wirklich etwas zu entfachen?

Ich habe gehört, dass er Peter Hyballa noch holen will, wenn es mit den beiden jetzigen Co-Trainern nicht ideal laufen sollte. Mit dem Peter wäre mal wieder richtig was los bei den Eisernen.

Die Strukturen sind teilweise festgefahren und waren auch für Norbert Düwel nicht gut. Das ist auch gar nicht böse gemeint, liebe Unioner. Aber um richtig was zu bewegen, musst du mal so richtig durchblasen, damit alle wach werden, und erkennen, dass Profifußball auch anders funktionieren kann. Der Peter mit seiner Art und Weise würde mir da sehr viel Spaß bereiten!

Euer Christian Beeck

Christian Beeck absolvierte während seiner Profilaufbahn insgesamt 79 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele. Neben Union Berlin war er unter anderem für Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und Energie Cottbus am Ball. Für Union und Cottbus war Beeck nach seiner aktiven Zeit als Spieler auch im Management tätig. Für SPORT1 analysiert Beeck seit dieser Saison das Geschehen rund um die Zweite Liga.

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