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München - Der ehemalige 1860-Geschäftsführer Stefan Ziffzer warnt bei SPORT1 die Löwen vor einer Auseinandersetzung mit dem Rekordmeister - und nennt den größten Fehler von Investor Ismaik.

Stefan Ziffzer war in einer ganz prekären Lage bei 1860 München als Geschäftsführer tätig. Unter seiner Führung gelang es 2006, den Verein nach dem Verkauf der Stadion-Anteile für elf Millionen Euro auf einen Weg der finanziellen Konsolidierung zu bringen.

Es war aber eine Entscheidung, für die er im Nachhinein nicht nur gefeiert wurde. Zuletzt drohte 1860-Investor Hasan Ismaik dem FC Bayern wegen dieses Stadion-Deals gar mit einer Klage.

Im Mai 2008 wurde Ziffzer nach einem Streit mit dem damaligen Präsidium entlassen. Heute arbeitet der 64-Jährige erfolgreich als Unternehmensberater, hat die Sechziger aber weiter im Auge.

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Vor dem Spiel der Löwen beim VfL Bochum sprach Ziffzer bei SPORT1 über...

...das Verhältnis zwischen 1860 und FC Bayern und den Stadionstreit:

Die Sechziger schaden sich mit diesem Hass auf die Bayern nur selbst. Bei dem Stadion-Deal damals waren die Bayern-Ultras sauer, dass die Bayern Sechzig geholfen haben und die 1860-Ultras waren sauer, dass man sich von den Roten das Leben hat retten lassen.

Wenn man mal von diesen beiden Randgruppen absieht, dann glaube ich, dass es für beide Parteien besser wäre, ein halbwegs vernünftiges Verhältnis zu haben. Wenn man glaubt, dass man als Sechziger den eindeutigen Marktführer Deutschlands oder fast Europas anstinken kann, das ist größenwahnsinnig. 

...1860-Investor Hasan Ismaik:

Ich kenne Herrn Ismaik nicht persönlich. Ich weiß nicht, welche Informationen im Großen wie im Kleinen bei Herrn Ismaik landen und wie weit diese Informationen, weil missverständlich oder unvollständig dargestellt, bei ihm zu polternden Reaktionen führen. Sein Ärger über die große Freikarten-Aktion bei Sechzig ist nicht neu.

Vor meiner Zeit gab es in diesem Verein fast keinen zahlenden Gast im VIP-Bereich, das waren fast alles Freikarten-Inhaber.  

 ...den größten Fehler von Ismaik:

Ich habe selbst zehn Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet. Die Gefahr, dass man von außen die Verhältnisse, die Mentalität und die Geflogenheiten falsch einschätzt, ist sehr groß. Wenn man wie Ismaik nicht regelmäßig vor Ort ist und Strömungen mitbekommt und die Sprache nicht spricht, die im Verein gesprochen wird, dann ist es wahnsinnig schwierig, weil man am Ende auf Zulieferer, Berater oder Einflüsterer angewiesen ist.

Wenn es stimmt, dass er bei seinem Einstieg nicht wusste, dass es in Deutschland die 50+1-Regel gibt, dann hat die Person, die ihn beraten hat, einen ganz großen Fehler gemacht.

© Reinhard Franke

...die Chefetage bei 1860:

Ich weiß nicht, ob da nur Ahnungslose arbeiten ohne Fußball-Sachverstand. Wenn man lange zurückgeht, dann war der Bau der Allianz Arena der kriegsentscheidende Fehler, den der damalige Präsident (Karl-Heinz Wildmoser, d. Red.) gemacht hat. Wildmoser selber hat im Fußballgeschäft jeden Winkel gekannt und auch geschickt genutzt.

Danach wurde es schwieriger. Sportdirektoren hat es mit Stefan Reuter nur einen sehr guten gegeben. Doch er musste am Ende gehen, weil er auch ein Roter war und von einem tief Blauen ersetzt wurde (Micki Stevic, d. Red.). Dieser Wechsel war eine Katastrophe, weil der Rote zumindest nie Gerüchte beladene Beziehungen zu einzelnen Spielerberatern hatte.

...das Aus von Kosta Runjaic und Thomas Eichin:

Ich kenne Thomas Eichin. Ich habe ihn im Eishockey kennengelernt und über Jahre erlebt und hatte immer einen sehr guten Eindruck von ihm. Was mich gewundert hat, war sein Start. Zu seiner Vorstellung hieß es schon, dass er zunächst Geschäftsführer sei und dann später zurücktreten wird. 

Ob man einen Kosta Runjaic gerecht behandelt hat, kann ich nicht beurteilen. Klar ist, dass die sportliche Bilanz nicht ansatzweise das gebracht hat, was er sich gewünscht hat.

...die Zukunft bei 1860:

Man muss bei 1860 leider befürchten, dass das schwierig bleibt. Ich habe gehört, dass der Etat für die Profis bei rund 14 bis 15 Millionen Euro liegt. Selbst dann ist man von dem entfernt, was die Absteiger aus der Bundesliga im ersten Jahr nach dem Abstieg zur Verfügung haben.

Um zu sagen 'In diesem Jahr steigen wir sicher auf', müsste man mindestens den Etat der Top 3 in der 2. Liga haben.

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